Reutlingen "Gewinne werden mehr, Beutel bleibt leer"

Über den Marktplatz zog der IG-Metall-Demozug zur Schulstraße, dem Domizil von Südwestmetall. Foto: Jürgen Spieß
Über den Marktplatz zog der IG-Metall-Demozug zur Schulstraße, dem Domizil von Südwestmetall. Foto: Jürgen Spieß
JÜRGEN SPIESS 29.03.2012
Gut 250 Demonstranten versammelten sich gestern vor dem Gebäude des Arbeitgeberverbands Südwestmetall: Aufgerufen zur lautstarken Protestaktion hatte die IG Metall Reutlingen-Tübingen.

Sie hätte nie gedacht, dass sie einmal für mehr Geld demonstrieren würde. Dass sie einfach auf die Straße geht, gemeinsam mit fremden Menschen, die Transparente hochhalten und skandieren: "Eins, zwei, drei, vier, 6,5 Prozent, das wollen wir!" Doch mit dem Frust über "immer mehr Arbeit und gleichzeitig weniger Geld" steht die 45-jährige Burkhardt-&-Weber-Mitarbeiterin nicht alleine da. "Gewinne werden immer mehr, nur unser Beutel, der bleibt leer", steht auf dem Plakat eines anderen IG-Metall-Mitglieds.

Die beiden sind - wie rund 250 andere - an diesem Mittwoch zu einem Spaziergang mit anschließender Kundgebung gekommen, um den Forderungen der IG Metall im Rahmen der aktuellen Tarifrunde Nachdruck zu verleihen. Der Spaziergang führt die Demonstrierenden vom IG-Metall-Sitz in der Gustav-Werner-Straße über den Marktplatz bis zum Arbeitgeberverband Südwestmetall (SWM) in die Schulstraße in der Oststadt.

Hintergrund für die Protestaktion: Nachdem die zweite Verhandlungsrunde zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband für die 800 000 Beschäftigten der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie zu keinem Ergebnis geführt hat, sind die Gewerkschaftsvertreter darüber verärgert, dass sich die Arbeitgeber keinen Millimeter bewegen und "jegliches Angebot verweigern", so der IG-Metall-Bevollmächtigte Gert Bauer bei der Kundgebung. Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde 6,5 Prozent mehr Geld, die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten sowie wirksame Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeit. "Wir wollen ein Angebot! Jetzt!" und "Leiharbeit bleibt Sklavenarbeit!", riefen die Demonstranten den Arbeitgeber-Vertretern zu. Zum erhofften Gespräch mit Geschäftsführer Dr. Jan Vetter kam es aber nicht. Dafür machten die Demonstranten ihrem Unmut mit Schlachtrufen wie "Unsere Parole heißt: mehr und fair!" Luft und verliehen ihren Forderungen zusätzlich auf einer beschrifteten Karton-Wand am Südwestmetall-Gebäude Nachdruck.