Sondelfingen / JÜRGEN HERDIN Stehend und tief bewegt sangen sie ihr "Siebenbürgenlied". Danach folgte eine Rückschau über das bisher Gewesene. Der Verband der Siebenbürger Sachsen feierte am Wochenende sein 60-jähriges Bestehen.

Transsilvanien, in der Mitte Rumäniens gelegen, genauer: im südlichen Karpatenraum, ist die angestammte Heimat der Siebenbürgen. Ihr Siedlungsgebiet gehörte nie zu Deutschland, sondern lange Zeit zu Ungarn und zur Habsburg-Monarchie. Rund 300 000 Siebenbürger Sachsen lebten dort bis in die 1930-er Jahre. Ihr großer Exodus begann nach dem Zweiten Weltkrieg - nach zahlreichen Repressalien und Enteignungen durch das kommunistische Rumänien.

Und die Banater Schwaben sind eine deutsche Bevölkerungsgruppe im Banat. Sie werden mit anderen deutschsprachigen Minderheiten aus dieser Region Südosteuropas unter dem Sammelbegriff Donauschwaben zusammengefasst. Für sie und die 200 Festgäste sprach am Samstag unter anderem auch Theresia Christine Neu, die Vorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Nach einem Tanz draußen und dem Aufmarsch der Trachtenträger in der Festhalle gab es von Neu Grundsätzliches zur heutigen Positionierung: "Wir bewahren weiter die Traditionen und die kulturellen Werte in unserer nun neuen Heimat. Als Werte- und Schicksalsgemeinschaft sind wir weltoffen - und befinden uns als Landsmannschaft in einem offenen, produktiven Prozess. Und alle sind eingeladen, hierbei mitzuwirken."

Seit Neuestem hat die Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Reutlingen auch eine Trachtengruppe. Ebenfalls aufgetreten zum Jubiläum sind der Chor der Kreisgruppe der Siebenbürger Schwaben sowie die Tanzgruppen aus Metzingen und aus Reutlingen.

Der Gastgeber der Feiernden, Sondelfingens Bezirksbürgermeister Werner Schenk, würdigte den Beitrag der Siebenürger Sachsen zum gesellschaftlichen Leben. Im Übrigen sei er als eher etwas Außenstehender "gut vorbereitet worden" auf das Treffen. So konnte ihm bedeutet werden, dass das Zentrum der Siebenbürger, Hermannstadt, kein Dorf ist, sondern über 150 000 Einwohner zählt. Bis zur Rumänischen Revolution 1989 lebten, trotz massiver Repressionen zuvor, immer noch 20 000 Siebenbürger Sachsen im heutigen Sibiu. Heute sind es noch etwa 2000, Bei allem sind alle Ortsschilder und touristischen Informationsschilder in rumänisch und deutsch beschriftet. Auch behördlich wird die Stadt heute als Sibiu/Hermannstadt geführt. Es gibt deutsche Kindergärten, Grundschulen, mehrere Gymnasien mit Deutsch als ganz offizieller Unterrichtssprache.

Nach dem Grußwort von Edmund Thal, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Reutlingen-Metzingen-Tübingen, gab Ehrenvorsitzender Ernst Michael Herberth einen umfassenden Rückblick über die Geschichte der Siebenbürger. Mit gerade einmal einem Dutzend Aktiver tat man sich 1953 in der Region zusammen. Heute sind es - mit allen Familienmitgliedern - rund 750 organisierte Siebenbürger Sachsen.

Schließlich war es an Dr. Alfred Mrass, dem Vize-Bundesvorsitzenden der Vereinigung, "dem "sächsischen Gemeinschaftsleben trotz manchmal auftretender Widrigkeiten" einen guten Fortbestand zu wünschen. "Sie haben das siebenbürgisch-sächsische Brauchtum gleich einem Baum gehegt und gepflegt." Die eine oder andere "Aktivität sei zwar eingeschlafen", aber es sind andere dafür aufgekommen.

Bei allem Fortschritt, dem gegenüber man sich offen zeige, sei mit Blick auf die Traditionen doch zu sagen, "dass wir unsere Herkunft, unser Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeits-Gefühl nie vernachlässigen" und nicht vergessen.