Die Haltung der Grünen zur Ökologie, zum Klimaschutz, das Bekenntnis gegen jede Form von Krieg und der Einsatz für eine soziale Politik „sind heute bestimmende Kerngedanken“, sagt Dr. Robert Habeck. Und vorbei sei glücklicherweise die Zeit, so hofft er, dass einige Leute bei den Bündnis-Grünen den Menschen in missionarischer Weise vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. „Ja, wir waren zeitweilig eine ‚Quälpartei und eine Spaßbremse“, bekennt der Politiker ganz offen.

Robert Habeck, am heutigen Samstag feiert er seinen 48. Geburtstag, ist Schriftsteller, Vater von vier Kindern und stellvertretender Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Auf Einladung des Grünen-Kreisverbands war er am Donnerstag zu Gast im Spitalhof.

Als Grünen-Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung  im Kabinett von Daniel Günther (CDU) hat Habich hoch im Norden auch die FDP mit im Regierungsboot der Dreier- „Jamaika-Koalition.“ Doch diese sei „keine Blaupause für Berlin“, hat er erst diese Woche gesagt.

Der Doktor der Philosophie war gerade von einer Wanderung mit dem Grünen-Ministerpräsidenten des Landes, Winfried Kretschmann, zurückgekommen und war freudig überrascht, dass der Spitalhof in Reutlingen am Donnerstagabend proppenvoll war – „und dies trotz Ferienzeit“, lobte Habeck seine Anhängerschaft im Wahlkreis Reutlingen.

Der Wahlkampf „merkelt so vor sich hin“, sagte er, aber davon dürfe man sich nicht beeindrucken lassen. Denn die Themen Umwelt und Soziales seien wichtiger denn je. Schade sei es hingegen, „dass wir Grünen derzeit unter Wert gehandelt werden“. Noch sind es drei Wochen bis zum Urnengang – „und in dieser Zeit dürfen wir nicht unpolitisch sein“, sagte an dem Abend auch die Reutlinger Grünen-Bundestagsabgeordnete, Beate Müller-Gemmeke. Gerade jetzt müssten die Grünen als Vorreiter des Klimaschutzes konsequent handeln, so ihr Appell.

Wer aber erwartet hatte, ihr Parteifreund Robert Habeck würde klassisch Wahlkampf betreiben mit Vorwürfen und Attacken gegen konkurrierende Parteien, wurde enttäuscht. Vielmehr stemmt sich Habeck gegen die allgegenwärtige  „große, entpolitisierte Stimmung“. Und obwohl die Spitzenkandidatin im Bund, Katrin Göring-Eckardt, sich nun gegen die FDP („Rückschritt mit Schwarz-Gelb“) als den Hauptgegner positioniert, war von Habeck da  wenig zu hören. Koalieren seine Grünen im Kieler Landtag doch zusammen mit den Liberalen.

Kriegsgefahr, Atomkraft, Klimawandel, Umweltzerstörung und Sozialabbau: Ja, es habe in der Tat Zeiten gegeben, in denen die Öko-Partei eine Notwendigkeit sah, „den Menschen auch Angst zu machen“, erinnert sich Habeck.  Aber die Zeiten, als man als „Quälpartei“ gehandelt wurde, seien nun vorbei. Wenngleich viele Themen noch brandaktuell seien. Diese gelte es gerade jetzt im Wahlkampf anzusprechen,  „da sind wir die Spielmacher – und das können wir gut gelaunt angehen“, so Habeck.

Er warnte aber auch: Die Themen Klima und Flucht gingen miteinander einher. Die Weltbank habe unlängst erst prognostiziert, dass bis zum Jahr 2030 rund 100 Millionen Menschen aus Klimagründen auf der Flucht sein würden. Flüchtlingen gelte es bei uns ebenso zu helfen, wie man ein Auge auf arme Menschen im eigenen Land haben müsse. Hier müssten die Grünen auch Position beziehen.

„Soziale statt asoziale Marktwirtschaft“: Dieser Satz stammt von Habeck, der erkannt hat: „Wir haben veränderte Berufswelten, es gibt viele selbständige Menschen in prekären Arbeitsverhältnisse, Menschen, die aber nicht gewerkschaftlich abgesichert sind.“