Für die meisten Reutlinger sind es schlichtweg drei Tage, an denen ordentlich gefeiert und getanzt wird. Für ein paar wenige aber ist das KuRT-Festival Jahr für Jahr wieder ein Beweis: Für das, was man ehrenamtlich und mit viel Engagement auf die Beine stellen kann. Und dafür, dass man auch in jungen Jahren viel Verantwortung übernehmen kann.

Janina Wiegand (26) erinnert sich noch genau an das Festival 2010, das war gerade die vierte Auflage: „Eine Freundin war damals als Helfer dabei – und dann wollte ich auch mitmachen.“ Gesagt, getan: 2011 folgte der erste Einsatz als Helfer, ein Jahr später dann der Wechsel ins engere Organisations-Team. Das Engagement der großen Schwester lies auch den jüngeren Bruder Marc (24) nachfolgen. Dieselbe Geschichte erzählen die Brüder Jashanica: Talat (20), der ältere, fing an sich zu engagieren, dann wollte auch Ardit (18), der jüngere, mitmachen. Über Geschwister oder Freunde, so kommen die meisten Helfer zum KuRT.

Rund 20 Personen haben das bald startende Festival in diesem Jahr auf die Beine gestellt, weitere 100 bis 150 Helfer werden die drei Festivaltage über im Einsatz sein. „Aber es kommt immer weniger Nachwuchs ins Orga-Team nach“, sagt Janina. Auch die Suche nach freiwilligen Helfern werde schwerer, ergänzt ihr Bruder Marc: „Früher haben wir noch aktiv Werbung an den Schulen gemacht und sind in die Klassen gegangen.“ Dann, zu den Hochzeiten von Facebook, habe man viele Helfer über Social Media akquiriert. „Aber das zieht jetzt auch nicht mehr so“, sagt Marc. Und dabei sind die freiwilligen Helfer essentiell für ein Festival, das rein ehrenamtlich läuft und an dem kein Organisator etwas verdient.

Eine 40-Stunden-Woche für die Organisatoren

Schreckt der große Zeitaufwand ab, den man im engeren Orga-Team aufbringen muss? Oder wollen sich die Jugendlichen von heute einfach nicht mehr so engagieren, wie noch vor einigen Jahren? „Das ist wie ein Vollzeitjob“, sagt Janina – und da lasse man vor lauter Organisation schon mal das Studium ein wenig schleifen. Dann beginnen wiederum die Eltern das durchaus lobenswerte Engagement des Nachwuchses zu kritisieren – um an den drei Festivaltagen selbst aber doch wieder stolz Verpflegung aufs Gelände zu bringen. Festivalzeit ist Ausnahmezeit, sagt Marc: Da werde daheim auch nicht gemeckert, wenn im Haushalt halt mal ein paar Tage alles liegen bleibt.

Besonders die Frühsommerwochen seien eigentlich komplett von der Organisation bestimmt, erzählt Talat. Eine 40-Stunden-Woche sozusagen. Der Umzug auf die Bösmannsäcker in diesem Jahr hat die Truppe zusätzlich vor ganz neue Herausforderungen gestellt: Ein neuer Geländeplan musste her, ein neues Sicherheitskonzept, die Infrastruktur der ganzen Veranstaltung musste neu geplant werden.

Talat ist in diesem Jahr der Veranstaltungsleiter. „Es vergeht kein Tag mehr, an dem ich nicht angerufen werde“, erzählt er. Ob Sponsoren, Stadt oder Mitorganisatoren: Bei dem 20-Jährigen laufen alle Fäden zusammen.

Er ist auch für die Finanzen zuständig – ein besonders heikles Thema beim KuRT. Der Verein ist gemeinnützig, darf also mit den Veranstaltungen keinen Profit erwirtschaften. Das wollen die jungen Mitglieder auch gar nicht: Wenn sie von ihrem Engagement erzählen, klingt es vielmehr, als würden sie ihrer Heimatstadt Reutlingen – die ja bekanntlich nicht mehr mit einem blühenden Nachtleben gesegnet ist – zumindest ein bisschen Party zurückgeben wollen.

Eigentlich hatte der Verein ein kleines Finanzpolster, falls das Festival mal ins Wasser fällt. Dann fielen die Zuschauerzahlen im vergangenen Jahr tatsächlich dem Regen zum Opfer – und das Polster war weg. Klar, die Finanzen gehen einem oft durch den Kopf, sagt Talat, der auch im vierköpfigen Vorstand des Vereins ist.

Bis zu 8000 Besucher werden in diesem Jahr erwartet, wenn das Wetter mitmacht

Am meisten aber treibt die jungen Festival-Macher die Verantwortung für die Besucher um: Bis zu 8000 sollen es in diesem Jahr werden, wenn das Wetter mitmacht. Schon 2016, da war das Festival noch kleiner, kamen deutlich mehr Menschen als erwartet. Ein paar von ihnen wollten nicht mehr auf den Einlass warten und stürmten rabiat die Absperrzäune – auf der anderen Seite versuchten die Organisatoren den Ansturm abzuhalten. Janina erinnert sich: „Wenn du dann beschimpft und bedroht wirst, fragst du dich schon: Wofür mach’ ich das eigentlich?

