Reutlingen "Einsatz hat sich gelohnt"

Reutlingen / PETER ANDEL 06.03.2014
Sie ist de facto "Alterspräsidentin" im Gemeinderat. Aber für eine weitere Periode wollte Suse Gnant nicht mehr antreten. Die 73-Jährige bilanzierte im Gespräch mit unserer Zeitung die Kommunalpolitik.

Wer dieses Energiebündel anschaut, kommt nie auf die Idee, sie könne sich mal in den "Ruhestand" verabschieden. Und doch hatte sie vor fünf Jahren schon angekündigt, nicht mehr für den Gemeinderat zu kandidieren, denn "da ist ja die Stadthalle fertig". Was für Suse Gnant mit ein Grund war, dem Gremium Lebewohl zu sagen. Dass sie nochmals für den Kreistag antritt, liegt an der SPD, die sie "nachhaltig überzeugt" hat. Außerdem sorge sie sich weiterhin um das Steinenberg-Klinikum.

Springen wir fast 30 Jahre zurück: Susanne Hubberten war es, die 1984 die Freie Frauenliste gründete und auf der Suche nach geeigneten Kandidatinnen war. Doch nur Frauenthemen, das war nichts für Suse Gnant. "Aber gerade dafür brauche ich dich", habe Susanne Hubberten gesagt. Als Nachrückerin auf Listenplatz drei zog Suse Gnant in den Gemeinderat ein, musste sich aber, weil der FFL nur ein Sitz in den beschließenden Ausschüssen (Hubberten) zustand, mit dem "Katzentisch" begnügen. Als sich die Themen bei der FFL doch wieder zu stark auf Frauen konzentrierten, war ihr das zu beschränkt. Sie fand eine neue Heimat bei der SPD - und einen Sitz im Bauausschuss.

In den späten 80ern hätte sie gerne auf der Römerschanze ein Projekt "Ambulante Altenbetreuung" verwirklicht, aber der Ausschuss lehnte ab. "Das hat mich geärgert." Geärgert hat sie auch, dass es nichts wurde mit der Verbesserung der Hilfsangebote für ältere Menschen im Vollen Brunnen und mit dem kommunalen Altenplan.

Besser lief es bei der Kinder- und Jugendhilfe und dem Projekt Sprachförderung. Davon profitierten viele Kinder mit Migrationshintergrund. Auch bei der ambulanten Palliativpflege konnte Suse Gnant Erfolge verbuchen. Vier Jahre dauerte allerdings der Antrag, bis die Förderung endlich lief.

Als Vorsitzende der Stiftung Palliativpflege ist sie weiterhin engagiert und investiert viel Zeit - auch hier ist die Arbeit natürlich ehrenamtlich. Allerdings sucht sie einen Nachfolger, denn ab 75 Jahren kann man nicht mehr in den Vorstand gewählt werden. "Aber langweilig", versichert sie, "wirds mir nicht."

Hartnäckig wie sie sein kann, stritt sie gegen die geplante Privatisierung der Altenheime. "Wir als Stadträte haben da eine Fürsorgepflicht." Letztlich gab es eine Gesellschaftsform, mit der die SPD leben konnte: eine GmbH mit Fachleuten an Bord sowie eine Service-Gesellschaft, bei der Mindestlohn gezahlt wurde. Suse Gnant wollte aber für diese Leute eine "Zusatzversorgung". Und weil das nicht gleich umgesetzt wurde, hakte die SPD-Rätin bei der Verwaltung energisch nach. Insgesamt jedoch, resümiert Suse Gnant, habe sich der kommunalpolitische Einsatz über fast 30 Jahre betrachtet "gelohnt".

Neben der Palliativpflege gilt ihr Interesse der Duschanbe-Partnerschaft. Sie war bei der Bürgerreise 1991 dabei. Bei einem Besuch eines Waisenhauses war sie bestürzt: "Das war entsetzlich." Die Lage der Kinder dort hat sie nachdenklich gemacht. Als in Tadschikistan Bürgerkrieg herrscht, hat sie es über eine Freundin in Duschanbe immer wieder geschafft, Nachrichten zu erhalten. "Was kann ich tun?", fragte sie sich. Über unseren früheren, verstorbenen Kollegen Rolf Mack kam sie an einen Deutschlehrer, der bei seinen Heimataufenthalten immer wieder Geld nach Duschanbe für die hungernden und frierenden Kinder mitbrachte.

Suse Gnant startet eine überaus erfolgreiche und weithin beachtete Spendenaktion "Eine warme Mahlzeit für Kinder in Duschanbe". Allein ihr Engagement beim Spendensammeln brachten bis dato rund 120 000 Euro ein. Nebenbei sorgte das Geld aus Reutlingen nicht nur für Essen und Trinken. In Schulen wurden beispielsweise zerschossene Fenster und defekte Dächer bei Turnhallen repariert und Heizungen eingebaut. Jetzt kann man in der Halle boxen.

Über Suse Gnant
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