Pfullingen „Das ist nur der erste Schritt“

Zwischen dem Gewerbegebiet Sandwiesen und der Wohnbebauung im Bereich Entensee soll ein Sozialbau für 100 Menschen entstehen.
Zwischen dem Gewerbegebiet Sandwiesen und der Wohnbebauung im Bereich Entensee soll ein Sozialbau für 100 Menschen entstehen. © Foto: Evelyn Rupprecht
Von Evelyn Rupprecht 14.06.2018

Einstimmig hat der Gemeinderat am Dienstag in seiner Sitzung den Baubeschluss für das Mehrfamilienhaus im Bereich Entensee gefasst. Baubeginn für das 3,83 Millionen Euro teure Gebäude, das 100 Menschen Platz bieten soll, wird im November, Bezug im Juni 2019 sein. In den drei dreigeschossigen Baukörpern, die U-förmig angeordnet sind, werden 25 Wohnungen entstehen, die je zur Hälfte für Geflüchtete und Obdachlose gedacht sind (wir berichteten). Mit zehn Quadratmetern Wohnfläche pro Person rechnet die Stadt. Die einzelnen Einheiten werden zwischen 22 und 67 Quadratmeter groß sein, sodass auch ganze Familien hier unterkommen können. Bis zuletzt hatten die Anlieger des Bereichs Entensee allerdings gegen die Dimension des Hauses protestiert. Noch in dieser Woche hatten sie dem Bürgermeister mehrere Briefe geschrieben, in denen sie forderten, das Gebäude, das in Holz-Tafelbauweise entstehen soll, auf zwei Geschosse zu begrenzen. Auch eine Petition mit 138 Unterzeichnern ist dazu bei der Stadt eingegangen. Genutzt hat das nichts. Allerdings gab es in der Sondersitzung, zu der gut 30 Entensee-Anwohner gekommen waren, eine regelrechte Informations-Offensive der Stadt.

Eine Stunde lang waren Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf, Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle und Architekt Peter Kautt auf alle nur erdenklichen Belange eingegangen. Und auch die Bedenken und Einwände, die die Anlieger unter anderem bei zwei Info-Abenden und bei einem Gespräch mit dem Bürgermeister geäußert hatten, wurden abgearbeitet. So wird die Erschließung des Geländes nicht, wie geplant, über das Gewerbegebiet Sandwiesen kommen, sondern entlang des Bauhofs von der Großen Heerstraße her. Selbst Anregungen der Anlieger wegen des Hochwasserschutzes wurden berücksichtigt. So wird das Gebäude auf einer Betonbodenplatte leicht erhöht stehen und die Verdrängung von 37 Kubikmetern, die das Haus mit sich bringt, wird über tiefergelegte Parkflächen wieder ausgeglichen.

Allesamt betonten die Stadträte in der anschließenden Diskussion, wie sehr die Stadt unter Zugzwang steht, wenn es darum geht, Flüchtlinge unterzubringen und bezahlbaren Wohnraum und Unterkünfte für Obdachlose zu schaffen. „Und Obdachlose, das sind vielfach Nachbarn wie Du und Ich“, wandte sich Martin Fink (UWV) an die Entensee-Anlieger. Der Stadtrat hat „Verständnis für die Ängste und Sorgen der Bürger“ – und führte deshalb auch zwei größere Unterkünfte an, gegen die es in der Vergangenheit Bedenken gab, „bei denen es aber bis heute gut geht“. Gegen die Unterbringung von ehemals Suchtkranken im Jakob-Albrecht-Haus hatte es viele Vorbehalte gegeben. „Inzwischen ist hier eine gute Nachbarschaft entstanden“, so Fink, der betonte, dass sich auch der Sozialbau in der Achalmstaße in dieser Form bewährt habe.

Die Achalmstraße sprach auch Uwe Wohlfahrt (FWV) an: „Ich bin dort einer der betroffenen Anlieger. Ich bin bis heute nicht von dem Bau begeistert. Aber es funktioniert.“ Momentan gebe es leider keinen besseren Standort für ein derartiges Mehrfamilienhaus, versicherte Wohlfahrt den Entensee-Anliegern. Und auch Sigrid Godbillon (GAL) und Gert Klaiber (CDU) erklärten noch einmal, dass die Stadt in der Pflicht sei bei der Unterbringung von Geflüchteten. „Wir stehen hier unter Druck. Und wir sind froh, dass wir zwei qualitativ hochwertige Unterbringungsmöglichkeiten haben“, so Klaiber auch mit Blick auf die Achalmstraße. Carolin Abele (CDU) bemängelte, dass die Bevölkerung nicht auf die Aufrufe der Stadt, leerstehenden Wohnraum anzubieten, eingegangen sei. „Da kam erstaunlich wenig“, monierte sie.

Wolfram Auch (FWV) mutmaßte, dass so mancher Pfullinger nach dem St.-Florians-Prinzip handle, wenn es darum gehe, wo Geflüchtete, Obdachlose und sozial Schwache untergebracht werden könnten. Thomas Mürdter (SPD) legte den Bürgern indes nahe, sich mal Bilder aus den Bestandsgebäuden der Stadt anzusehen. In vielen derzeitigen Unterkünften schaut’s nämlich gar nicht gut aus. Weil die alten Bauten eigentlich kaum noch bewohnbar sind, sollen die Menschen, die jetzt noch dort leben, umziehen.

Was die Sicherheitsbedenken so mancher Pfullinger angeht, betonte Bürgermeister Michael Schrenk, dass es in der Kriminalstatistik zwar eine leichte Tendenz nach oben gebe, Schwerpunkte existierten aber keine in der Stadt. Freilich sei es legitim, dass in Bezug auf den Standort Diskussionen aufkämen. „Aber wir haben uns alles reiflich überlegt“, so Schrenk. Zumal das Mehrfamilienhaus am Entensee nur der erste Schritt sei. „Der Anfang ist gemacht, aber wir müssen uns über noch ganz andere Standorte unterhalten“, schaute der Bürgermeister voraus und sprach damit die Defizite im sozialen Wohnungsbau und bei der Flüchtlingsunterbringung an.

„Wir konnten unseren Verpflichtungen gegenüber dem Landkreis aus dem Jahr 2017 noch nicht nachkommen“, erklärte er. 75 Geflüchtete hat der Kreis den Pfullingern fürs laufende Jahr angekündigt. Und der Kreis, so war Klaibers und Schrenks Äußerungen zu entnehmen, wird langsam ungeduldig.

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