Reutlingen / Carola Eissler

Die Superlative regierte am Montagabend in der Stadthalle bei der Verabschiedung der scheidenden Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. 1200 Gäste waren gekommen, um Bosch noch einmal zu würdigen. Auch aus den Reutlinger Partnerstädten waren große Delegationen angereist, ebenso zahlreiche Amtsträger, aber auch Weggefährten der vergangenen 16 Jahre. Moderator Helge Thun führte humorvoll durch den Abend, die Stadtkapelle Reutlingen umrahmte musikalisch, das Naturtheater spielte Ausschnitte aus Musicals und zum Abschluss bot die Württembergische Philharmonie Reutlingen sinfonische Tänze aus der West Side Story.

Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz betonte, das Amt sei Barbara Bosch auf den Leib zugeschnitten gewesen. „Das Allgemeinwohl stand für Sie immer an oberster Stelle.“ Die Baden-Württembergische Staatsministerin Theresa Schopper bezeichnete Bosch als einen „Glücksfall für die Stadt“. Mit ihrer Persönlichkeit habe Bosch der Stadt gut getan.

Helmut Treutlein, der für den Gemeinderat sprach, beschrieb Barbara Bosch so: „16 Jahre haben Sie diese Verpflichtung gelebt. 16 Jahre Stadtoberhaupt, 16 Jahre muntere und freundliche Worte gegenüber jedermann, demokratischer Umgang und manches Mal auch klare Worte, aber auch 16 Jahre  freundliches Lachen im Rathaus und in den Begegnungen mit der Bürgerschaft.“ Bosch habe stets klare Kante gezeigt und damit der Demokratie einen Dienst erwiesen. Treutlein zeichnete die kommunalpolitischen Errungenschaften in der Ära Bosch nach, vom Ausbau der kulturellen Stätten und der Kinderbetreuung über die Schaffung eines starken Wirtschaftsstandorts bis zum Abbau der Pro-Kopf-Verschuldung. Bei all dem habe Bosch die soziale Seite der Stadt nie vergessen. „Jedes Jahr haben Sie die Weihnachtsfeier der Arbeiterwohlfahrt für die Wohnsitzlosen besucht.“

Eine große Dame, die nicht aus Eisen sondern aus Gold gemacht ist: Mit diesen Worten würdigte der Roanner Bürgermeister Yves Nicolin für die Partnerstädte die scheidende Oberbürgermeisterin. Sie sei „eine Herzlichkeit in Person“. Bosch sei für die Roanner Bürger „das Gesicht des befreundeten Deutschlands“, sagte Nicolin. Regierungspräsident Klaus Tappeser hatte als Geschenk „den Genehmigungserlass für den neuen Reutlinger Haushalt“ mitgebracht.

Mit großer Spannung war Boschs letzte Rede als Chefin der Stadt erwartet worden, der „Höhepunkt des Abends“, wie Helge Thun betonte. Und natürlich durfte sie diese nicht halten, bevor nicht ein Film aus 16 Jahren Barbara Bosch an der Spitze der Stadt Reutlingen gezeigt worden war.

Von vielen in der Bürgerschaft habe sie sich getragen und begleitet gefühlt in den vergangenen 16 Jahren, sagte Barbara Bosch in ihrer sehr persönlich gehaltenen Abschiedsrede. Dafür sei sie aufrichtig dankbar. „Ich habe diese Zuwendung immer wieder gespürt.“ Diese Verankerung in der Bürgerschaft sei für sie stets größte Motivation gewesen, ihr Amt fleißig und engagiert auszuüben. Gleichzeitig danke sie aber auch den Stadträten für die Bereitschaft, Verantwortung für die gesamte Stadt zu übernehmen. Dankesworte richtete Bosch explizit an die Beschäftigten der Stadtverwaltung, ganz besonders an den persönlichen Stab im OB-Büro. Und an ihren Nachfolger gewandt sagte Bosch: „Ich lege Ihnen diese Mannschaft ans Herz. Behandeln Sie sie gut, dann geht sie mit Ihnen durch dick und dünn.“

Die Städte sind das Fundament unseres Staates, Demokratie werde vor Ort erlebbar, betonte Bosch. Städte seien aber auch ein Ort von Gemeinsamkeit und Vielfalt, wo Anderssein zum Strickmuster gehört. „Das funktioniert aber nur mit Respekt und Toleranz.“

Bei so vielen Amts- und Würdenträgern, bei Kommunal, Landes- und Bundespolitikern und zahlreichen Vertretern von Vereinen und Institutionen bedankte sich Bosch. Einen ganz besonderen Dank stellte sie jedoch an den Schluss ihrer Rede: „Ich bedanke mich bei einer unbekannten Person und deren Angehörigen für die Entscheidung, Organspender zu sein. Mein Mann wäre heute nicht unter uns, und ich würde als Witwe zu Ihnen sprechen, wenn er nicht die Lunge eines anderen Menschen bekommen hätte.“ Der größte Dank gehe an ihren Mann Friedemann Kuhn. Er sei immer eine sichere Bank gewesen, sei immer da gewesen. „Mein geliebter Frieder, Reutlingen verdankt Dir mehr als es weiß.“

Ihre Arbeit als Oberbürgermeisterin habe sie gerne und aus Überzeugung gemacht. Nun freue sie sich auf die Zeit mit ihrem Mann und ihrer Familie sowie auf das Ehrenamt im Roten Kreuz. „Mein Herz schlägt weiter für diese Stadt und ihre Menschen.“ Seit Mitternacht ist Barbara Bosch eine ganz normale  Reutlinger Bürgerin.

Einsetzung von Thomas Keck am Freitag

Der neue Oberbürgermeister von Reutlingen Thomas Keck wird am Freitag, 5. April, um 19 Uhr in der Stadthalle offiziell eingesetzt und verpflichtet.