Der junge Mann war irgendwann zwischen dem 6. und 12. September vergangenen Jahres in das berühmt-berüchtigte einstige Möbellager in der Carl-Zeiss-Straße eingestiegen – das zu diesem Zeitpunkt keine Flüchtlingsunterkunft mehr war. Aber sehr wohl noch mit dem Thema zu tun hat: Das Gebäude ist nämlich nach seiner Schließung als Quartier für Geflüchtete wiederum zum Lager geworden. Und zwar zu einem, von dem aus die alltäglichen Gegenstände an Flüchtlinge ausgegeben werden, die man halt so braucht, wenn man gar nichts hat.

Beispiele? Angefangen von sogenannten „Starter-Paketen“ mit Bettzeug, Besteck, Geschirr und vielem mehr drin. Nach den Worten des „Lager-Koordinators“, der als Zeuge bei der Gerichtsverhandlung am Mittwoch auftrat, sei ein derartiges Paket 90 x 90 x 45 Zentimeter groß und ziemlich wuchtig. Sage und schreibe 151 solcher Pakete soll der Angeklagte nach seinem Einbruch in das Lager mitgenommen haben. Das stritt er allerdings ab – im Gegensatz zu 59 Kühlschränken. Ja, gestand der 24-Jährige, die habe er geklaut. Und auch 70 Pfannen, ungefähr gleich viele Töpfe. Und eine Sackkarre, die sei nämlich praktischerweise auch bereit gestanden, sodass er problemlos alles in seinen gemieteten Sprinter-Bus einladen konnte. Allerdings sei er drei Mal vorgefahren, bis er das ganze Zeug im Gegenwert von rund 30 000 Euro eingeladen hatte.

Ob er das alles allein geschafft hatte, spielte bei der Verhandlung am vergangenen Mittwoch keine Rolle. Wie er denn überhaupt in das Gebäude gekommen sei, fragte Richter Eberhard Hausch den Angeklagten. Er sei durch eine offene Seitentür gegangen, lautete die Antwort. Als dem Mann aber vorgehalten wurde, dass ein Handabdruck von ihm auf einem kaputten Fenster gefunden wurde, gestand der 24-Jährige dann doch: „Ja, ich habe das Fenster eingeschlagen, als ich im Gebäude drin war, merkte ich aber, dass die Tür offen stand.“

Er habe Geld gebraucht, „wegen der Drogen und so, Marihuana, Kokain und Ecstasy“. Für das Diebesgut habe er „auf dem Trödel“ einen Erlös von 4000 bis 5000 Euro erzielt. Auf die Schliche kam die Polizei dem Dieb aufgrund des Handabdrucks auf der Fensterscheibe. Da der Mann schon zwei Mal vor Gericht gestanden hatte, waren seine Fingerabdrücke also bekannt. In seiner Wohnung fand die Polizei schließlich einen einzigen der fast 60 Kühlschränke, Spannbetttücher, sowie Verpackungsmaterial aus der Lagerhalle. Aber sonst nichts mehr.

„Seinen letzten Job hatte der Angeklagte verloren, weil er zu oft in die Heimat nach Serbien gefahren ist, anstatt zu arbeiten“, berichtete im Zeugenstand eine Polizeibeamtin, die in der Sache ermittelt hatte. „Da könnte man jetzt viel spekulieren, wo die Kühlschränke abgeblieben sind“, sagte die Polizistin.

Wie es aber überhaupt dazu kommen konnte, dass der Dieb so unbehelligt und unbemerkt diese große Menge an Haushaltsgeräten abtransportieren konnte? „Ich war drei Wochen im Urlaub, eine Vertretung gibt es nicht für mich“, berichtete der Lagerkoordinator. Als der 55-Jährige zurückkam, sei ihm „eine seltsame Lücke zwischen all den nagelneuen Kühlschränken aufgefallen“. Von insgesamt 171 Geräten hätte eine beträchtliche Menge gefehlt. Und eben auch jede Menge der Anfangspakete.

Sowohl das Richtergremium wie auch der Staatsanwalt zeigten sich jedoch „nicht überzeugt davon, dass der Angeklagte die Starter-Pakete“ geklaut hatte. Es hätten sich ja theoretisch noch andere bedienen können. Dennoch handle es sich bei der Tat des 24-Jährigen um „einen besonders schweren Fall des Diebstahls“, so Staatsanwalt Michael Allmendinger.

Auch Richter Hausch sah das so und verhängte eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten – allerdings auf Bewährung. „Nachdem Sie jetzt schon fünf Monate in Untersuchungshaft waren, hoffe ich, dass das abschreckend genug für Sie war“, so Hausch. Zudem erwartet die Frau des Angeklagten ein Kind. 15 000 Euro muss der Mann aber trotzdem zahlen, für die Kühlschränke und Töpfe und Pfannen.