Corona beherrscht nach wie vor nicht nur den Alltag, sondern auch den Arbeitsmarkt. Zwar ist auch im März die Arbeitslosenquote leicht zurückgegangen, allerdings hat dies vor allem saisonale Gründe und deutet nicht zwangsläufig auf eine grundsätzliche Entspannung am Arbeitsmarkt hin, erklärt die Reutlinger Agentur für Arbeit. Die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Reutlingen sank um 323 Frauen und Männer auf nun 11 610. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,0 Prozent gesunken (Vormonat bei 4,1 Prozent). Landesweit sank diese von 4,4 auf 4,3 Prozent.

Entlassungen können vermieden werden

„Das Instrument der Kurzarbeit wirkt auch weiterhin. Entlassungen und Personaleinsparungen können so weitgehend vermieden werden“, fasst Wilhelm Schreyeck, Vor-sitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, zusammen. Dennoch ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit deutlich sichtbar. Die Zahl der Arbeitslosen im März dieses Jahres ist im Vergleich zum März 2020 um 28,8 Prozent höher. „Das ist nicht überraschend“, so Schreyeck, „aber eben auch kein Grund zur Entwarnung. Schließlich ist ja auch noch kein Ende der Pandemie in Sicht.“

Mehr Langzeitarbeitslose

Weiter gestiegen ist auch die Anzahl der Langzeitarbeitslosen. Zwar ist die Anzahl der gemeldeten Arbeitsstellen im Vergleich zum Vormonat etwas gestiegen (plus 6,6 Prozent im Vergleich zum Februar), seit Jahresbeginn sind der Arbeitsagentur Reutlingen insgesamt aber nur 1838 neue Stellenangebote gemeldet worden, das ist eine Abnahme gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 320 Stellenangeboten oder 15 Prozent. „Das Risiko, nicht schnell wieder eine Anschlussbeschäftigung zu finden, ist bei der aktuellen Arbeitsmarktlage deutlich größer als sonst“, warnt Wilhelm Schreyeck. „Eine effektive Möglichkeit, der Langzeitarbeitslosigkeit vorzubeugen und eine neue Stelle zu finden, ist auf jeden Fall eine Qualifizierung oder eine Weiterbildung“, so Schreyeck weiter.

Unsicherheit auf beiden Seiten

Leicht rückläufig ist die Zahl der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren: 1040 junge Menschen waren im März arbeitslos und damit 25 Prozent mehr als im März 2020, aber immerhin 2,2 Prozent weniger als noch im Februar 2021. Die Arbeitslosenquote liegt in dieser Altersgruppe bei 3,1 Prozent.
Ein Blick auf den Ausbildungsmarkt in der Region zeigt, dass es im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar weniger Bewerber für Berufsausbildungsstellen gab, allerdings auch weniger unbesetzte Ausbildungsstellen als in den Vorjahren. „Das liegt“, so Schreyeck, „an der Unentschlossenheit und der Unsicherheit der Bewerber einerseits und an der spürbaren Verunsicherung der Unternehmen auf der anderen Seite.“ Pandemiebedingt fehlen den Ausbildungssuchenden auch Informations- und Orientierungsmöglichkeiten wie Betriebspraktika oder Lehrstellenbörsen, was die Berufsorientierung in Zeiten von Corona extrem erschwert.

Appell: Weiter ausbilden

Während im Handwerk im Vergleich zu den Vorjahren sogar eher mehr Ausbildungsstellen angeboten werden, tun sich vor allem in Industrie, Gastronomie und Handel viele Unternehmen aufgrund der unsicheren Situation mit einer Entscheidung für ein Ausbildungsangebot schwer. Schreyeck weiter: „Wir appellieren deshalb an die Unternehmen in der Region, auch in dieser schwierigen Zeit weiterhin auszubilden und wenn möglich auch Praktikumsplätze anzubieten. Nur so können wir gemeinsam dem Fachkräftemangel entgegenwirken und dafür sorgen, dass jungen Menschen gute Perspektiven eröffnet werden.“
Im Landkreis Reutlingen waren im März 7344 Menschen (30,1 Prozent mehr als im Vorjahr) arbeitslos gemeldet, davon 3600 (plus 38,6 Prozent gegenüber Vorjahr) bei der Agentur für Arbeit und 3744 (plus 23,0 Prozent gegenüber Vorjahr) beim Jobcenter Landkreis Reutlingen. Im Landkreis Tübingen waren 4266 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen (plus 26,6 Prozent gegenüber Vorjahr). Davon wurden 2300 von der Arbeitsagentur betreut (plus 33,2 Prozent gegenüber Vorjahr) und 1966 (plus 19,7 Prozent gegenüber Vorjahr) vom Jobcenter Landkreis Tübingen.
Die Arbeitslosenquote für den Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Reutlingen sank im März auf 4,0 Prozent (Vorjahr 3,1 Prozent), im Landkreis Reutlingen liegt sie bei 4,5 Prozent (Vorjahr 3,5 Prozent).