Luftreinhaltung Reutlingen: „Die Chance wird vertan“

Gerade mal 3500 Fahrzeuge weniger fahren seit der Tunnelöffnung durch die Reutlinger Innenstadt. Die Grünen geben der Stadtverwaltung die Schuld und fordern jetzt rasch durchgreifende Maßnahmen.
Gerade mal 3500 Fahrzeuge weniger fahren seit der Tunnelöffnung durch die Reutlinger Innenstadt. Die Grünen geben der Stadtverwaltung die Schuld und fordern jetzt rasch durchgreifende Maßnahmen. © Foto: Eissler
Reutlingen / Von Carola Eissler 15.02.2018

In einem Dilemma befindet sich die Fraktion der Grünen und Unabhängigen im Reutlinger Gemeinderat. Sie will und wird der vierten Fortschreibung des Luftreinhalteplans zustimmen, nicht aber der Stellungnahme der Verwaltung hierzu. Der Vorwurf der Grünen an die Stadtoberen, vor allem an Oberbürgermeisterin Barbara Bosch: Verzögerungstaktik bei der Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen zur Reduzierung des Autoverkehrs in der Stadt und bei der Umsetzung des Radverkehrswegeplans. „Bosch hat offensichtlich kein Interesse daran, den Masterplan Radverkehr umzusetzen“, so Gabriele Janz, Holger Bergmann und Susanne Müller bei einem Pressegespräch.

Geht es nach den Grünen, so könnten rasch zahlreiche Maßnahmen für eine Verringerung des Verkehrs in der Achalmstadt sorgen. Denn eigentlich, so Bergmann, hätte die Stadt ihre Hausaufgaben bereits zur Eröffnung des Scheibengipfeltunnels machen sollen. Den nutzen derzeit täglich rund 17 000 Autofahrer. Zu wenig, sei der Tunnel doch für bis zu 20 000 Autos pro Tag ausgelegt. Und in der Reutlinger Innenstadt werden gerade einmal 3500 Fahrzeuge weniger im Durchgangsverkehr gezählt als vor der Tunnelöffnung.

Keine Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung

Nach Ansicht der Grünen liegt dies vor allem daran, dass in der Reutlinger Innenstadt bislang keinerlei Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung durchgesetzt wurden. Ob Änderung der Ampelsteuerung auf der gesamten B 312, Tempo 40 auf den Durchgangsstraßen, beidseitige Busspuren in der oberen Karlstraße: Dies alles hätte man schon längst realisieren können, sagen Bergmann, Janz und Müller. Ihr Fazit: „Der Stadtverwaltung fehlt der Mut, den Achalmtunnel wirklich zu nutzen.“ Die Chance werde vertan. „Völlig unabhängig vom Luftreinhalteplan wurde uns seit Jahren versprochen, dass mit dem Tunnel die Innenstadt entlastet wird. Wo ist die Verkehrsberuhigung in der Oststadt. Was hat Frau Bosch dort in den letzten zehn Jahren getan?“, heißt es in der Stellungnahme der Grünen.

Auch mit der Verbesserung der Radwege sind die Grünen alles andere als zufrieden. Zwar stehen Mittel in Höhe von einer Million im laufenden Haushalt zur Verfügung, „aber es wurde bislang nichts realisiert“. Jetzt beklage die Stadt, dass kein Personal vorhanden sei, um alle Forderungen zu stemmen. Susanne Müller hält dagegen: „Warum sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Mitarbeiter der Verkehrsplanungsabteilung wieder gegangen? Warum laufen die Leute weg?“ Und gibt selbst die Antwort: „Weil sie nur für die Schublade gearbeitet haben.“ Für den Masterplan Radverkehr stehen zwar zehn Millionen Euro zur Verfügung, aber laut der Grünen geht es auch billiger. Beispiel: Die Öffnung der Metzgerstraße für den Radverkehr. Die hohen Beträge, die für Umbauten genannt werden, seien nur dazu da, „um die Realisierung zu verhindern“, sagt Müller. Völlig unverständlich sei, dass sich die Stadt bis 2030 Zeit lassen wolle, um den Masterplan Radverkehr umzusetzen. „Ein großer Teil der Maßnahmen kann bereits 2018 umgesetzt werden.“

Umdenken gefordert

Ein grundsätzliches Umdenken fordern die Grünen jetzt von der Stadtverwaltung. „Wir wollen in eine andere Verkehrszukunft.“ Anfang März wird der Gemeinderat über die Stellungnahme der Stadt zur vierten Fortschreibung des Luftreinhalteplans abstimmen.