Der Haussegen hängt immer noch gewaltig schief – und die Vorfälle sind wohl ziemlich einzigartig: Nach einem Eklat bei der großen Turner-Gala des VfL im Dezember 2015 hatten Beginn vergangenen Jahres Pfullingens Bürgermeister Michael Schrenk und seine drei Stellvertreter einhellig entschieden, an keinen öffentlichen Veranstaltungen des zweitgrößten Sportvereins im Kreis  mehr teilzunehmen.

Nach dem Zerwürfnis zwischen Pfullingens Rathauschef Michael Schrenk und dem VfL soll Vereins-Ehrenpräsident und Altstadtrat Gert Seeger fortan helfen, das Verhältnis wenigstens auf Arbeitsebene wieder zu normalisieren, sagte gestern auf Nachfrage VfL-Vizepräsident Hans-Georg Finkbohner.

Dieser Schlag kam unverhofft, saß aber umso tiefer. Auf der traditionsreichen 2015-er-Turnergala vor Weihnachten hatte CDU-Stadtrat und Bürgermeister-Stellvertreter Gert Klaiber Vereinsvertretern doch frank und frei ins Gesicht hinein gesagt, dass der Bau eines Sportvereinszentrums am Arbach (das peb)  doch nicht nötig – weil viel zu teuer sei. Da riss vielen VfL-Funktionären die Hutschnur. Ausgerechnet Klaiber! War der doch bis 2010 Präsident des VfL Pfullingen, dem mit heute 3900 Mitgliedern zweitgrößten Sportverein im Kreis.

Der Gesamtvorstand des VfL, das sind rund 30 Leute, habe Bürgermeister Michael Schrenk daraufhin geschrieben, dass man bei Veranstaltungen keinen Gert Klaiber mehr als Stellvertreter des Rathauschefs sehen wolle. In einem Gespräch mit unserer Zeitung hatte Schrenk gesagt, der Brief sei von der Turnabteilung gekommen. Die Retourkutsche folgte prompt. Der Rathauschef und seine drei Stellvertreter entschieden, dass künftig überhaupt niemand von ihnen mehr an VfL-Veranstaltungen teilnehmen werde. Dies verriet Schrenk in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Der eigentliche Skandal jedoch ist für viele Außenstehende, dass diese Boykott-Entscheidung nie öffentlich gemacht wurde, nicht von Schrenk, nicht vom VfL.

Und so fragten Bürger weit über ein Jahr lang immer wieder kopfschüttelnd, weshalb bei Veranstaltungen des VfL denn weder der Bürgermeister, noch einer seiner Stellvertreter dabei sei. Das erste Mal seit Jahrzehnten war selbst zur Hauptversammlung vor drei Wochen kein offizieller Vertreter der Stadt entsandt worden.  Nun ist der Grund allen Pfullingern bekannt – und für beide Seiten dürfte es kein Ruhmesblatt sein, so viele Pfullinger darüber im Unklaren gelassen zu haben.

Das Tischtuch war zerschnitten – und auf dem Rücken der Sporttreibenden ging es weiter. Jedenfalls sieht das Schrenk so. Der hatte zur Eröffnung der neuen Sporthalle bei den Pfullinger Hallen eine Nutzungsvereinbarung erarbeiten lassen. Die ist wichtig auch für den Fall, dass etwas in der Halle kaputt geht – oder es gar zu Unfällen kommt.

Obwohl es da eben auch um so wichtige Dinge wie die Schadenshaftung geht, habe der VfL als einziger Verein diesen Vertrag bis heute noch nicht unterschrieben, so Schrenk. Bis heute nutze der VfL die Halle einfach so.

Finkbohner kontert: „Wir unterschreiben doch nicht, dass unsere Übungsleiter jedes Mal vor Beginn die gesamte Halle inspizieren müssen. Jahre hat es so etwas hier nicht gegeben.“

Übrigens auch keinen Streit über die Vereinsförderung, denn die ist neu. Da liegen VfL und die Stadt auch im Clinch. Bald soll es einen Feinschliff der Regelung geben, beteiligt sind alle Vereine.

Einen Feinschliff erwarten beide Seiten auch, weil fortan Alt-Stadtrat Gerd Seeger als vom VfL benannter Mittelsmann Gespräche mit Schrenk führen – „und diese in die richtigen Bahnen lenken soll“, so Finkbohner.