Eine neue Liste „Bündnis Vielfalt“ tritt zu den Kommunalwahlen am 26. Mai an. 14 Kandidaten stellen sich zur Wahl, 13 haben einen türkischen Migrationshintergrund. Sie wollen sich Menschen mit Migrationshintergrund widmen, egal aus welchem Herkunftsland, sagen die beiden Sprecher und Listenführer Murat Aday, ehrenamtlich engagiert beim Sportvereins Anadolu SV, und Mesut Demirezen. „Wir sind nicht die anderen, wir sind Bürger dieser Stadt.“ Und deshalb wollen sie im Kommunalparlament auch eine Stimme haben. Zwar gebe es den Integrationsrat, aber der habe schließlich nur beratende Funktion und könne deshalb die Wünsche der Migranten und der Bürger mit Migrationshintergrund nicht so gut vertreten.

Der 37-jährige Aday ist Diplom-Betriebswirt und Direktor bei einer großen Bank. Demirezen, Facharbeiter und gelernter Gas- und Wasserinstallateur, kommt aus dem Umfeld der „Türkischen Gemeinschaft Organisation Reutlingen“, deren Sprecher er auch war. Die TGO gehört zum Dachverband der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“, besser bekannt als „Graue Wölfe“. Der Verfassungsschutz beobachtet seit Jahren die als extrem nationalistisch und ultrarechts eingestufte Gruppierung, regelmäßig taucht auch die TGO in Verfassungsschutzberichten auf. Fragen nach seinem aktuellen Engagement bei der TGO beantwortet Demirezen ausweichend. „Ich bin in vielen Vereinen aktiv“, sagt der 49-Jährige. Und auch bei der Frage nach der politischen Zuordnung der neuen Kommunalwahlliste werden Aday und Demirezen eher schmallippig: „Wir haben unterschiedliche Gesinnungen und jeder hat seine eigene Meinung.“ Bei ihnen gebe es ein breites Spektrum von rechts bis links, beteuern die beiden.

Bürger mit Migrationshintergrund würden in Reutlingen nicht entsprechend vertreten, beklagen Aday und Demirezen. Auch nicht von Kommunalpolitikern mit Migrationshintergrund, die in den etablierten Parteien engagiert seien. Das wollen sie ändern, rechnen sie doch fest damit, in den Gemeinderat einzuziehen. Viele Vereine fühlten sich benachteiligt, bekämen keine adäquaten Räume, sagen Aday und Demirezen. Auch bei der Ausstattung von Schulen und Kindergärten gebe es einiges zu verbessern. „Wir wollen die Stadt mitgestalten“, bringen sie ihr Anliegen auf den Punkt. Ein Programm gibt es derzeit noch nicht, daran arbeite man im Moment noch.

Schon lange trugen sich Aday und Demirezen mit dem Gedanken einer eigenen Liste, berichten sie. Ein Engagement in anderen Parteien oder Vereinigungen sei für sie nicht in Frage gekommen. Dann müssten sie ja, so erklären sie, die Linie dieser Gruppierung vertreten. Zwar habe man nur 14 Kandidaten auf der Liste, davon eine Frau. Aber „die unterstützende Masse ist wesentlich größer“, sind beide überzeugt.

Dass ihre Liste zwar „Bündnis Vielfalt“ heißt aber nicht durch Vielfalt glänzt, das ist auch Aday und Demirezen bewusst. Es hätten sich eben nicht mehr Bürger gefunden, die bereit waren, sich kommunalpolitisch zu engagieren. „Von den Ideen her besteht Vielfalt.“ Schließlich solle es bei ihnen nicht um politische Ausrichtung, sondern um die Stadt gehen. Und sie hoffen, dass sich bei der nächsten Wahl dann auch Kandidaten aus anderen Herkunftsländern auf der Liste engagieren werden.