Côte d'Ivoire - was für ein wohlklingender Name. Die "Küste des Elfenbeins". Schaut man auf die Herkunft des Ländernamens, verfliegt der angenehme Klang aber rasant: Das Elfenbein, also die Stoßzähne der Elefanten, waren vor allem zu den Zeiten der französischen Kolonialregierung der begehrteste Exportartikel des Landes. Und natürlich wurden die riesigen Tiere dafür gejagt. Und ermordet. Massenhaft.

Und heute? Die ivorische Fußballnationalmannschaft kürte sich gerade eben erst zum Afrika-Meister. Die Städtepartnerschaft zwischen Reutlingen und Bouaké im Zentrum der Elfenbeinküste ist hingegen mittlerweile schon 45 Jahre alt. Allerdings wurde der Kontakt zwischen beiden Städten seit den Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Land im Jahr 2002 deutlich erschwert. Jetzt scheint das Land aber in Aufbruchstimmung zu sein, wie Kafalo Sekongo betont. "Es wurden neue Straßen gebaut und Premierminister Daniel Kablan Duncan hat versprochen, die einheimischen Produkte nicht mehr zu exportieren, sondern im Land zu verarbeiten", sagt der aus Bouaké stammende Deutschlehrer Sekongo, der im Vorstand des 2008 gegründeten Städtepartnerschaftsvereins dabei ist. Hoffnung keimt also auf in einem Land, das geprägt war von Unruhen, Konfrontationen und Stillstand. "Es gab ja in Bouaké keine funktionierende Verwaltung", so Sekongo. Nun plagt das Land die Angst vor dem todbringenden Ebola-Virus. An der Elfenbeinküste seien zwar bislang keine Fälle aufgetreten, aber in angrenzenden Ländern. "Deshalb wurde ja auch der Austausch von Deutsch-Lehrern und Schülern des Kepler-Gymnasiums abgesagt", sagt Ingeborg Röthemeyer, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins der so unterschiedlichen Städte. "Wir hoffen aber, dass wir den Austausch noch dieses Jahr nachholen können", sagt Sekongo. Mit dem Engagement der Musikerin Dobet Gnahoré ist dem Ivorer ein besonderer Wurf gelungen: "Ich habe mich einfach per Mail bei den Mitgliedern ihrer Begleitband gemeldet, die leben in Belgien", erklärte Sekongo. Nach einer Weile kam eine Antwort, Andreas Roth vom franz.K übernahm die Verhandlungen und schon bald stand fest: Dobet Gnahoré kommt am Freitag, 27. Februar, nach Reutlingen. Darüber freuen sich nicht nur Sekongo und Röthemeyer, sondern auch Sabine Gross: "Das ist was ganz Außergewöhnliches", sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende. "Gnahoré hat erst vor kurzem ein Konzert in Frankfurt gegeben, das extrem viel Beachtung fand - die Künstlerin hat eine unheimliche Bühnenpräsenz - nicht nur stimmlich, sondern auch tänzerisch."

Musikalisch verbinde die 32-jährige Ivorerin Soul, Jazz, Folk ebenso wie traditionelle Strömungen aus Ghana und Mali. "Das Konzert ist für das franz.K ein absolutes Highlight", sagt auch Roth als Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums. Das Engagement von Gnahoré blieb nicht unbemerkt, "wir haben schon Anfragen aus ganz Baden-Württemberg". Die Ivorerin gelte als eine der ganz großen afrikanischen Sängerinnen, in Frankreich sei sie schon wesentlich bekannter und fülle dort auch große Konzertsäle, so Roth. "Für viele ist Dobet Gnahoré die neue Afro-Pop-Diva des 21. Jahrhunderts", titelte der WDR sogar in einem Porträt.