Reutlingen "Wir wollen mehr Personal"

Mit Leiterwagen, Plakaten und Luftballons demonstrierten gestern Eltern und ihre Kinder im Rathaus-Foyer gegen die Teilschließung des Kinderhauses Dirnäckerweg im Stadtteil Ohmenhausen. Foto: Ralph Bausinger
Mit Leiterwagen, Plakaten und Luftballons demonstrierten gestern Eltern und ihre Kinder im Rathaus-Foyer gegen die Teilschließung des Kinderhauses Dirnäckerweg im Stadtteil Ohmenhausen. Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / RALPH BAUSINGER 05.06.2014
Groß sind die Wut und der Ärger unter den Eltern, die mit ihren Kindern am Mittwoch im Rathaus-Foyer gegen die Teilschließung des Kinderhauses Dirnäckerweg in Ohmenhausen protestiert haben.

Seit Montag gilt eine von der Stadtverwaltung verfügte Teilschließung für das Kinderhaus Dirnäckerweg in Ohmenhausen. Um dagegen zu protestieren, skandierten rund 40 Eltern und Kinder im Rathaus-Foyer: "Wir wollen mehr Personal." Mitgebracht hatten sie einen Leiterwagen, Plakate, beschriebene T-Shirts und orangefarbene Luftballons: "Kein Personal, keine Zeit für uns" - "Wir wollen einen Kindergarten, keine Aufbewahrungsstätte" - "Flickschusterei = Kindergarten" - "Warum darf Anna in den Kindergarten - und ich nicht?", stand da zu lesen.

Neben den betroffenen Müttern aus Ohmenhausen waren auch Eltern, deren Kinder die Betreuungseinrichtung in der Heinestraße besuchen und Vertreter des Gesamtelternbeirats Reutlinger Kindergärten und Kindertageseinrichtungen (GERK) vor Ort. Im Gespräch mit Sozialamtsleiter Joachim Haas und Kathrin Büttner, als Bezirksleiterin in der Abteilung Tagesbetreuung zuständig für Ohmenhausen, machten die Eltern ihrem Unmut Luft. Haas verwies auf den hohen Krankenstand und verteidigte die Teilschließung als "letzte Lösung", zu der die Stadt gezwungen sei, wenn die Trägeraufsicht nicht mehr gewährleistet werden könne (siehe unten). Eine Argumentation, welche die Eltern nicht überzeugte. "Hier werden die Eltern für dumm hingestellt", kritisierte Andrea Haug, deren vierjähriges Kind das Kinderhaus besucht. "Wir brauchen Ruhe und Stabilität. Die Stadt soll mit offenen Karten spielen", forderte Eva Schock, Erste Vorsitzende des Elternbeirats. Die Probleme seien nicht neu, sondern zögen sich schon über eine längere Zeit hin. Auf Unverständnis der Eltern stieß auch die Tatsache, dass trotz der prekären Lage ausgerechnet am Montag eine Erzieherin das Kinderhaus verlassen habe, um eine andere Stelle anzutreten.

Der GERK selbst betrachtet die Probleme des Kinderhauses als Teil eines viel größeren Problems. In der Stadt fehlten zu viele Fachkräfte, auftretende Engpässe wie Krankheitsfälle oder Schwangerschaften ließen sich somit nicht auffangen. Aus Sicht des GERK wurden die Eltern nicht ausreichend und zu spät über die Teilschließung des Kinderhauses informiert: Der Gesamtelternbeirat fordert daher von der Stadtverwaltung, dass sie mit den Eltern und Elternvertretern auf Augenhöhe arbeiten. "Wir wollen eine frühzeitige, aktive Informationspolitik und Offenheit über die Betreuungssituation. Nur so werden Eltern, Einrichtungen und Stadt an einem Strang ziehen können."

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