Pfullingen "Schubert ist out"

Eintracht im Umbau: Chorgesang soll populärer werden. Foto: Jürgen Herdin
Eintracht im Umbau: Chorgesang soll populärer werden. Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 01.03.2012
In konsequenter, aber durchdachter Weise will der Männergesangverein Eintracht sein Liedgut populärer gestalten. Daran appellierte deren musikalischer Leiter Eberhard Höngen auf der Hauptversammlung.

"Schubert ist so gut wie out", mit dieser Feststellung bereitete Eintracht-Ehrenvorsitzender Hilmar Taigel dem musikalischen Dirigenten Eberhard Höngen den Weg. Der sprach im Anschluss an die von Taigel abgenommene Entlastung des Vorstands Klartext über die Popularisierung der Chormusik.

Der altehrwürdige Männergesangverein Eintracht führte erstmalig Mitte November 2011 ein komplettes Musical-Programm auf. Da gab es im Vorfeld schon Kritik von den Anhängern des klassischen Liedguts. Habe man doch mit dem jungen Chor Jukebox und den kleinen Kanaries samt Projektchor durchaus Vertreter des populären, schwungvollen Liedguts. Doch der Männerchor biss dann doch die Zähne zusammen und sorgte an den beiden Konzert-Tagen für beste, spritzige Stimmung. Bekannte Passagen aus "Cabaret" und "Ol Man River" (Show Boat) kamen zu Gehör und es gab eine große Udo-Jürgens-Revue. Aber eben keine "Waldesruh" und auch kein "Wanderers Nachtlied".

Das Konzert und seine Akteure wurden vom Publikum damals heftig umjubelt. Ist Schubert also "out", wie Taigel es sagte - und der hinzufügte: "Das Publikum entscheidet - nicht wir!" "Das Musical war erfolgreich, weil es schwungvoll war, das Publikum trägt das mit", betonte Eberhard Höngen. Das musikalische Repertoire der Eintracht müsse dauerhaft populärer und damit publikumswirksamer werden.

Bei vielen klassischen Konzerten sei man den Zuhörern "zu klassisch" gewesen", gab Höngen zu bedenken. "Das Publikum will die Effekte und die Menschen hören - eben auch mit den Augen", so Höngen, wobei er sicherlich an die fantastische Bühnenausstattung bei der Musical-Show gedacht hat. Zum "Griechischen Wein" von Udo Jürgens traten sogar echte Hellenen auf die Bühne - bauten eine schmucke Kneipenszene auf.

Fakt sei, so Höngen: "Die Menschen hören sich nicht mehr zwei Stunden Schubert-Abende an", was nicht bedeuten solle, "dass wir nicht weiter altes Liedgut in Maßen pflegen", so der musikalische Leiter. Aber es gelte dann auch, "dass das Neue überzeugend vorgetragen werden muss." Dazu gehöre hier und da auch, dass "auswärts" gesungen werde, was in diesem Falle bedeute, auch einmal in einer fremden Sprache zu singen. "Fordern mit Freude" nannte er seine Prämisse für die wöchentlichen Proben und gab allen mit auf den Weg: "Wir müssen uns mehr der Bevölkerung zeigen und auch zum Mitsingen einladen." Und als Höngen am Ende seiner Ansprache die Devise ausgab, "mal ernst, mal heiter, mal flott, mal anspruchsvoll", klatschten dann doch alle im Saal. In selbigem erläuterte Kassierer Henry Haase seinen Bericht, der durchaus positiv ausfiel. Es gab zudem Rück- und Ausblicke der Chöre, viel Positives über die Entwicklung der Kanaries, vorgetragen von Wolfgang Hoppe. Und Eintracht-Vorsitzender Norbert Rümmele gab nach Dankesworten an die Chöre beziehungsreich zu bedenken: "Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung."

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