Kreiskliniken „Schwarze Null“ weit verfehlt

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 18.07.2018

Wir haben 2017 unser Ziel sehr deutlich verfehlt“, sagte Landrat Thomas Reumann. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Kreiskliniken Reutlingen (KKR) GmbH einen Verlust von knapp 6,7 Millionen Euro – eingeplant war ein Minus von 1,5 Millionen Euro gewesen. Und auch für das laufende Jahr rechnet die Kreiskliniken-Geschäftsführung anstelle der angestrebten „schwarzen Null“ mit einem Defizit von mehr als 1,8 Millionen Euro, den notwendigen Nachtrags-Wirtschaftsplan hat der Aufsichtsrat der KKR GmbH inzwischen beschlossen. Es mache keinen Sinn, an unrealistischen Zielen festzuhalten. Aber: „Wir halten unmissverständlich am Ziel der ‚schwarzen Null’ fest“, bekräftigte Reumann gestern im Pressegespräch.

Was die Verluste angeht, sind die Kreiskliniken kein Einzelfall: Die Hälfte aller Krankenhäuser in Baden-Württemberg schreibt rote Zahlen. Doch was sind die Ursachen für den hohen Verlust, nachdem es den Kreiskliniken in den vergangenen Jahren gelungen war, die Jahresverluste von 9,4 Millionen Euro (2013) auf 2,1 Millionen Euro (2016) zu verringern. Das erste Halbjahr 2017 sei äußerst positiv verlaufen, als es plötzlich zu einem Leistungseinbruch in der zweiten Jahreshälfte kam, berichtete Norbert Finke, Vorsitzender der Geschäftsführung der KKR GmbH. Obwohl die Zahl der Patienten stieg, blieben die gesamten Erlöse um rund zwei Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück, darüber hinaus lagen die Personalausgaben drei Millionen höher als im Plan vorgesehen. „Wir sind unterdurchschnittlich gewachsen – im Vergleich zum Plan“, unterstrich Finke.

Darüber hinaus wird das Ergebnis des vergangenen Jahres  durch die Abschreibungen eigenfinanzierter Investitionen in Höhe von 5,6 Millionen Euro belastet. In den zurückliegenden vier Jahren wurden insgesamt 37,2 Millionen Euro in Medizin, Pflege und Digitalisierung investiert. Der Zuschuss des Landes betrug 15,6 Millionen Euro, die restlichen 21,6 Millionen Euro entfielen auf die Kliniken und den  Kreis.

Dazu komme noch laut Reumann als weiterer Faktor eine „strukturelle Unterfinanzierung, die wir nicht kompensieren können“. Eine zentrale Rolle spiele hier, so der Landrat, die Versorgung ambulanter Notfallpatienten über die zentrale Notaufnahme. Da die Kliniken hier nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten abrechnen dürfen, belastete dieser Bereich das Ergebnis im vergangenen Jahr mit 2,4 Millionen Euro. Den derzeit diskutierten Vorschlag einer Praxisgebühr für die Notaufnahme hält Reumann für den falschen Weg. Stattdessen gebe es Überlegungen, eine „Portalpraxis“ einzurichten. Damit ließe sich die Behandlungsbelastung in der zentralen Notaufnahme und somit auch die finanzielle Unterdeckung der ambulanten Notfallversorgung erkennbar verringern. In Münsingen ist dieses Konzept bereits für die Unfallchirurgie umgesetzt.

Aber auch die Notarztversorgung – hier unterhält der Kreis vier Standorte in Reutlingen, Bad Urach, Münsingen und Trochtelfingen – schlägt mit einer halben Million Euro negativ zu Buche. Zudem wurden, ergänzte Reumann, die Tarifsteigerungen der vergangenen vier Jahre nicht komplett ausgeglichen.

Doch was können die Kreiskliniken tun, um aus den roten Zahlen herauszukommen? Entscheidend aus Sicht des Landrats ist die Frage, wie die Zahl der ambulanten Patienten besser gesteuert und auch finanziert werden kann. Mit Blick auf die medizinisch-fachlichen Strukturen müsse man, so sieht es das Projekt Zukunftsperspektive 2023/2028“ vor, über weitere Möglichkeiten der Zentralisierung und des Abbaus von Doppelstrukturen diskutieren, wie es beispielsweise mit der Ansiedlung der Altersmedizin in Bad Urach geschehen sei. Folgende Grundsätze gälten aber dabei, so der Landrat, weiterhin: Alle drei Standorte müssten erhalten bleiben, an allen Standorten  müsse es eine Grundversorgung geben, und die Zahl der Mitarbeiter im medizinischen und Pflegebereich dürfe nicht reduziert werden. Weiteres Potenzial sehen Reumann und Finke in der Verbesserung interner Abläufe. Angedacht ist auch eine intensivere Kooperation mit dem Uniklinikum Tübingen und anderen Krankenhäusern.

Zumindest eines wird die Städte und Kommunen des Kreises freuen: Das Bilanzdefizit 2017 müssen sie nicht ausgleichen. Zumal sie in den vergangenen Jahren über einen Krankenhaus-Soli Verluste der Kreiskliniken in Höhe von 23,8 Millionen Euro getragen hatten.

Zahl der Beschäftigten ist gewachsen

Die Kreiskliniken Reutlingen GmbH beschäftigt derzeit an ihren drei Standorten in Reutlingen, Bad Urach und Münsingen insgesamt 2388 Mitarbeiter auf 1572 Vollkraftstellen. Davon entfallen 1289 auf den „patientennahen Bereich“. Das sind 43,2 Stellen oder 3,5 Prozent mehr als vor drei Jahren rab

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