Reutlingen "Ein Maßanzug der uns passt!" Kreis strebt European Energy Award an

Erster Landesbeamter Hans-Jürgen Stede und Landrat Thomas Reumann (hinten mit Banner von links) stehen hinter dem Energieteam der Landkreisverwaltung beim jetzt begonnenen Prozess des "European Energy Award". Foto: Norbert Leister
Erster Landesbeamter Hans-Jürgen Stede und Landrat Thomas Reumann (hinten mit Banner von links) stehen hinter dem Energieteam der Landkreisverwaltung beim jetzt begonnenen Prozess des "European Energy Award". Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 10.03.2012
Gestern war eine bedeutsame Auftaktveranstaltung im Landratsamt, die dreimal "E" bewirken soll: Energie sparen, Energie effizienter einsetzen und den Einsatz erneuerbarer Energien fördern.

Zweifellos werden die Energiepreise weiter ansteigen. Für den Landkreis Reutlingen ist das Grund genug, um an dieser Stellschraube zu drehen und künftig noch viel mehr Energie einzusparen. "Heute ist der Auftakt, um einen Prozess auf den Weg zu bringen", sagte Landrat Thomas Reumann gestern bei der "Kick-off-Veranstaltung" zum "European Energy Award". Dies ist ein "Instrument zur Optimierung der kommunalen Energie- und Klimaschutzpolitik" - so die offizielle Lesart. 23 von 295 Kreisen in Deutschland unterwerfen sich mittlerweile diesem Prozess. "Damit sind wir ganz weit vorne mit dabei", so Reumann.

Was aber steckt hinter diesem sperrigen Begriff des "European Energy Award" oder kurz EEA? Dem Grundprinzip des Energiesparens soll dabei genauso Geltung verschafft werden wie der Energieeffizienz und dem Bereich der erneuerbaren Energien. Unterschied zu vielen Energieberichten, von denen nach der Aussage des externen EEA-Beraters Udo Schmermer "90 Prozent für den Papierkorb produziert werden": Beim European Energy Award werden nach der Ermittlung des Ist-Zustands in allen Verwaltungsbereichen sofort konkrete Maßnahmenkataloge erstellt, wie Energie effizienter eingesetzt werden kann. Das reicht von der Energiesparlampe bis zu Verhaltensregeln im Umgang mit der Heizung. Oder bis zur ökologischen Fahrweise, die nach den Worten von Hans-Jürgen Stede mit "Eco-Drive-Kursen" den Landkreis-Bediensteten vermittelt werden soll.

Im Übrigen erhielt der Erste Landesbeamte vom Landrat eine Extra-Portion Lob: "Herr Stede hat das Thema EEA zu seinem persönlichen Anliegen gemacht und einen Maßanzug geschneidert, der für uns passt."

Um diesen Prozess zu gestalten und zu begleiten, ist in der Verwaltung eine Planstelle geschaffen worden, die Friedrich Huster ausfüllt. Zusätzlich gründete sich ein Energie-Team, das aus Verwaltungsbeamten in allen Ebenen besteht - von der Kreiskämmerei über die Abfallwirtschaft, das Kreisforstamt ebenso wie das Kreiskrankenhaus. Bedeutend sei, dass der EEA-Prozess nie aufhören wird - es gehe dabei um Bewusstseinsbildung im gesamten Verwaltungsapparat. "Das bedeutet kontinuierliches Arbeiten an dem Thema", sagte der Landrat. Zudem werden alle drei Jahre die Ergebnisse des Prozesses geprüft.

"Die Chancen stehen im Landkreis Reutlingen gut, dass die Zertifizierung gelingen kann", betonte Schmermer gestern im Landratsamt. Einen Vorteil hatte Reumann zuvor bereits herausgestrichen: "Wir starten ja nicht bei Null." Schon 1989 wurde im Kreis das Gebäudemanagement auf den Weg gebracht, mit dem der Energieverbrauch in den öffentlichen Gebäuden kontrolliert wird. Seit dem Jahr 2000 wurden in den Schulen im Kreis 62 Millionen Kilowattstunden Strom eingespart. "Das entspricht dem Verbrauch von 3100 Einfamilienhäusern", so Reumann. Die Energiekosten wurden so um vier Millionen Euro gesenkt, der CO2-Ausstoß um fast 13 000 Tonnen.

Die Krönung ist nun quasi der Neubau der Beruflichen Schule in Bad Urach, die als Passivhaus erstellt werde. Ein weiteres Plus "ist die Erfolgsgeschichte der Klimaschutzagentur", die 2007 gegründet wurde - "die hat bundesweit für Furore gesorgt", so Reumann. Fünf Mal 75 000 Euro hat der Kreistag für die Finanzierung des EEA-Prozesses genehmigt, hinzu kommt eine Anschubfinanzierung vom Land. "Es geht darum, die Energiethemen in der täglichen Arbeit aller Mitarbeiter zu verankern", betonte Hans-Jürgen Stede.