Reutlingen "Der fährt ja sogar die Treppen hinauf"

Der Elektro-Rolli "beactive+e" im Test mit (von links): Peter und Birgit Herrmann, Michael Donth sowie Siegfried Herrmann und Tochter Barbara Hipp.
Der Elektro-Rolli "beactive+e" im Test mit (von links): Peter und Birgit Herrmann, Michael Donth sowie Siegfried Herrmann und Tochter Barbara Hipp. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 05.09.2014
"Seid aktiv - mit der elektronischen Mobilitätshilfe": So könnte man den Namen des neuen Rollators "beactive+e" in etwa übersetzen. Gestern fuhr ihn CDU-MdB Michael Donth beim Hersteller zur Probe.

Die Weltneuheit des schwäbischen Familienunternehmens Bemotec GmbH (Sonnenbühl/Reutlingen) ist jetzt serienreif, wird demnächst an zahlreiche Reha-Einrichtungen und Senioren-heime ausgeliefert. Auch läuft eine Forschungs-Kooperation mit der Uni Tübingen. Im Juli erhielt die Erfindung von Geschäftsführer Siegfried Herrmann den "Innovationspreis Baden-Württemberg".

Die Mechanik wurde weiter verfeinert, dann ging es in die für Medizin- oder Gesundheitsprodukte dieser Art äußerst strengen Zulassungsverfahren - alles bestanden. Da kann ja nichts mehr schief gehen, dachten sich Siegfried Herrmann und sein Sohn, Mitgeschäftsführer Peter Herrmann. Und so durfte gestern der Reutlinger CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Donth den beactive+e eingehend prüfen.

Donth, wahrlich kein Leichtgewicht, musste nur ganz sachte anschieben, schon zog der "Mercedes unter den Rollis" los. Aber keine Angst: Die Bremshebel sind ergonomisch ausgerichtet und erhöhen die Sicherheit ebenso wie die intelligente Brems-Automatik samt Kippsensorik.

Die automatische Handerkennung sorgt für Start und Stopp des Antriebs ohne jeglichen Kraftaufwand. Das einfache Handling hatte Donth schnell intus - und legte ganz absichtlich einen "Hochstart" hin. Das tut der E-Rollator bei Bedarf auch, aber ganz sanft und per Handgriff dann, wenn es gilt, Bordsteine zu überwinden.

"Der fährt ja sogar die Treppen hinauf", so der sichtlich vergnügte Donth, der sogleich auch den Belastungstest machte und sich draufsetzte. Dann fährt das Mobile natürlich keinen Zentimeter mehr. "Niemals wird eine Oma vom beactive+e hinterhergezogen", versichert Peter Herrmann; nur eine Hand losgelassen - der Rolli steht.

Das Auge rollt mit, das wissen die Leute von Bemotec mit ihren 35 Beschäftigten sehr wohl. Die Herrmanns trafen auf Frank Schuster, dessen Tricon Design AG in Kirchentellinsfurt auch die neuen "Must"-Lokomotiven von Siemens in den USA gestylt hat. Mehrere Farben sind beim beactive+e nun im Angebot, auf Wunsch gibts für das elf Kilogramm schwere Mobile auch Lederapplikationen.

Siegfried Herrmann und seine Familie, auch Ehefrau Birgit Herrmann (Geschäftsführung) und Tochter Barbara arbeiten mit am Projekt, ernteten bei der Produktvorstellung 2013 auf der Leitmesse "Rehatec" in Düsseldorf jede Menge Lob - und Anregungen. So gibts jetzt auch Winterreifen für den Rolli, LED-Leuchten und sogar einen Smartphone-kompatiblen GPS-Tracker. Neun Stunden hält die Mobilitätshilfe durch, bevor sie an die Haus-Steckdose muss.

Und wie siehts auf dem Markt aus? Das wollte der CDU-Politiker Donth gestern auch wissen. 500 Exemplare seien bereits geordert, verriet Peter Herrmann. Drei Bemotec-Vertretungen gebe es mittlerweile in Italien, in Österreich und in der Schweiz. Gerade dort sei der Zuspruch in den Domizilen für solvente Senioren sehr hoch. Rund 3500 Euro soll der Rollator zur Markteinführung kosten.

"Dafür produzieren wir nur in Europa", versichert Siegfried Herrmann, die Endfertigung ist in Reutlingen. Was der Bundestagsabgeordnete Donth mit einem wohlwollenden Kopfnicken quittierte.

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