Die Stadt Reutlingen ist mit zunächst 14 geförderten Projekten in Höhe von rund 26.000 Euro als eine von 300 Städten bundesweit in das Bundesprogramm „Demokratie leben“ gestartet. In einer zweiten Förderrunde sollen weitere Projekte berücksichtigt werden. Konkret geht es darum, Projekte „gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ zu initiieren, wie es in der Beschreibung zum Bundesprogramm heißt. Insgesamt stehen Reutlingen 40.000 Euro sowie zusätzlich 5000 Euro im Jugendfonds zur Verfügung. Als förderwürdig eingestuft wurde zum Beispiel eine Rap-Werkstatt, das Projekt „Empowerment für Musliminnen“, vier Projekte für die Gruppierung „Rosa“, Fußball für muslimische Jugendliche.

Mit der Landtagspräsidentin Muhterem Aras konnten Oberbürgermeister Thomas Keck und der Stadtjugendring als  Koordinator einen prominenten Gast zum Auftakt  und zur Demokratiekonferenz gestern Abend im Theater Tonne begrüßen. Demokratie finde nicht nur alle vier, fünf oder acht Jahre statt, sagte Keck in seinem Grußwort. Mit der „Partnerschaft für Demokratie“ wolle man in Reutlingen vielmehr eine Debatte um Vielfalt, Gleichberechtigung und gewaltfreies Miteinander anstoßen. Die Stadtgesellschaft werde immer vielfältiger. Solche Veränderungen sorgten aber auch für Unsicherheit und Abwehrreaktionen. Dass „rechtspopulistische Einstellungen zunehmend in der Mitte der Gesellschaft ankommen“, so Keck, zeige den Bedarf an eben solchen Projekten, die jetzt gefördert werden. „Dies wollen wir verstärken.“ Und man wolle das Bewusstsein dafür schaffen, dass der soziale Frieden vom Engagement aller geprägt sei. „Demokratie lebt vom Mitmachen.“

Muhterem Aras nahm in ihrer Rede den Streit um die Äußerungen des Tübinger OB Palmer zur Bahn-Werbung als beispielhaft dafür, dass eine solche Aufregung, ein solcher Streit auch Positives bewirken könne, nämlich die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration und mit der Veränderung der Gesellschaft. Der Streit heute um die richtige Form und Dosis von Vielfalt sei doch gerade Ausdruck davon, dass Mehrheit und Minderheiten sich viel näher gekommen seien, betonte Aras.

In den vergangenen drei Jahrzehnten habe sich enorm viel getan. Und wenn das „Wir“ neu definiert werde, dann betreffe das alle. Die Frage, was eine Gesellschaft zusammenhalte, die vielfältiger geworden sei, müsse man sich stellen. „Zusammenwachsen funktioniert nicht ohne Wachstumsschmerzen.“ Der Streit über eine offene Gesellschaft sei auch ein Mittel „gegen Populisten und Extremisten“.

Die Ideenwerkstatt und die Projekte seien eine Sache, sagte Aras. „Aber machen Sie auch den nächsten Schritt.“ Nämlich die Fäden an diejenigen weiterzugeben, die von diesen Handlungsfeldern betroffen sind. Mehr Vielfalt mache die Gesellschaft zwar nicht harmonischer, aber gerechter.

Die Fachstelle und Koordinierung der „Partnerschaft für Demokratie“ liegt in der Hand des Stadtjugendrings. Dessen Vorsitzende Cathy Hammer sagte, Jugendarbeit sei die Werkstatt der Demokratie. Seit Jahren versuche man bereits, sich besser aufzustellen. Diese Chance sei nun gegeben. „Wir wünschen uns, dass wir Jugendliche ansprechen können, die keinen klassischen Zugang zu Jugendgruppen haben.“

Bundesprogramm „Demokratie leben“


Seit Beginn des Jahres gehört die Stadt Reutlingen zu den über 300 Städten und Kommunen, die das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ in einer lokalen „Partnerschaft für Demokratie“ umsetzen. Gefördert werden Projekte, die ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander in Reutlingen zum Ziel haben.

Am Samstag, 25. Mai, 14.30 Uhr, gibt es im Matthäus-Alber-Haus, Lederstraße 82, eine Ideenwerkstatt. Gefördert werden Projekte aus den Bereichen Inklusion, Integration, Demokratiebildung, Vielfalt, interkultureller oder interreligiöser Dialog.