Reutlingen "So vielfältig wie das Leben"

ANNE LEIPOLD 29.03.2012
So vielfältig wie das Leben sind die Anfragen, die im Pflegestützpunkt Reutlingen eingehen. Seit neun Monaten gibt es hier Information, Beratung und Unterstützung rund um das Thema Pflege - aus einer Hand.

Ein weiteres "bürokratisches Monster", wie Bettina Jehne, Pressesprecherin des Kreises, die anfängliche Skepsis und Bedenken formuliert, ist mit dem Pflegestützpunkt nicht in den Reutlinger Landkreis eingezogen. Seit gut neun Monaten gibt es an dieser Stelle Information, Beratung und Unterstützung in den Punkten Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit aus einer Hand. Und zwar kostenlos, trägerneutral, umfassend und wohnortnah.

Seit Beginn des Stützpunktes ergaben sich 208 Erstkontakte, die Tendenz ist steigend. "Dass der Bedarf da ist, ist gar keine Frage, die Nachfragen steigen monatlich", sagt Monika Koch, Leiterin der koordinierenden Stelle Pflegestützpunkt Reutlingen. Eine Entwicklung, die Dagmar Osterwald nur unterstreichen kann. Seit 1996 gibt es in Metzingen die Informations-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (IAV). Mit der Einführung des Pflegestützpunktes ist dieser eng mit den IAV-Stellen vernetzt. "Der Anstieg der Zahlen ist etwas, was die IAV-Stellen in Baden-Württemberg bereits seit Jahren erleben", sagt Osterwald. Sie erlebt gerade hinsichtlich der komplexen Fragen eine stetige Zunahme, in denen verschiedene Probleme und Schwierigkeiten durchdringen. Diese wiederum erfordern viele Gespräche und Abfragen, um eine gute Beratung zu ermöglichen.

Der demografische Wandel, die steigende Zahl von Pflegebedürftigen sowie das vielfältige und kaum überschaubare Angebot im Bereich der Pflege machten eine Stelle nötig, an der sich Angehörige, Betroffene und Interessierte wenden können. Hier werden einzelne Informationen weitergegeben, individuelle Situationen eingeschätzt oder komplexe Anfragen bearbeitet. Denn manchmal ergeben sich aus einer kleinen Anfrage Gespräche, die zeigen, wie überlastet der pflegende Angehörige ist, veranschaulicht Koch anhand verschiedener Beispiele die umfangreichen Beratungsthemen. "Die Fragen sind genauso vielfältig wie das Leben selbst", sagt Koch. Die Schwerpunkte liegen hierbei in den Fragen, welche Leistung die Pflegeversicherung übernehme, wer die Leistungen finanziere und in welcher Höhe sowie welche ambulanten Hilfsdienste zur Verfügung stehen.

"Baden-Württemberg hat einen guten Weg genommen, da es auf kommunaler Ebene bereits sehr gute Strukturen gibt", erklärt Kreissozialdezernent Andreas Bauer. Bislang fehlten besonders auf der Alb kommunale Beratungsstellen. Seit Beginn diesen Jahres gibt Koch daher einmal im Monat Sprechstunden in den Rathäusern von Bad Urach, Lichtenstein und Sonnenbühl, in Münsingen sogar alle drei Wochen. Die Rathäuser hätten den Bedarf an Beratung erkannt, sagt Koch. "Der Wunsch ist, dass sich ein Pflegestützpunkt in Münsingen vielleicht ergibt", sagt Hartmut Fach von der AOK-Pflegekasse. Der Wille ist vorhanden, Bürgermeister Mike Münzing zeige sich sehr engagiert, bisher aber scheitert es an den Finanzen, sagen Fach und Bauer.

Die Pflegekassen "wirken bei der strategischen Entscheidung, wie sich die Pflegestützpunkte entwicklen sollen, mit", erklärt Fach. Daneben unterstützen sie die Stelle mit finanziellen Mitteln. Insgesamt 80 000 Euro fließen pro Jahr in die Pflegestützpunkte. Dabei tragen je ein Drittel die Krankenkassen, die Pflegekassen und der Landkreis.