Eningen "Jetzt send se los"

Ango heißt die jüngsten Häbles-Wetzer in der Narrenzunft willkommen. Am Mittwochabend wurde der Häs abgestaubt.
Ango heißt die jüngsten Häbles-Wetzer in der Narrenzunft willkommen. Am Mittwochabend wurde der Häs abgestaubt. © Foto: Angela Steidle
ANGELA STEIDLE 09.01.2015
"S' ìsch abgestaubt, ond der Häbles-Wetz ka sprenga", reimte Pfarrer Roland Knäbler bei der Eninger Narrenmesse, für "dia Narra ond dia ohne Häs, die moinat, ma dät's et merka, dass se narrisch send".

Die Schellen der Eninger Häbles-Wetzer schepperten in den Bänken der katholischen Liebfrauenkirche. Von der Empore schmetterten "d'Achalmer" den Song "An Tagen wie diesen". Zum Fasnets-Choral reihten sich Hästräger zum Auszug in die Polonaise. Die komplette Narrenmesse samt Bibellesung, Fürbitten und Segen reimte sich vortrefflich zu einem Aspekt, der dem neuen katholischen Geistlichen in Eningen besonders gut gefällt: "Ma verschdoht sich, wenn d'Fasnet älle zammaschwoißt. Dia Narra tanzat ond sengat Liadr. Ma isch sich et bös', ma nimmt sich nix übel - fascht wia en dr Bibel."

"Wer sich vorher fremd war, hot sich nochher verstanda", denkt sich Roland Knäbler in die närrische Seele hinein, "de Ausländische kennat bei de eiheimische landa. Plötzlich send alle friedlich, net wia sonscht üblich. So a bissle Eninger Geist-Sturm ond frischer Wind, der kentt z'letscht ganz weit blosa - am End en empfindliche Reitlenger Nosa. S' ìsch abgstaubt ond dr Häbles-Wetz ka sprenga. Ab jetzt kennat dia hondertprozentige dr Fasnet nemme entrenna."

In diesem Jahr war die Narrenmesse das oberste Highlight beim Häs-Abstauben. Gut, dass Pfarrer Knäbler sich nur kurz gefragt hatte, "was des wohl für welche send ond welchem Kult dant dia wohl huldige?" Er stellte Lebensfreude und Gemeinschaftssinn in den Mittelpunkt seiner schwäbischen Predigt. Die Fasnet als Bürgerbewegung, die Sprach- und Kulturbarrieren einfach überspringt.

Die offizielle Eröffnung der Session 2015 fand zuvor am Spitalhofplatz statt. Der Ango und seine Trauben-Rike schlenderten in angeheitertem Zustand über den gedachten Eninger Weinberg und kamen dabei ins Träumen, als die Weinreben sich plötzlich im Wind bewegten und menschliche Gestalt annahmen. So erzählen die Hästräger ihre Gründungs-Geschichte. Die Fasnets-Figur des Eninger Häbles-Wetzer war geboren.

Am 7. Januar, dem Tag nach dem "Öbersten", wurden von Zunftrat Stefan Langner mit Monika Barth und Tim Zemmer zwei neue Hästräger auf die Narrenzunft vereidigt. Beide wurden danach von Ango kräftig abgestaubt, erhielten ihre Taufurkunde und wurden erstmal mit der Gießkanne begossen, "damit die neuen Reben gut anwachsen und gedeihen".

Auch Häble- und Schüttelbrett-Träger samt gedeihlichem Nachwuchs wurden von Ango entstaubt und tanzten zu Ehren der Eninger Traditionsfigur ihren Narrentanz.

Nächster Eninger Termin im Narrenfahrplan 2015 ist der "Dämmerungs-Umzug", ausnahmsweise am Samstag, 24. Januar, ab 17.30 Uhr durch Eningens Straßen.