Die Region Neckar-Alb erhält vom Land den Zuschlag für ein „Biological Development Center“ des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts NMI mit der Universität Tübingen und ein „Artificial Intelligence Data-Incubation Center“, kurz AIDA, der Hochschule Reutlingen in Zusammenarbeit mit der Stadt Reutlingen.

Gesundheitsindustrie, künstliche Intelligenz und nachhaltiges Wirtschaften: Entwicklungskonzepts „FORTUNA2“

Beide Projekte sind Teil des regionalen Entwicklungskonzepts „FORTUNA2“. Mit diesem hat sich die Region Neckar-Alb am landesweiten Wettbewerb „Regio Win 2030“ beteiligt. Das Konzept steht unter der Überschrift „Mit intelligenten Ideen Zukunft nachhaltig gestalten“ und zeigt die Handlungsfelder auf, in denen die Region über besondere Stärken verfügt. Dies sind Gesundheitsindustrie, künstliche Intelligenz und nachhaltiges Wirtschaften. Das Konzept wurde von der IHK Reutlingen mit den Landratsämtern Tübingen, Reutlingen und Zollernalb, der Stadt Reutlingen und dem Regionalverband Neckar-Alb erarbeitet. Die Koordination hatte bei der IHK das eigene Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer, kurz IHK-IWW. Das Landratsamt Tübingen war als Leadpartner dabei.

Schlüssiges Konzept überzeugt Landesjury

„Die Region hat zusammen ein schlüssiges Konzept erarbeitet und die Landesjury hat dieses Engagement gewürdigt. Es zeigt einmal mehr, dass Zusammenarbeit und Kooperation zentrale Erfolgsfaktoren für die gesamte Region sind“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. Die beiden ausgewählten Projekte haben ein Fördervolumen von knapp fünf Millionen Euro. Die Mittel stammen aus EU- sowie Landesfördertöpfen.
Zu „FORTUNA2“ gehören insgesamt sechs Leuchtturmprojekte und neun Schlüsselprojekte. Sie wurden von regionalen Innovationsakteuren eingereicht. Ein Lenkungskreis mit Vertretern der Wirtschaft hatte diese Projekte im Zuge eines regionalen Beteiligungsprozesses priorisiert. Die noch nicht ausgezeichneten Projekte können in einer weiteren Runde gefördert werden.

Was ist das „Biological Development Center“ (Biotechnologische Forschung)

Das NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut hat sich mit einem Projekt zur Herstellung von Biologicals in den Prozess eingebracht. Die biotechnologisch hergestellten Proteine werden in erster Linie für optimierte Antikörperformate und experimentelle Impfstoffe eingesetzt. In der Krebstherapie kann damit personalisiert auf den Patienten eingegangen werden. Mit dem neuen Entwicklungszentrum in Kusterdingen soll auch Start-ups und kleine und mittlere Unternehmen ein niederschwelliger Zugang zu den Laborkapazitäten ermöglicht werden, um erfolgsversprechende Ansätze zusammenzubringen und effektiv zu nutzen.

Und das „Artificial Intelligence Data-Incubation Center“ (Künstliche Intelligenz für autonomes Fahren)?

Das Projekt AIDA von Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Stadt verfolgt das Ziel, das urbane, autonome Fahren im Fußgängerumfeld anhand realer Umweltsimulationen zu realisieren. Am Innoport auf dem ehemaligen Willi-Betz-Areal wird ein KI-Dateninkubator aufgebaut, mit dem reale Daten erhoben werden um (teil-)autonome Assistenzsysteme zu entwickeln. Bisher wird vorwiegend mit synthetischen Daten gearbeitet, was die realitätsnahe Abbildung erschwert. Mit diesem Schritt baut die Region unter Einbindung des bestehenden KI-Ökosystems ihre KI-Kompetenzen weiter aus. Durch die Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen werden zudem neue KI-Geschäftsmodelle zu Mobilitätskonzepten und Nachhaltigkeit entwickelt.

Was hat es mit dem Wettbewerb „Regio Win 2030“ auf sich?

„Regio Win 2030“ steht für „Regionale Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit“ und ist ein landesweiter Wettbewerb mit dem Regionen sich um EU-Fördermittel bewerben. Das regionale Entwicklungskonzept ist eine Bestandsaufnahme der Region mit ihren Stärken, Schwächen sowie Chancen und Risiken. Die dazu entwickelten Projekte bauen auf den vorhandenen Stärken auf. Unter dem Motto „Stärken stärken“ wird damit die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen sichergestellt und eine gezielte Förderung bewirkt. „Regio Win 2030“ wurde durch die Ministerien für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ausgeschrieben.