Reutlingen "3 Musketiere" fliegen zum Hilfseinsatz in die Türkei

© Foto: Privat
Reutlingen / RALF OTT 17.05.2016
Das Trio "3 Musketiere" wird am 8. Juli in die Türkei reisen, um dort in Lagern Flüchtlingen zu helfen. Sie kooperieren mit der "Balkan Route Stuttgart".

Im Unterschied zu vielen Reutlingern, die sich hier für Flüchtlinge engagieren, haben sich Betül Tomak, Cornelia Schwarz und Markus Brandstetter dazu entschieden, neben ihrer Unterstützung für Flüchtlinge vor Ort noch einen anderen Weg zu erproben: Sie werden im Juli zwei Wochen lang in die Türkei reisen, um dort in verschiedenen Lagern direkt den Menschen zu helfen. Dabei kooperieren sie mit der Organisation „Balkan Route Stuttgart“, die mit diesem Verfahren bereits gute Erfahrungen gesammelt haben. In einem ersten Anlauf hatten sich die Macher von der „Balkan Route“ mit einem Sprinter auf den Weg gemacht, um Spielsachen und Sachspenden direkt zu den Flüchtlingen zu transportieren. „Der logistische Aufwand ist allerdings ziemlich hoch“, gibt Markus Brandstetter zu bedenken, denn es gilt, Spenden zu sammeln, zu sortieren, zu lagern und schließlich zu transportieren. Auf der langen Fahrt musste viele Hindernisse an den Grenzen überwunden werden. So haben sich er und seine beiden Mitstreiterinnen dafür entschieden, in die Türkei zu fliegen und dort direkt an Hilfseinsätzen teilzunehmen. Federführend ist in Çesme, das 80 Kilometer westlich von Izmir liegt, die „Imece Inisiyatifi Çesme“ – gegründet von Ali Güray Yalvaçli. Er kümmert sich seit neun Monaten nahezu rund um die Uhr um Flüchtlinge. Viele wurden von Griechenland zurückgeschickt und kommen in der Hafenstadt mit Schiffen an, beziehungsweise leben in einem der vielen Lager in der Region. „Rund 80 Prozent der 2,7 Millionen Flüchtlinge in der Türkei halten sich in Wilden Camps auf“, erzählt Tomak, „die meisten Leute wollen nicht in die organisierten Lager, weil sie Angst davor haben, nach Syrien zurück zu müssen“.

Die Notunterkünfte werden aus Holzlatten und Plastikplanen zusammengezimmert und für die Menschen gibt es keine geregelte Versorgung. Hier setzt das Hilfskonzept von Yalvaçli an. Er fährt in einem Umkreis von 200 bis 300 Kilometer von Çesme und Izmir in die einzelnen Lager und stellt mit Unterstützung von jeweils verantwortlichen Ansprechpartnern eine Liste mit den dringendsten Bedarfsgütern zusammen. Ein Team von jungen türkischen Studenten unterstützt ihn dabei. Dann werden zum Beispiel Reis, Babywindeln, Trinkwasser und dergleichen eingekauft und anschließend zu den Empfängern gebracht.

Allerdings sind in den Sommermonaten viele örtliche Helfer nicht einsetzbar. Folglich ist die Unterstützung aus anderen Ländern willkommen und unverzichtbar. „Wir fliegen auf eigene Kosten in die Türkei und mieten dort ein Fahrzeug für den Transport“, berichten Tomak und Brandstetter im Gespräch mit unserer Zeitung. Für den Einsatz setzen sie einen Teil ihres Jahresurlaubs ein.

Die Hilfsgüter selbst werden in der Region in Supermärkten eingekauft. Und genau dafür benötigen die „3 Musketiere“, die ihren Eintrag als gemeinnütziger Verein beantragt haben, jetzt Spenden, denn das eigene Budget ist durch den Flug und die Automiete zur Genüge strapaziert. Über die Organisation „Betterplace.org“ haben die Drei, die übrigens organisatorisch von Anna G. unterstützt werden, ein Spendenkonto eingerichtet. Jeder Euro, der dort eingeht, wird direkt für Einkäufe für die Flüchtlinge verwendet. „Wir bewahren alle Quittungen auf, die bei Interesse auch eingesehen werden können“, versichert Brandstetter.

Nach den Erfahrungen anderer Helferteams sind für die Einkäufe während des zweiwöchigen Aufenthalts etwa 2500 Euro erforderlich, um die notwendigen Dinge besorgen zu können. Die Motive der Helfer sind unterschiedlichster Natur, weiß Tomak. Doch eines ist klar, für politische Ideologie ist bei der täglichen Arbeit kein Platz. Man müsse robust sein, ergänzt Brandstetter, schließlich seien die Lebensbedingungen in den Lagern schlecht und die Flüchtlinge haben auf ihrem Weg Furchtbares erlebt. Der Wunsch, helfen zu können, steht für die „3 Musketiere“ im Vordergrund. Ihr Ziel ist es, den Menschen, die von der Weltöffentlichkeit vergessen wurden, ein wenig Hoffnung zu bringen. „Dann fühlen sich die Menschen vielleicht nicht so allein gelassen“, betont Tomak.

Info Wer den Hilfseinsatz der „Drei Musketiere“ aus Reutlingen mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies über die Organisation „Betterplace.org“ tun im Internet unter: „betterplace.org/p43306“. Weitere Informationen gibt es ebenfalls im Internet unter dem Suchbegriff „3 Musketiere Reutlingen“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel