Seit diesem Monat kann der Kaffee-to-go in Reutlingen aus Mehrweg-Pfandbechern getrunken werden: mit 50 Standorten hat sich der Landkreis dem Recup-System angeschlossen. In einem Interview mit unserer Zeitung befand die Metzingerin Susanne Erb-Weber, dass die Einführung des Systems ein „unnötiger Schnellschuss“ war. Erb-Weber berät eine größere Handwerksbäckerei, die sich dem System nicht angeschlossen hat.

„Jeder kann seine Meinung zum System haben“, sagt Landratsamt-Pressesprecherin Christine Schuster eine Woche nach besagtem Interview. „Aber wir wollen einfach ein paar fachliche Dinge klarstellen.“ Das wichtigste sei: „Das war kein Marketing-Gag.“ Das System lebe davon, dass möglichst viele Menschen Bescheid wisse – und dabei helfe nun mal ein Infostand, wie der am 1. März. „Außerdem machen wir viele Aktionen zur Nachhaltigkeit und nicht nur diese eine“, betont Gabriele Queisser, die Leiterin des Kreisamtes für nachhaltige Entwicklung.

Tobias Kemmler, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur, betont, dass sich auch viele große Anbieter dem System angeschlossen haben. MC Donalds beispielsweise – mit allein 16 000 Besuchern pro Tag am Reutlinger Standort. Wenn so viele mitmachen, könne die Aktion ja kein kurzlebiger „Gag“ sein.

Auch sei das ganze kein „Schnellschuss“ gewesen, wie von Erb-Weber behauptet. „Die Vorbereitungen haben gut ein Jahr gedauert und es gab sehr viele Gespräche mit allen Beteiligten“, sagt Abrahim Dold von der Klimaschutzagentur. Mit Fair-Cup, dem Produzenten, den Erb-Weber für besser hält, habe es auch Gespräche gegeben. Fair-Cup habe aber deutlich weniger Standorte in der Umgebung, sagt Queisser, und sei somit weniger „flächendeckend“.

Recup dagegen sei sehr wohl flächendeckend (nicht wie von Erb-Weber kritisiert): So ist beispielsweise Tübingen seit November im System (und hat seine Standorte seitdem verdoppelt), auch in Böblingen, Mössingen, Rottenburg und in einigen Läden in Stuttgart könne man die Becher kaufen und zurückgeben.

Die Becher-Deckel sind eine Schwachstelle: Das Pfand-System betrifft aus hygienischen Gründen nämlich nur die Becher selbst. Den Deckel muss man entweder weglassen oder man kann ihn für einen Euro oder 1,50 Euro dazukaufen. Das sei dann aber ein Mehrweg-Deckel, betont Kemmler. Und nicht wie von Erb-Weber im Interview erwähnt ein Einwegdeckel, denn man nach Gebrauch wegwirft.

Die Becher werden vor Ort gespült und dann an den nächsten „Mieter“ abgegeben. Nur wenn der ganze Anbieter aus dem System aussteigen sollte oder seine Becher nicht los bekommt, müssen die wieder ins Recup-Lager ins Ruhrgebiet gefahren werden. Natürlich sei das nicht optimal, sagt Tobias Kemmler. „Aber wir haben ja nicht in jeder Stadt einen Becherproduzenten.“

Salome Mages vom Kreisamt für nachhaltige Entwicklung blickt indes schon in die Zukunft: Wenn das Recup-System gut läuft, kann sie sich beispielsweise vorstellen, auch Eisdielen ins Boot zu holen. Der kleine Recup-Becher sei schließlich optimal für eine Kugel Erfrischung.

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Kilometer lang ist die Einwegbecher-Schlange, die jeden Tag im Landkreis Reutlingen gekauft und wieder weggeworfen wird – das sind 26 000 Becher.