Reutlingen / Kathrin Kammerer  Uhr

Eigentlich könnten Sandra Bartocha und Werner Bollmann auch ein Abenteuerbuch schreiben: Der eigentliche Zweck ihrer 16 Skandinavien-Reisen war zwar ein Fotoprojekt. Wenn die beiden aber von ihren Ausflügen auf Spitzbergen und in den finnischen Wäldern erzählen, wird schnell klar, dass man für hochklassige Naturfotos nicht einfach nur in die Landschaft stehen und auf den Auslöser drücken muss. Man muss suchen und auf den absolut perfekten Moment warten, anstrengende Wanderungen und gar gefährliche Ausflüge auf sich nehmen.

Projektdauer: Vier Jahre

Bartocha, 39, ist Landschaftsfotografin. Bollmann, 52, ist Tierfotograf. Beide verbindet die Faszination für Skandinavien. Und so schlossen sie sich Ende 2012 zusammen, um die Natur des Nordens in Bildern festzuhalten. „Wir wollten keine Hot-Spots fotografieren, sondern vielmehr das Exemplarische herausarbeiten“, erzählt Bollmann. Also keine Landschaftsbilder, die man sowieso schon tausendfach im Netz und auf den Sozialen Netzwerken findet also – sondern das, was man abseits der bekannten Routen sieht.

Vier Jahre dauerte dieses Projekt schließlich. Insgesamt ein Jahr waren die beiden Fotografen auf Reisen, mehr als 40 000 Bilder sind dabei entstanden, beide haben eine Menge voneinander gelernt, sagen sie. „Lys – Eine Hommage an das Licht des Nordens“ haben sie ihr Projekt getauft. Lys ist das dänische und norwegische Wort für Licht.

Mit dem Katamaran auf Tour

Eine der schönsten Reisen sei die Tour mit dem Katamaran durch die Ostsee gewesen, sagen die Kollegen. Von den 139 Bildern, die es schließlich in den gleichnamigen Bildband geschafft haben, zeigen mehrere Aufnahmen die Scheren der Ostsee. Die Tundra sei das „schwierigste Kapitel“ gewesen, sagt Bartocha: „Man musste irgendwie versuchen, diese unglaubliche Weite der Landschaft so wiederzugeben, dass es fotografisch nicht langweilig ist.“

Auf Spitzbergen, dem Archipel zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol, waren die beiden Anfang März: Genau zu dem Zeitpunkt, als das Licht nach monatelanger Dunkelheit wieder zurückkam. Fotos mit faszinierenden Lichtspielen auf Schneebergen sind dabei entstanden. Auf Spitzbergen waren Bartocha und Bollmann auch mit einem Hundeschlitten unterwegs. Batrocha erinnert sich schmunzelnd: Ihr Fotografen-Kollege habe bei dieser rasanten Fahrt zuerst einen Schuh verloren, dann sei gar der ganze Schlitten umgekippt.

Begegnung mit dem Holzlaster

Noch so eine gefährliche Situation: Mitten im schier unendlichen, finnischen Wald kam den beiden Kollegen plötzlich ein riesiger Holzlaster mit rasanter Geschwindigkeit und ohne erkennbare Brems-Absicht entgegen. Panisch habe Bollmann den Rückwärts-Gang eingelegt. „Da ist einem schon mulmig geworden“, erinnert sich Bartocha. Finnland ist ihr Lieblingsland, sagt die 39-Jährige. „Auch wenn es landschaftlich wahrscheinlich am wenigsten spektakulär ist“ – die Finnen seien einfach toll. Bollmann nennt Schweden als Lieblingsland. Norwegen ist ihm „einfach zu offensichtlich schön“.

Ungewöhnlich: Die Fotografen haben parallel zu den Touren gleich am Layout des Bildbandes gearbeitet. So wussten sie immer genau, welches Motiv nun für welche Seite benötigt wird. Was die Sache nicht unbedingt einfacher gemacht hat: Für das „perfekte“ Bild vom nordischen Wald lagen Bartocha und Bollmann nämlich beispielsweise zwei Wochen „auf der Lauer“. Um die Wucht des nordischen Meeres einzufangen, hat Bartocha rund 500 Bilder gemacht – von denen letztendlich eines für tauglich befunden wurde. Wer denkt, die Sache mit der Naturfotografie sei einfach, der liegt also gehörig falsch.

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Wann und wo: Über die Ausstellung

Die Ausstellung „Lys“ ist noch bis zum 14. Juli im Naturkundemuseum (Weibermarkt 4) zu sehen. In der Ausstellung werden 63 Fotografien gezeigt. Der Bildband mit 139 Fotografien kostet 65 Euro, er ist ebenfalls im Naturkundemuseum erhältlich. Das Museum hat Dienstag bis Samstag jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Donnerstag von 11 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Am 27. Juni ist Sandra Bartocha nochmal in Reutlingen und führt durch die Ausstellung. kam