Reutlingen „Stuttgarter Tor“ entzweit

Nach der ursprünglichen Entwurfsplanung könnte das Stuttgarter Tor aus der Perspektive der Wilhelmstraße so aussehen.
Nach der ursprünglichen Entwurfsplanung könnte das Stuttgarter Tor aus der Perspektive der Wilhelmstraße so aussehen. © Foto: Stadt Reutlingen
Reutlingen / RALPH BAUSINGER 02.07.2016
Die Bewertungskommission wird sich nicht mehr mit den überarbeiteten Entwurfsplänen für das „Stuttgarter Tor“  befassen. Der SPD-Antrag scheiterte.

Die Debatte war kontrovers, die unterschiedlichen Sichtweisen zu den überarbeiteten Entwurfsplänen zum Stuttgarter Tor prallten in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag aufeinander.

Auf Antrag der SPD sollte die Bewertungskommission diese Pläne nochmals unter dem „Aspekt der vergrößerten Baumassen im Stadtbild, der Gestaltung der Fassaden und der vorgesehenen Dachlandschaft“ beurteilen. Zudem sollten Muster für die Gestaltung der Fassaden vorgelegt werden.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein hatte den Antrag im Vorfeld damit begründet, dass sich die Baumassen erheblich vergrößert hätten. Zudem sei die Höhe des Gebäudes von ursprünglich 55 auf nunmehr 66 Meter gewachsen. Diese Weiterentwicklung weiche deutlich vom Entwurfsergebnis ab. „Das Stuttgarter Tor wird das Stadtbild prägen und verändern. Es geht hier uns nicht um Verhinderung, sondern um Akzeptanz, Transparenz und Klarheit,“ begründete Treutlein im Rat nochmals den Vorstoß der SPD.

Rainer Löffler sieht das völlig anders: „Behindern und verhindern kann man den Antrag der SPD überschreiben“, kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Die SPD habe das Projekt K?8 zum Scheitern gebracht und damit über 100?000 Euro an Planungskosten in den Sand gesetzt. Die Änderungen seien, so Löffler, schon in der zweiten Sitzung der Bewertungskommission im Oktober 2015 weitgehend bekannt gewesen. Es mache daher keinen Sinn, diese Kommission nochmals einzuberufen. Zudem seien die Änderungswünsche des BVUA wie die Einhausung der Technikzentrale in die Planungen eingeflossen: Löffler: „Alles ist schon gesagt.“

Auch aus Sicht von WiR-Stadtrat Prof. Jürgen Straub ist der SPD-Antrag „nicht nachvollziehbar“. Er habe Sorge, dass man das große Projekt deutlich einbremsen wolle.

Gabriele Janz (Grüne) erkennt  in der aktuellen Variante 4 „etwas gravierend Anderes“, als jene Variante, mit der man nach der zweiten Sitzung der Bewertungskommission auseinander gegangen sei. „Wir alle wollen dieses Projekt. Aber es muss sehr sorgfältig daran gearbeitet werden, betonte sie. Deshalb unterstützten die Grünen auch den Antrag der SPD. Wie übrigens  auch die Linke. Vertrage Reutlingen die Kubatur, dieses Volumen des Bauwerks, fragte Thomas Ziegler. Da das Stuttgarter Tor „ästhetisch und gestalteris ch unser Stadtbild prägt“, sollten  Fachleute diese Frage beurteilen.

Die FDP lehne den SPD-Antrag ab, sagte Regine Vohrer. „Wenn die Investoren die Wirtschaftlichkeit eines Projekts in der Planungsphase verlieren, dann verlieren wir die Investoren“, warnte sie vor zu vielen Vorgaben. Der SPD-Antrag sende Signale aus, die kaum noch reparabel seien. Für die FWV sind die Änderungen am Projekt laut Erich Fritz „nicht gravierend“. „Das Stuttgarter Tor ist dort gut platziert und passt in das Ortsbild der Stadt“, betonte der FWV-Stadtrat.

Kopfschütteln bei SPD-Stadtrat Ulrich Lukaszewitz: Er sei verwundert, dass eine Mehrheit in diesem Rat neue Erkenntnisse verweigere.

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung zeichnete Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung, nochmals die unterschiedlichen Varianten der bisherigen Planung nach, wie sie sich in den beiden Sitzungen der Bewertungskommission und drei anschließenden Workshops herauskristallisiert hatten.

Die derzeit aktuelle, vierte Variante sieht einen 64 Meter hohen Turm vor, der Abmessungen von 18,4 Meter Breite auf 33,7 Meter Länge vor. Das Gebäude hat eine Bruttogeschossfläche von 14?520 Quadratmetern - ursprünglich waren es 13?900 Quadratmeter gewesen. Damit weiche der Entwurf, so Dvoraks Fazit, wesentlich von der, in der zweiten Sitzung der Bewertungskommission gebilligten Variante ab. Vor diesem Hintergrund sprach sich auch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch dafür aus, dass sich die Bewertungskommission mit der vorliegenden Variante befassen sollte. Das sei schadlos und bedeute auch keinerlei Zeitverzug für den Investor. Vielmehr könne, so OB Bosch, eine schnelle Einberufung der Kommission „dem Projekt förderlich sein, um Dinge zu vermeiden, die uns später auf die Füße fallen könnten“.

Die Räte von CDU, FWV, FDP und WiR wollten dieser Argumentation jedoch nicht folgen und stimmten daher, wie es sich in der Debatte vor der Unterbrechung angedeutet hatte, mehrheitlich gegen den Antrag.

Wie geht’s jetzt weiter?

Stuttgarter Tor Der Bau-, Verkehr- und Umweltausschuss wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 7. Juli, inhaltlich mit dem Projekt auseinander setzen – allerdings hinter geschlossenen Türen. Öffentlich wird es dann in der Gemeinderatssitzung am 21. oder 26. Juli behandelt, in der über den Auslegungsbeschluss entschieden wird.