Pfullingen "Weitweg" mit Weggefährten und Weggehenden

Sonja Lutz-Knöller zeigt ihre Werke noch bis 18. März in der Klosterkirche. Foto: Dorothee Werner
Sonja Lutz-Knöller zeigt ihre Werke noch bis 18. März in der Klosterkirche. Foto: Dorothee Werner
DOROTHEE WERNER 07.03.2012
"Weitweg" heißt die Ausstellung der Pfullingerin Sonja Lutz-Knöller, die in der Klosterkirche zu sehen ist. Professor Dr. Michael Nausner von der Theologischen Hochschule Reutlingen sprach zur Eröffnung.

Umrahmt von den Mauern der 700 Jahre alten Klosterkirche wirken die Frauenporträts von Sonja Lutz-Knöller noch eindrücklicher. Die großformatigen Gesichter der Frauen erzählen ihre eigene Geschichte. Je länger sich der Besucher Zeit für ein Bild nimmt und sich auf das "Gesicht hinter dem Gesicht" einlässt, umso mehr wird er davon gefangen.

Die Titel sprechen ihre eigene Sprache - wie "Insomina - Mein Letztes", eines der größten Porträts der Ausstellung. Die Augen wirken leer. Der Hals ist nicht farbig bemalt. "Ich hatte das Gefühl, das Bild ist jetzt fertig", erklärt Lutz-Knöller zu diesem Werk. Für Professor Nausner spiegelt sich in dem Bild die erbarmungslose Qual durchwachter Morgenstunden. Als kleinen Gag hat Sonja Lutz-Knöller die Jahreszahl 1963 darunter geschrieben. Im Jahr 1963 wurde sie geboren.

Das Bild soll seine eigene Sprache sprechen. Die Bilder der Frauen kommen zu ihr, erklärt die Künstlerin, die ihren Beruf als Heimpädagogin in der Reutlinger Altenhilfe Ringelbachstraße ausübt. Manchmal sieht sie die Frauen in einer Zeitschrift, auf einem Bild oder sie begegnen ihr. Wenn sie sie malt, sieht sie sie in aller Deutlichkeit vor sich. Wenn das Bild fertig ist, verschwindet das geistige Bild der Porträtierten wieder.

Sonja Lutz-Knöller ist Autodidaktin. Jegliche Art von Kunst interessiert sie. Besonders fasziniert sie der Künstler Amadeo Modigliani. Deshalb ähneln viele der Gesichtskonturen, denen Modiglianis. "Das schlimmste für mich ist die leere Leinwand, deshalb fange ich immer sehr schnell mit Malen an", beschreibt Sonja Lutz-Knöller ihre Herangehensweise an ein Bild. "Als erstes male ich die Gesichtsform, dann kommen die Augen. Der Ausdruck der Augen ist mit das wichtigste auf dem ganzen Bild." Ein Porträt kann nach dieser Schaffensphase auch einige Tage ruhen, bevor sie mit dem Mund weitermacht und das Bild fertig stellt. Der Mund ist für sie die zweite wichtige Ausdrucksform in einem Gesicht. In dem Frauenporträt "Schlaflose Nacht auf Leinwand - ob ihm rot gefällt?" sieht Professor Nausner, der die Einführung in die Ausstellung übernahm, etwas verspielt Schelmisches, etwas das von jener seligen Schlaflosigkeit zeugt, die eine Frucht der Verliebtheit ist.

Im Untergeschoss der Klosterkirche finden sich nicht nur Bilder, sondern auch Objekte. Verschiedene Kleidungsstücke hat die Künstlerin mit Farbe auf Leinwand fixiert. Dafür wählt sie starke Farben. Es finden sich zwei Männerporträts. "Der Weggefährte" heißt das Bild eines jungen Mannes mit Dornenkrone. Der Betrachter fühlt sich durch die blauen Augen in den Bann gezogen. Ikonen standen für zwei weitere Frauenporträts Pate. Hier zeigt sich die tiefe Gläubigkeit der Künstlerin. Zwischendurch liegen immer wieder Gedichte der Künstlerin, zum Beispiel "Weggehende": Weggehende schlafen unter der Bettdecke - sammeln unerwartet Perlen von Gedanken - alle Geborenen werden wachgeküsst, an Land gespült - an einem fernen Strand.

Info Die Ausstellung in der Klosterkirche ist bis zum 18. März zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs 16 bis 18 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr und sonntags 11 bis 18 Uhr.