Pfullingen „Wir können das überbrücken“

Pfullingen / Evelyn Rupprecht 12.01.2018

Die Situation ist eine besondere. Eine, wie sie wohl die wenigsten Städte zu verkraften haben. Und auch für die Pfullinger handelt es sich dabei um ein Novum: Der Bürgermeister ist seit Herbst krank- oder genauer arbeitsunfähig geschrieben und auch der neue Kämmerer, der im Sommer seine Stelle im Pfullinger Rathaus angetreten hat, fehlt seit mehreren Monaten, weil er im Krankenstand ist. Das verzögert die Einbringung des Etats fürs laufende Jahr, hat aber noch andere Konsequenzen.

„Herr Schrenk war vom 7. bis 19. November erkrankt, hat dann vom 20. bis 27. November wieder gearbeitet und ist seit dem 28. November erneut arbeitsunfähig“, erklärt Martin Fink, der nicht nur Sprecher der UWV im Gemeinderat ist, sondern auch erster stellvertretender Bürgermeister. Bereits im Oktober hat er eine öffentliche Gemeinderatssitzung geleitet, weil Michael Schrenk außer Hauses war, seit November ist er als Vertreter des Rathauschefs beinahe permanent und vor allem ehrenamtlich im Einsatz.

Welcher Art die Erkrankung des Bürgermeisters ist, kann Fink nicht sagen. Zum einen, weil er die Information nicht hat, zum anderen, „weil die Stadt als Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht hat und Vertraulichkeit ein Muss ist“. Persönlichen Kontakt hatte der UWV-Stadtrat zu Michael Schrenk  nur in der Woche, in der der Bürgermeister im November im Rathaus war. Ansonsten hat er von ihm nichts gehört. „Aber ich habe ihm mehrere Grußkarten geschrieben und auch aus der Gemeinderatssitzung haben wir ihm eine Mitteilung mit Genesungswünschen zukommen lassen“, so Fink. Dass Schrenk auf all die Schreiben nicht geantwortet hat, sieht sein Stellvertreter nicht als Problem. Als Personalberater weiß Fink, „dass niemand, der erkrankt ist, verpflichtet ist, sich zu äußern.“ Der UWV-Stadtrat respektiert das. „Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, ob er sich zu seiner Erkrankung äußern möchte“.

Freilich bedeutet die Arbeitsunfähigkeit des Bürgermeisters für Martin Fink und die beiden anderen Stellvertreter, Christine Böhmler von der FWV und CDU-Mann Gert Klaiber, jede Menge Mehrarbeit. „Das Tagesgeschäft läuft aber in der gewohnten Form weiter. Wir können das überbrücken“, versichert Fink, der froh ist, dass sowohl die beiden anderen Bürgermeister-Stellvertreter wie auch das gesamte Rathaus-Team so engagiert mitarbeiten, um die Ausfälle von Michael Schrenk und Kämmerer Matthias Baumann aufzufangen. „Aber naturgemäß macht sich das Fehlen der Beiden bemerkbar, zumal wir keinen ersten hauptamtlichen Beigeordneten haben“, muss Fink, der im Hauptberuf als Personalberater und zudem in Sachen Sprengtechnik unterwegs ist, eingestehen. Durch die zusätzliche ehrenamtliche Belastung hat er derzeit Arbeitstage „von 18 bis 20 Stunden“.

Fink und die anderen Stadträte haben indes bereits einen Fahrplan für die nächsten Wochen festgelegt. So wird der stellvertretende Ratsschreiber Manuel Baier zusammen mit dem Team der Stadtpflege den Haushaltsplan für 2018 aufstellen, der am 6. Februar in öffentlicher Sitzung eingebracht werden soll. „Wir werden den Etat im ersten Quartal verabschieden“, ist sich Martin Fink sicher.

Was die Mediation, die nach dem Zerwürfnis zwischen Gemeinderat und Bürgermeister anberaumt wurde, angeht, äußert sich Fink indes zurückhaltend. „Sie ist angelaufen“, sagt er, verweist aber gleichzeitig darauf, dass „Art und Form des Prozesses vertraulich behandelt werden sollen“.

Etwas konkreter formuliert es da schon Gert Klaiber. „Die  Mediation kann nur gelingen, wenn beide Seiten aufeinander zugehen. Und wenn Michael Schrenk seinen Stil ändert.“ Weshalb Klaiber auch erstaunt darüber ist, dass der Bürgermeister während seiner Erkrankung keinen Kontakt zum Rathaus sucht. „Das ärgert mich“, sagt der dritte stellvertretende Bürgermeister. „Würde er sich melden, würde das zeigen, dass Schrenk tatsächlich ein Interesse an der Stadt hat. Dieses Signal fehlt mir momentan“.

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