Die KuRT-Auflage von 2017 hat sich dann besonders ihrem Bruder ins Gedächtnis eingebrannt: Es kam zu einer Messerstecherei auf dem Gelände, er hatte damals die Veranstaltungsleitung. An den Funkspruch, dass man eine Person mit Messer gefasst habe, erinnert er sich noch genau. Als Folge des Vorfalls wurden die Sicherheitskräfte aufgestockt.

Vorfälle wie diese bleiben in Erinnerung – aber vielmehr überwiegen die guten Erlebnisse, sagen die vier Organisatoren. Stolz sind sie beispielsweise darauf, dass einige Musiker noch in dem Jahr, in dem sie auf dem KuRT aufgetreten sind, auch den Durchbruch geschafft haben oder erfolgreiche Alben und Hits veröffentlicht haben: Der Rapper Raf Camora beispielsweise, oder MC Fitti, Chakuza, Laing und SDP.

„Wenn der Soundcheck startet und wenn man die ersten Töne hört, dann kriegt man echt Gänsehaut“, sagt Marc. „Dann sieht man, was man auf die Beine gestellt hat.“ Er hilft mittlerweile bei der Organisation des Ract-Festivals in Tübingen mit, aus dem Leitungsteam des Reutlinger Festivals hat er sich ein wenig zurückgezogen. Mit den Festival-Machern aus der Nachbarstadt pflegt die KuRT-Macher sowieso eine enge Kooperation, man unterstützt sich mit Know-how und hilft sich mit gegenseitigen Thekenschichten aus.

Es gab Diskussionen über den neu eingeführten Preis

Nur als die Reutlinger beschlossen, dass ihre Veranstaltung in diesem Jahr zum ersten Mal nicht mehr umsonst sein soll, gab es mit den Ract-Nachbarn wie auch intern große Diskussionen. „Das war keine leichte Entscheidung“, sagt Janina. Im Hinblick auf die Finanzen erhoffe man sich dadurch aber mehr Sicherheit – und drei beziehungsweise fünf Euro sind immer noch deutlich weniger als das, was man für die Bands sonst zahlen würde. Ob die Rechnung aufgeht? Ob das Wetter mitmacht und ob tatsächlich 8000 Zuschauer kommen? Man wird sehen. Und dann hoffen die Vier inständig, dass sich die Personalsituation für das KuRT 2020 (im Helfer wie im Orga-Team) entspannt. „Denn wir sind personell echt am Limit, für die Größe der Veranstaltung“, sagt Janina.

Info Über die Homepage des KuRT-Vereins kann man sich auch jetzt noch als Helfer melden. Helfer bekommen für eine Schicht den Eintritt für einen Tag, ein Helfer-Shirt und drei Getränke. Wer mal bei einem Treffen des Orga-Teams dabei sein will, kann sich über Facebook, Instagram oder per E-Mail melden.

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Reutlingen

Wer beim KuRT-Festival auftritt – und wie man Karten gewinnen kann


Das KuRT-Festival findet in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Festplatz Bösmannsäcker statt. Es beginnt am Donnerstag, 4. Juli, um 20 Uhr, mit einem Poetry-Slam. Von 20 bis 22 Uhr werden Helfer der DKMS auf dem Festplatz sein und über Knochenmarkspende informieren. Man kann sich auch gleich vor Ort für die Spenderdatei registrieren lassen. Der Eintritt am Donnerstag ist weiterhin kostenlos.

Nicht mehr kostenlos sind dagegen die Festivaltage Freitag und Samstag: Ein Tag kostet drei Euro, zwei Tage kosten fünf Euro. Die Bands und Musiker, die extra nach Reutlingen kommen, sind bunt gemischt, von Hip-Hop bis Metal: Es werden unter anderem MoTrip & Ali As, Callejon, Emil Bulls, Lary, Kmpfsprt, Tiavo, Sero, Brett und Darvane auftreten. Die Auftritte der Haupt-Acts auf der großen Bühne starten am Freitag wie am Samstag um kurz nach 16 Uhr.

Unsere Zeitung verlost vier Kombitickets für Freitag und Samstag jeweils im Wert von fünf Euro. Die Verlosung findet über unseren Instagram-Kanal „swp.de_neckaralb“ und die Facebookseite „Südwest Presse Neckar-Alb“ statt. Was man tun muss, um zu gewinnen? Fan unserer Seite werden, Fan der KuRT-Seite werden und unter dem Bild der Verlosung einen Freund markieren. Die Teilnahmebedingungen stehen auf www.swp.de/reutlingen, das Vorgehen ist auf den jeweiligen Seiten nochmal erklärt.

Einen Blick hinter die Kulissen des Festivals gibt es ebenfalls auf unserem Instagram-Kanal über die Story-Funktion: Wir besuchen die KuRT-Organisatoren am Montag, 1. Juli, beim Aufbau, und am Freitag, 5. Juli, am zweiten Festivaltag.  kam