Reutlingen "Innovationstreiber"

Technologiekonzern oder Aktionärskissen? Firmengründer Dieter Manz (rechts) stand bei der Hauptversammlung der Manz AG gestern Rede und Antwort. Ihm zur Seite die Aufsichtsräte Prof. Dr. Michael Powalla, Dr. Peter Leibinger, Notar Hagen Krzywon, Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Heiko Aurenz und Finanzvorstand Martin Hipp.
Technologiekonzern oder Aktionärskissen? Firmengründer Dieter Manz (rechts) stand bei der Hauptversammlung der Manz AG gestern Rede und Antwort. Ihm zur Seite die Aufsichtsräte Prof. Dr. Michael Powalla, Dr. Peter Leibinger, Notar Hagen Krzywon, Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Heiko Aurenz und Finanzvorstand Martin Hipp. © Foto: Angela Steidle
Reutlingen / ANGELA STEIDLE 10.07.2014
"Ich bin persönlich davon überzeugt, dass die Solarenergie mittelfristig die mit Abstand günstigste Stromproduktion sein wird!", bekannte Vorstandsvorsitzender Dieter Manz vor den Aktionären.

"Wir wollen eine stabile, kontinuierliche Entwicklung", forderte Hardy Hamann, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Aktionäre, bei der Hauptversammlung der Reutlinger Manz AG. Dieter Manz, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Holding: "Als Innovationstreiber im Weltmarkt ist Engineering unser Kerngeschäft, mit allen technischen und finanziellen Risiken. Das führt zu Abschreibungen." Dividende, so Manz lakonisch, "ist eins unserer Lieblingsthemen. Wir haben im Unternehmen beschlossen, bis auf Weiteres keine auszuschütten. Wir sehen die Manz AG als Wachstumsunternehmen, wollen das Geld langfristig in den Technologieausbau investieren."

Sein klares Bekenntnis: "Wir glauben an die Zukunft des Solargeschäfts. Wir akzeptieren die Risiken. Wir investieren hier das Geld, das wir in anderen Bereichen erwirtschaften, weil wir die Position eines Technologieführers erreicht haben." Die Überkapazität, so Manz, sei aus dem Markt gewichen. Wachsende Märkte wie Indien und China seien komplett unterversorgt - eine Frage der nächsten Produktgeneration und des Preises.

Mit dem Fokus auf Elektromobilität gründete die Manz AG 2009 den Geschäftsbereich "Battery". "Der Markt kämpft mit den hohen Preisen", erklärte Dieter Manz, "das läuft nach dem Henne-Ei-Prinzip". Will heißen: Wo keine Nachfrage ist, gibt es keine Massenproduktion, die Batterien sind für Fahrzeuge zu teuer. "Es gibt aber auch keinen Grund, es nicht zu tun", insistiert Manz, "die Zeit, bis die Autoindustrie in die Stückzahlen kommt", nutzt der Konzern für wachstumsstarke Entwicklungen für die "mobile industry".

Zu den Highlights des vergangenen Jahres zählt Dieter Manz den ersten Großauftrag im Bereich einer neuen, langlebigen Batterietechnik für Smartphones, Tablets und Notebooks: "Wir konnten uns mit einer Pilotlinie und einem umfassenden Industrie-Know-how präsentieren." Trotz der "Mehrwertsteuer auf selbst geerntete Tomaten", wie der Vorstandsvorsitzende die Einspeise-Umlage für Solarstrom nach dem Erneuerbare Energien Gesetz bezeichnet: "Die Speichertechnologie ist da. Die Politik ist auf der Suche nach Kompromissen mit den Großversorgern."

Gleichzeitig rückte Manz bei den Aktionären die positive Entwicklung des eigenen Aktienkurses in den Blick: "Wir sind nicht abhängig vom Solarbereich. Wir wollen als Hightech-Maschinenbauer in wachstumsstarken Branchen wahrgenommen werden!"

Einen "intakten Trend mit stabilem Wachstum vor allem im asiatischen Markt" verfolgt Manz im Bereich "Display" - eine junge Industrie, die noch viele Technologiewechsel vor sich habe. Dazu brauche es Ingenieurs-Know-how und Maschinentechnik. Manz dazu: "Wir sind bei Herstellern und Zulieferern hervorragend positioniert und profitieren von unseren Entwicklungen aus der Solartechnologie. Wir sind in der Lage, sehr große Wachstumssprünge zu machen."

Manz AG bleibt am Kapitalmarkt

Mit einer Steigerung um 44,6 Prozent auf 266,2 (184 in 2012) Mio. Euro gelang der Manz AG 2013 der höchste Umsatz der Unternehmensgeschichte. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 3,1 (-30,7) Mio. Euro. Am Ergebnis beteiligt waren die Sparten "Display" mit 20,1 Mio. Euro (Ebit) und 64,8 Prozent am Geschäftsaufkommen, "Leiterplatten/OEM" mit 3,7 Mio. Euro (21,2 Prozent), "Solar" mit -22,6 Mio. Euro (3,9 Prozent) und "Battery" mit 0,1 Mio. Euro (3,4 Prozent).

Im November 2013 erfolgte eine Kapitalaufstockung mit zehn Prozent neuer Aktien zu einem Kapitalwert von 60 Euro. Zum 31. Dezember 2013 war das Unternehmen nahezu schuldenfrei. Im März 2014 erfolgte die Rückkehr in den Tec-Dax, der die Entwicklung der 30 größten Technologieunternehmen des Prime Standard abbildet. Dieter Manz bestätigte auf Anfrage: "Wir haben nicht vor, den Kapitalmarkt zu verlassen!"

Der ganze Geschäftsbericht findet sich unter www.manz.com im Bereich "Investor Relations".

ANE