Pfullingen / ANGELA STEIDLE  Uhr
Seit Freitagabend sind die Werke von Gaby Frey-Bantle in der Pfullinger Stadtbücherei zu sehen. Bei der Vernissage gings drangvoll eng zu. Ausgestellt sind die Bilder noch bis Ende Februar.

"Über Kunst muss man sprechen, weil sie das zur Sprache bringt, was die Sprache nicht kann" - ganz so ernst meinte der Münsinger Künstler Karl Striebel, Mäzen der Pfullinger Malerin Gaby Frey-Bantle, diesen Satz bei der Vernissage nicht mehr. Denn zum Bilder-Schauen war bei der Eröffnung der "Freyeen Werkschau 25" in der Pfullinger Stadtbücherei schlicht kein Platz mehr. Familie, Freunde und Gäste drängten sich bis ins Spatzennest unterm Dach.

Das Konzept für die Ausstellung selbst stand schon im Oktober im Detail. Direkt gegenüber der Freitreppe zur Galerie war eine Wand reserviert für ausgewählte Arbeiten. "Gaby Frey-Bantle hat in 25 Jahren viele Stilrichtungen durchwandert und gerne alles Mögliche ausprobiert", erzählte Striebel, "sie selber würde sagen: herumgewurschtelt."

Einmal war es mehr Kandinsky, dann warens die Expressionisten, dazwischen eine längere Blauphase und beim Porträt ihres Katers Buko ließ sie sich von Franz Marc inspirieren. Eine rote Fläche im Carrée, mit Bleistift- und Kohlestrichen und Kratzungen noch auf der feuchten Farbe. "Mit wenigen Stilmitteln gelang Gaby Frey damit eine erotische, weibliche Szene mit meisterlicher Ausstrahlung", lobte Striebel, und: "Viele Arbeiten würde sie heute so nicht mehr stehen lassen." Trotzdem: "Das Stillleben mit Vase in Blau kann sich durchaus mit den Werken der großen französischen Vertreter des Genres des 20. Jahrhunderts messen."

Ganz anders die aktuelle Darstellung: Freys persönlicher Lieblings-Zyklus aus New York, ihre sinnlich erlebbaren Alblandschaften und ein aktuelles dreigliedriges Werk aus großen, massiv gearbeiteten Rot-Braun-Weiß-Flächen. Und Striebel weiter: "Es fehlt der Horizont. Wichtig ist die Stimmung. Das sinnliche Erlebnis von Landschaft bleibt der persönlichen Empfindung überlassen."

Völlig überwältigt und elektrisiert sprudelte es aus der Pfullinger Künstlerin heraus: "Ohne Karl Striebel wäre ich nicht, wer ich bin. Die Bilder wären nicht, was sie sind." Und als ob sie den Beweis nötig hätte, zitierte Gaby Frey-Bantle zum Schluss noch aus ihrem ersten Grundschulzeugnis, das festhielt: zu viel Temperament und an der Ernsthaftigkeit muss noch gearbeitet werden. Dafür waren Heftführung und Malarbeiten lobend zu erwähnen. Das Dokument ging just zur Vernissage zurück an ihre damalige Königsbronner Lehrerin. Ute Lenz: "Sie war ein köstliches Kind!".

Info Die Werkschau von Gaby Frey-Bantle ist zu den Öffnungszeiten der Pfullinger Stadtbücherei noch bis zum 28. Februar zu sehen.