Reutlingen / Ralf Ott

Unter dem Motto „Lernen von den Besten“ war der Extremsportler Joey Kelly kürzlich Gast des SSV Reutlingen. In der gemeinsamen Veranstaltung mit der Deutschen Vermögensberatung nahm der 43-Jährige die rund 350 Zuhörer bei der Firma Busreisen Hahn mit in eine Welt sportlicher Herausforderungen, die für das Gros sicherlich unerreichbar bleiben wird. Kelly gab Einblicke in seine in jeglicher Hinsicht ungewöhnliche Lebensgeschichte, schließlich lebte er als Teil der Kelly-Family 18 Jahre lang sozusagen auf der Straße beziehungsweise in einem Hausboot. „Wir haben immer an den Erfolg geglaubt“, berichtete Kelly in seinem Vortrag mit dem Titel „No Limits“.

Doch bis zu ihrem endgültigen musikalischen Durchbruch, der 1994 mit dem Album „Over the Hump“ gelang, lebte die damals neunköpfige Kelly-Family von den Einnahmen der Zuhörer ihrer Konzerte auf öffentlichen Plätzen und in Parks. „Der Hut lügt nicht“, zog Kelly daraus als Erkenntnis – schließlich landeten darin in den letzten drei Jahren vor dem Durchbruch an „schlechten Tagen“ immer noch bis zu 5000 Mark und wenn es gut lief auch mal das Zehnfache. 1994 dann holte „Over the Hump“ viermal Platin und der Titelsong „An Angel“ hielt sich ein Jahr lang in den deutschen Charts.

Joey Kelly stand in der Familienband nicht nur auf der Bühne, sondern managte das Unternehmen auch zehn Jahre lang als Geschäftsführer. Mehr als 20 Millionen Tonträger wurden verkauft – der Sport bot für Kelly eine Möglichkeit, sich selbst neu kennen zu lernen und einen Ausgleich für die berufliche Belastung. „Ausdauer und Ziele zu haben sind das Fundament für Erfolg“, betonte Kelly. 1997 nahm er erfolgreich in Roth an seinem ersten Ironman teil mit einer Schwimmstrecke von 3,8 Kilometer, gefolgt von 180 Kilometern auf dem Rad sowie einem Marathonlauf. Offenbar war Kelly das nicht genug, denn im darauffolgenden Jahr absolvierte er gleich acht Ironman und stellte damit einen bis heute gültigen Rekord auf. Erstmals nahm er in jenem Jahr auch am dreitägigen Ultraman Hawaii teil (zehn Kilometer Schwimmen, 421 Kilometer Rad und zwei Marathonläufe). In den nächsten Jahren folgten sportlich Höchstleistungen in nahezu unglaublicher Anzahl, wie zum Beispiel ein 240-Kilometer-Lauf in der Sahara, der Mount-Everest-Ultramarathon, die mehrfache Teilnahme am „Race Across America“ (4800 Kilometer im Viererteam), ein Jungle Marathon (220 Kilometer) im brasilianischen Urwald, 250 Kilometer Marathon durch die Wüste Gobi oder der „Wettlauf zum Südpol“, bei dem Kelly zusammen mit ZDF-Moderator Markus Lanz sowie Dennis Lehnert und Claudia Beitsch gegen ein Team aus Österreich antrat. Sein Credo: „Das ganze Leben ist ein Marathon und es lohnt sich, zu kämpfen“. Dazu gehöre auch, Niederlagen zu verkraften. Kelly: „Es ist wichtig, ein Mal mehr aufzustehen, als hinzufallen“. Bei vielen sportlichen Herausforderungen stand für ihn auch der gute Zweck im Fokus. Mehr als 2,3 Millionen Euro an Spenden hat Kelly bislang für verschiedene Projekte gesammelt. Und wenn es nach SSV-Finanzchef und Vorstand Jörg Wahlert geht, der den Abend moderierte, könnte eine Benefizaktion in Reutlingen mit Joey Kelly in Gestalt eines 24-Stunden-Laufes hinzukommen. Kelly jedenfalls fand die Idee gut und stellte seine Teilnahme in Aussicht.