Mundart Älle wellet nach Raidlinga

Reutlingen / NORBERT LEISTER 12.02.2016
"Herzlichen Glückwunsch zu 40 Jahren Reutlinger Mundartwochen", sagte Gaststar Dodokay am Mittwochabend in Richtung Wilhelm König, dem Vorreiter der Württembergischen Mundartgesellschaft.

"Mundart ist nicht rückwärtsgewandt", sagte Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch am Mittwochabend in der Zentrale der Volksbank. Auch wenn "Schwäbisch heute nicht als sexy gilt", zeigte sich die OB doch dankbar für solche Protagonisten der schwäbischen Sprache wie Günther Oettinger, der nicht nur in deutschen Landen das Schwäbische verbreitet, sondern auch im Englischen: "Oettinger hat Kultstatus erreicht." Aber: Bosch würde sich auch freuen, wenn Flüchtlinge, die heute an die Achalm kommen, in wenigen Jahren (in Anlehnung an John F. Kennedy) rufen: "I ben en Raidlinger."

Während Volksbank-Vorstandsvorsitzender Josef Schuler als einer der Hauptsponsoren der Reutlinger Mundartwochen daran erinnerte, dass am vorgestrigen Aschermittwoch "eigentlich ab heute Asche und Askese angesagt wäre" - der Festtermin der Mundartwochen deshalb also eigentlich ganz schlecht gewählt sei - schloss er aber mit einem Vorschlag zur Güte: "Ich lade Sie ein, morgen mit der Fastenzeit zu beginnen." Zwischen den Wortbeiträgen in der Volksbank spielte das "Trio Wölfle" auf - mit schwäbisch interpretierten Beatles-Hits etwa: "Jeschderdey - an mei'm Fahrrad isch dr Treppl hee" sangen die Musiker.

Natürlich sind die Reutlinger Mundartwochen seit 40 Jahren untrennbar mit dem Namen von Wilhelm König verbunden - schließlich war seine Lesung die allererste Veranstaltung bei der ersten Mundartwoche im Jahr 1976. "Damals fühlten sich ganz junge Menschen von Mundart angesprochen", erinnert sich der Gründervater König.

Seitdem hat er jedes Jahr wieder diese Veranstaltungsreihe gestemmt und - das Publikum scheint mit ihm gealtert zu sein. Mit einer Powerpoint-Präsentation dokumentierte König diese vier Jahrzehnte.

Eine Vielzahl namhafter Künstler ist in diesem Zeitraum in Reutlingen aufgetreten: Kabarettisten, Musiker und Mundartkünstler wie Bruno Jonas, immer wieder Christoph Sonntag, Gerhard Polt mit der Biermösl Blosn, Mathias Richling, Konstantin Wecker, Hans-Dieter Hüsch, der Schweizer Emil und viele andere. Einige von ihnen waren noch völlig unbekannt, als sie an der Achalm auftraten.

Am Mittwochabend vermittelte Rainer Kurze als Vorstandsmitglied der Württembergischen Mundartgesellschaft den tieferen Hintergrund der Zahl 40 - "die ist tief verwurzelt in der schwäbischen Seele". Und andernorts, man denke nur an Ali Baba und die 40 Räuber". Oder an Noah, der mit seiner Arche 40 Tage und Nächte unterwegs war, bevor er an das rettende Ufer gelangte. Dodokay, alias Dominik Kuhn, Reutlinger Sohn und Entertainer, berichtete als Gaststar des Jubiläumsabends über seine Erfahrungen mit der schwäbischen Sprache: "Ich hatte ja früher immer gedacht, mit Schwäbisch kommt man nicht weit, denn da kriegt man eh keine Frau ab", verriet er in der Volksbank.

Aber: Irgendwann hatte Kuhn entdeckt, dass er mit dem hiesigen Dialekt sogar Geld verdienen konnte. Seine schwäbischen Worte hatte er schon der gesamten Bundesregierung in den Mund gelegt, ebenso wie der Besatzung von Star Trek oder Barack Obama - die Filme haben längst Kultstatus erreicht.

Am Mittwochabend präsentierte er zudem den Papst, Winfried Kretschmann, Helene Fischer, Jogi Löw, die Queen und andere mehr - die gemeinsam eines in breitestem Schwäbisch betonten: Sie alle wollen auch mal bei den Reutlinger Mundartwochen auftreten.

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