Nach Fahneneinmarsch und Bannerübergabe wurde vor- und zurückgeschaut, gelobt, applaudiert und ein neuer Landesschützenkönig ausgerufen: Die Schützengilde Reutlingen richtete am Samstag zum dritten Mal den  Landesschützentag aus und feierte mit mehr als 1000 Gästen und Fahnenträgern in der Stadthalle ihren Festakt.

Was wünscht man einem Schützenverein, der stolz auf eine 727 Jahre lange Geschichte zurückblicken kann? Der sich trotz dreier längerer Zwangspausen wegen des Stadtbrands und einem Schützenunfall immer wieder aufgerappelt hat und der sich „ältester Schützenverein Baden-Württembergs“ nennen darf? Alles Gute natürlich und weiterhin „Gut Schuss“ für die nächsten Jahre.

Bei einer Gesprächsrunde gingen die vier Podiumsgäste vor allem auf die Auswirkungen der Spitzensportreform ein und wünschten sich weitere finanzielle Unterstützung vom Land, um auch in Zukunft sportlich erfolgreich zu sein. Schließlich holten die deutschen Schützen 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio drei Mal Gold und ein Mal Silber. Um diesen Erfolg zu wiederholen oder gar auszubauen, müssten der Nachwuchs mehr gefördert, neue Mitglieder gewonnen und der Schützen-Trainerberuf (auch finanziell) aufgewertet werden, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Der Schützensport müsse attraktiver gemacht werden, dagegen sei eine zusätzliche Verschärfung des Waffengesetzes nicht notwendig. 2500 Waffenbesitzer gibt es derzeit im Landkreis Reutlingen, und der Württembergische Schützenverband vertritt insgesamt mehr als 90 000 Mitglieder. Daran zeige sich, dass sich sportliches und ehrenamtliches Engagement bestens ergänzten und die Schützenvereine im Land „für die Zukunft gut aufgestellt sind“, sagte die Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange bei ihrer Ansprache.

Die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz ging in ihrem Grußwort auf die lange Tradition und Geschichte des Reutlinger Schützenvereins ein, der im 13. Jahrhundert, genauer gesagt im Jahr 1290 als Armbrustschützengesellschaft seinen Anfang nahm. Im 16. Jahrhundert gab es bereits zwei Schützenplätze. Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648), nach dem Reutlinger Stadtbrand 1726 und nach einem Schützenunfall beim 13. Landesschießen im Jahr 1891 ruhte die Tätigkeit der Reutlinger Schützengilde jeweils für mehrere Jahre. Erst 1922 wurde sie wieder gegründet und erhielt von der Stadt ein Grundstück in Erbpacht am jetzigen Standort im Wasenwald: „Die Reutlinger Schützen haben nie ihr Ziel aus den Augen verloren“, lobte Ulrike Hotz den derzeit rund 200 Mitglieder zählenden Schützenverein.

Einige Highlights erlebten die mehr als 1000 Gäste aus 103 Schützenvereinen beim Festakt, dessen Vorbereitung fast zwei Jahre gedauert hat. Dieser startete mit dem bunten Fahnen­einmarsch, der die Schützen von der Wilhelmstraße über den Marktplatz bis in die Stadthalle führte. Zahlreiche Böllerschüsse, die neben der Halle mit dumpfen Knallen abgegeben wurden, begleiteten den Einmarsch. In der Stadthalle gab dann die Stadtkapelle Reutlingen musikalisch den Ton an. Und nicht zuletzt wurden neben den Ansprachen verdiente und verstorbene Mitglieder geehrt und am Ende mit Michael Tölke aus Ohnastetten ein neuer Landesschützenkönig gekürt.

1000 Teilnehmer beim großen Umzug


Angeführt von der Stadtkapelle Reutlingen zogen beim 60. Landesschützentag am Samstag 118 Abordnungen von Schützenkreisen, Vereinen und Musikkapellen mit rund 1000 Teilnehmern durch die Reutlinger  Innenstadt - vom Friedrich-List-Gymnasium durch das Tübinger Tor zur Stadthalle. Dort wurde anschließend der Festakt begangen. Oberschützenmeister Wolfram A. Mewes von der Schützengilde Reutlingen zog ein überaus positives Fazit der Großveranstaltung: „Es war alles ganz toll.“ rab