Reutlingen / Jürgen Spieß  Uhr

Weltmusik nicht als reine Folklore sehen, sondern als etwas musikalisch Eigensinniges abseits des Mainstreams: Das ist der Anspruch des zum fünften Mal auf dem Platz vor dem franz.K ausgerichteten Openair-Festivals „Inter:Komm!“, bei dem am 26. und 27. Juli sechs Weltmusikbands auftreten. Die Organisatoren um den hauptamtlichen franz.K-Geschäftsführer Andreas Roth haben Bands eingeladen, die sich musikalisch von verschiedenen Kulturen beeinflussen lassen und das interkulturelle Moment betonen: „Neben der Präsentation von Livemusik geht es uns aber auch darum, mit diesem Festival zwanglose Begegnungen von Menschen zu ermöglichen“, betonte Pressesprecherin Sarah Petrasch bei der Vorstellung des Programms.

Das Festival startet am Freitag mit den Auftritten des Reutlinger Simplon Quartetts, der Berliner Band Il Civetto und Moonlight Benjamin aus Haiti. Am Samstag stehen Pizzico di Sole, das Reutlinger TALK-Projekt, Malakka Hostel und 47Soul auf der Openair-Bühne und am Sonntag ist wieder Familientag.

Wie in den letzten Jahren sollen interkulturelle Bezüge nicht nur durch die Musik geschaffen werden, das franz.K-Team versucht auch, finanzielle Hürden zu beseitigen und damit Menschen den Zugang zum Festival zu ermöglichen, die sich das sonst nicht leisten können. Deshalb wird wieder kein Eintritt erhoben. Das kulturverbindende Konzept wird auch am Familien-Sonntag wörtlich genommen, wenn Reutlinger Vereine und Bands der Kulturwerkstatt eigene künstlerische Beiträge einbringen. Zu guter Letzt wird an den Essens- und Getränkeständen die Verschmelzung der Kulturen praktiziert, indem sich franz.K-Mitarbeiter und interkulturelle Vereine die Arbeit beim Zubereiten der internationalen Speisen teilen.

Die beteiligten Bands präsentieren ihren kulturellen Hintergrund durch die Musik und begeben sich auf den Pfad des Dialogs. Wie etwa Moonlight Benjamin, die mit ihrer Band Voodoo-Rhythmen und Melodien ihrer Heimat Haiti mit Bluesrock aus den 70er-Jahren vereint. Die Spannung, die dabei zwischen den archaischen Melodien in Moonlights berührender Stimme und den fetten Gitarrenriffs entsteht, schafft eine ganz neue, explosive Form von Voodoo-Trance. Die Sängerin, „von der man in Zukunft noch viel hören wird“, ist Andreas Roth überzeugt, lebt inzwischen in Frankreich und ist am Freitag der Headliner. Originalität und die Verschmelzung unterschiedlicher Musikstile sind auch Markenzeichen des Berliner Musiker-Kollektivs Il Civetto, die ebenfalls am Freitag auftreten. Gegründet wurde die Band vor gut neun Jahren in einer Berliner U-Bahn und hat seither mehr als 300 Konzerte im In- und Ausland absolviert, darunter auf dem Montreux Jazz Festival und beim Dockville. Auf der Bühne kreieren sie aus Akustikgitarre, Bass, Ukulele, Klarinette, Saxofon und einem selbst zusammengestellten Percussion-Set Musik mit einem ganz eigenen Sound und Wiedererkennungswert. Der Abend wird von dem Reutlinger Simplon Quartett eröffnet, das den kulturellen Bogen von keltischer Musik durch Zentraleuropa bis auf den Balkan und Nordafrika spannt.

Hauptakt am Samstag ist ein vielversprechender Newcomer aus dem Nahen Osten: Die in Jordanien gegründete und nun in London ansässige Band 47Soul präsentiert eine kraftvolle Mischung aus traditioneller Straßenmusik, elektronischen Beats sowie Einflüssen aus Funk, Hip-Hop und Rock. Auf Melodien, welche schon seit Jahrhunderten durch die arabische Welt schallen, packen 47Soul analoge Synthesizer-Sounds, hypnotische Gitarren und aufrüttelnde Strophen auf Englisch und Arabisch. Den Samstag eröffnen die oberschwäbische Weltmusikband Pizzico di Sole und das franz.K-eigene, ebenfalls multikulturell geprägte Hip-Hop-Jugendprojekt „Talk“, gefolgt von der bläserorientierten „Global-Umpa-Music“ der Freiburger Band Malaka Hostel.

An beiden Tagen, Freitag und Samstag, klingt der Abend mit einer Aftershowparty ab 23.30 Uhr im Saal aus, am Freitag mit DJ Laibamba, am Samstag mit DJ Gopal. Das „Inter:Komm!“-Openair ist inzwischen „ein echtes Herzensprojekt“ des franz.K, so Sarah Petrasch. Zudem hat sich das finanzielle Engagement der Stadt von 5000 auf 18 000 Euro erhöht und selbst Oberbürgermeister Thomas Keck hat sich für Samstag mit einer kurzen Rede angekündigt.

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Bands aus unterschiedlichen Ländern sorgen für die Musik beim diesjährigen und inzwischen fünften „Inter: Komm!“-Festival vom 26. bis 28. Juli vor dem franz.K in Reutlingen.