Reutlingen "Ende gut, alles gut?!"

Gestern Abend hat der Gemeinderat festgelegt, mit welcher Unterstützung die Vereine rechnen können, wenn sie ab 2013 die neue Stadthalle nutzen. Foto: Stadt Reutlingen
Gestern Abend hat der Gemeinderat festgelegt, mit welcher Unterstützung die Vereine rechnen können, wenn sie ab 2013 die neue Stadthalle nutzen. Foto: Stadt Reutlingen
RALPH BAUSINGER 30.03.2012
Bei vier Gegenstimmen hat der Gemeinderat gestern Abend entschieden, die Nutzung der neuen Stadthalle durch die Vereine zu bezuschussen. Dafür werden 90 000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt.

Die Kuh ist jetzt vom Eis. Mit der "Fortführung des Wahlrechts der Vereine für die Nutzung städtischer Veranstaltungsräumlichkeiten", wie der Beschlussvorschlag korrekt heißt, hat der Gemeinderat geregelt, mit welcher Unterstützung Vereine rechnen können, wenn sie die neue Stadthalle buchen (siehe Kasten). Damit endet wohl eine Debatte, die in den vergangenen Wochen bei Vereinen, Kulturtreibenden und in der Öffentlichkeit für jede Menge Ärger, Beschuldigungen, Irritationen und Enttäuschungen gesorgt hat.

Nicht wenige Redner - unter ihnen auch Ulrich Lukaszewitz - gingen darauf nochmals ein. Der SPD-Rat, der die Vorlage ein "sprachliches Monster" nannte, bewertete die jetzt gefundene Lösung als ein Modell mit offenem Ende und forderte, die Regelung nach zwei Jahren zu überprüfen. Lukaszewitz regte an, aus den Erfahrungen zu lernen und die Kulturtreibenden in Zukunft ernst zu nehmen. Zudem forderte er eine Lösung für die Philharmonie und die Junge Sinfonie ein - Letztere kann die Halle für weniger als 1000 Euro nutzen, sagte Kulturbürgermeister Robert Hahn zu. Die Verwaltung habe, wie der SPD-Rat anerkannte, Beständigkeit bewiesen, und der Rat habe Wort gehalten. Jetzt sei er "saumäßig gespannt, wie die Vereine die Halle zu ihrer Halle machen." Sein Fazit: "Ende gut, alles gut?!"

Jürgen Fuchs (FWV) verwies auf die steuerrechtlichen Zwänge, die zu der späten Entscheidung geführt hätten, dennoch wäre ein Zwischenbericht angemessen gewesen. Jetzt gehe es darum, die "Halle nicht schlechtzureden, sondern ins Scheinwerferlicht zu stellen. Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte der FWV-Fraktionschef.

Durch die Diskussionen der vergangenen Wochen hätten Verwaltung, Gemeinderat, aber auch die Stadthalle Reutlingen GmbH Kratzer abbekommen, merkte Andreas vom Scheidt (CDU), der sich eine frühere Entscheidung gewünscht hätte. Dennoch sei es ein "guter Tag für Reutlingen". Die RSÖ-Fraktion werde mit einem "gewissen Unbehagen" zustimmen, sagte Özlem Isfendiyar. Sie befürchtet, dass das hierfür eingesetzte Geld anderswo fehlen werde. Zudem wisse sie nicht, wie sich höhere Eintrittsgelder auf die Besucherzahlen auswirkten.

Die ganze Aufregung hielt Julius Vohrer für überzogen. Es sei doch im Vorfeld klar gewesen, dass "wir die Vereine weiter unterstützen". Und auch die höheren Eintrittskosten gegenüber der Listhalle seien akzeptabel, machte der FDP-Rat an einem Beispiel deutlich: "Statt eines 20 Jahre alten Golfs fährt er (der Verein) jetzt einen Mercedes S-Klasse."

Allein die Grünen stimmten gegen den Vorschlag: Ihr Fraktionsvorsitzender Rainer Buck bemängelte zum einen das nicht ausreichende Beteiligungsverfahren, zum anderen verwies er auf die "mangelhafte Informationspolitik" der Verwaltung gegenüber Gemeinderat und Öffentlichkeit. Zudem hat Buck die Befürchtung, dass die Zuschussmittel für andere kulturelle Projekte fehlen könnten - was er als "Bettdeckendilemma" bezeichnete.