Da sind am Dienstagabend in der Zehntscheuer einige Tränen geflossen. „Wir werden dich vermissen“, betonte Dagmar Krause als erste Stellvertreterin des Bezirksbürgermeisters. Zuvor hatte sie eine lange Liste an Projekten verlesen, die in den vergangenen fast 15 Jahren während der Amtszeit von Thomas Keck umgesetzt worden sind. Die Umgestaltung der Steinachstraße zählte dazu, der Neubau der Polizei, das Seniorenheim, Mensa und Ganztagesbetreuung der Hoffmannschule, die Betzinger 750-Jahresfeier und noch viel mehr. „Und immer wieder die Themen Verkehrsberuhigung und Hochwasser“, sagte Krause. „Die Liste deiner Verdienste ist lang.“

OB-Wahl Reultingen Thomas Keck ist neuer OB

Reutlingen

Das wollte Keck so aber nicht stehen lassen: „Die Erfolge in Betzingen sind nicht meine, sondern unsere – wir haben hier ein hohes Potenzial an Miteinander.“ Das beste Beispiel für die Zusammenarbeit vieler Betzinger sei die Zehntscheuer, in der diese außerordentliche und ungewöhnliche Bezirksgemeinderatssitzung am Dienstagabend durchgeführt wurde. „Irgendwas ist anders heute“, hatte Keck zu Beginn seiner letzten Sitzung als Bezirksbürgermeister noch gefrotzelt.

Eine besondere Ehre

Dabei war er zu dieser Sitzung persönlich von der Feuerwehr mit dem Drehleiterfahrzeug abgeholt worden. Eine besondere Ehre, wie Keck betonte. In der Zehntscheuer warteten dann bereits zahlreiche Honoratioren, die alle ihren „Schultes“ verabschieden wollten. „Ich bin ja nicht weg“, sagte Keck als Reutlingens neuer Oberbürgermeister abschließend. „Ich bin jetzt eben verantwortlich für ganz Reutlingen mit all seinen Stadtteilen.“

Seine Amtszeit als Betzinger Bezirksbürgermeister endete am Dienstag um 0 Uhr. Gleichzeitig begann auch seine neue Tätigkeit als OB: „Ich werde morgen früh um 8 Uhr im Reutlinger Rathaus auf der Matte stehen und meinen Dienst antreten.“ Damit er dort „gleich mal richtig ausmisten kann“ überreichte ihm Hagen Kluck augenzwinkernd als Ratsmitglied sowohl in Betzingen wie auch in Reutlingen eine Mistgabel. Bäcker Markus Bosch hatte eine extrem kalorienhaltig aussehende Torte geschenkt, vom Bezirksgemeinderat erhielt Keck eine Zeichnung des Betzinger Rathauses und eine Auswahl an verschiedenen Weinsorten.

Blick zurück geworfen

Zuvor hatte Thomas Keck jedoch noch einen Blick zurück geworfen: Seit fast 30 Jahren war er im Betzinger Bezirksgemeinderat. Fast 15 Jahre hatte er den Posten des Schultes inne. „In dieser Zeit gab es nur wenige Momente der Misstöne oder Zerwürfnisse – egal, in welcher Zusammensetzung, wir hatten stets ein gutes Gremium, bei dem immer die Sache im Vordergrund stand“, so Keck. Es sei schon was Besonderes, dass in einer Gemeinde mit mehr als 10 000 Einwohnern „das Wir-Gefühl“ noch so eine große Rolle spiele. Seinen Dank richtete er auch an die Bezirksamtsleiterinnen, von denen er drei erlebt hat. „Ich habe bei allen Leiterinnen immer eine hohe Loyalität und konstruktive Zusammenarbeit erlebt“, so Keck.

Im Übrigen hätten die Betzinger schon seit vielen Jahren gewusst, was auf Kecks Plakaten vor der OB-Wahl geschrieben stand: „Keck kann’s – das wussten wir schon lange“, hatte Dagmar Krause betont, die sich zusammen mit Friedemann Rupp bis zur Kommunalwahl Ende Mai das Amt des Bezirksbürgermeisters teilen wird. Nachrücker für Keck im Betzinger Gremium ist Herbert Binsch. „Aber ich bin ja nicht ganz weg“, versprach der neue Oberbürgermeister aller Reutlingen abschließend.

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