Tübingen 30 Jahre Silberburg-Verlag

Das Team in Jubiläumslaune: Den auf Regionalia spezialisierten Silberburg-Verlag gibt es jetzt seit 30 Jahren.
Das Team in Jubiläumslaune: Den auf Regionalia spezialisierten Silberburg-Verlag gibt es jetzt seit 30 Jahren. © Foto: Kathrin Kipp
Tübingen / KATHRIN KIPP 16.07.2016
Mit einem lokalen Gartenwirtschaftsführer hat‘s angefangen, heute ist ganz Baden-Württemberg Programm: der Regionalia-Verlag Silberburg wird 30.

Schwäbische Erfindungen, badische Sprüche, exotische Maultaschengerichte, Wanderungen durchs Ländle, die tollsten Ausflugsziele, Mord mit der Spätzlespresse, Laugenbretzeln zum Frühstück, heimische Helden und Fußballplätze, schwäbische Witze, Omas Resteküche: Der Silberburg-Verlag von Titus Häussermann und Christel Werner kümmert sich um alles, was Geschichten rund um, aus, in, von und über Baden-Württemberg anbelangt.Titus Häussermann hat den Verlag in Stuttgart gegründet, sein erstes Buch war ein Führer zu Stuttgarts Gartenwirtschaften – in einer Zeit, als noch nicht jede schwäbische Lokalität belletristisch, sachbuchmäßig, historisch oder kriminell erfasst war.

Und zu einer Zeit, als sich „am hellichten Tag noch kaum einer in den Biergarten gesetzt hat“ und damit offen gezeigt hat, „dass er gerade nix schafft“. Das erste Buch hat er im Prinzip auch noch selbst geschrieben, aber Häussermanns Kindheitstraum war es immer, Verleger zu werden. Entsprechend hat er seine Bildungslaufbahn angelegt, hat als Schriftsetzer, im Verlag, in einer Presseabteilung, einem Antiquariat und als Zeitschriftenredakteur gearbeitet, Germanistik, Philosophie und BWL studiert.

Regionalia waren schon immer Schwerpunkt des Verlags, der zwischenzeitlich von Stuttgart nach Bebenhausen gezogen ist. Anfangs erschienen nur Sachbücher, wie Wanderführer, Kochbücher, Historisches, Mundart, Witziges, Hörbücher, DVDs, Kalender, später auch Romane und Krimis. Und seit drei Jahren ist er mit seinen erfolgreichen „Wimmelbüchern“ über Stuttgart, Wilhelma oder die Schwäbische Alb auch in der Kinderbuchsparte präsent. Insgesamt erschienen schon rund 1600 Titel, seit mehreren Jahren auch als E-Book – man geht ja mit der Zeit, die mit ihrer veränderten Medienkonsumpraxis und den sterbenden Buchhandlungen nicht immer nur einfach ist.

Momentan kommt noch hinzu, dass nach einem höchstrichterlichen urheberrechtlichen Urteilsspruch die Verlage an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaft Wort nicht mehr beteiligt werden, und bisherige VG-Wort-Ausschüttungen zurückzahlen müssen. Im Fall Silberburg sind das 90 000 Euro – jede Menge Holz, die, wenn sich die Gesetzeslage nicht ändert, zukünftig als reiner Gewinn erwirtschaftet werden müssen.

Aber trotz großer Konkurrenz auf dem Regionalia-Sektor „sind wir eine stabile Bank“, meint Prokurist Frank Butzer. Und Marktführer in Baden-Württemberg. Und so hat der Verlag unter seinen 16 Mitarbeitern immer noch festangestellte Vertreter, die die Buchhandlungen abklappern: Der persönliche Kontakt sei eben entscheidend bei Büchern, die hauptsächlich als Geschenk gekauft werden und deshalb in den Buchhandlungen entsprechend offensiv präsentiert werden müssen, erklärt Mitinhaberin Christel Werner.

Pro Jahr erscheinen 50 bis 60 Titel, oft kommt die Idee für ein Buch und der Auftrag aus dem Haus, oft aber auch von den (Stamm-)Autoren wie Jürgen Seibold (Krimis) oder Dieter Buck, der für seine Wanderbücher bestimmt schon jeden geheimen Pfad im Ländle abgelaufen ist. Der größte kommerzielle Erfolg kam mit den regionalen Frauenromanen von Elisabeth Kabatek: die „Laugenweckle zum Frühstück“ haben sich verkauft wie warme Semmeln: 150 000 Mal.

Bis aus einem Manuskript ein Buch wird, müssen sich die Silberburgler durch viel Stoff lesen: Um die 500 Manuskripte werden pro Jahr mehr oder weniger unverlangt eingesandt.Und so fungiert der Verlag nicht nur als Orientierungshilfe in der Küche, auf Ausflügen, beim Wandern, im Krimisessel und bei der Freizeitgestaltung, sondern auch als Institution kultureller (Identitäts-)Bildung.

Mit dem regionalen Programm werden heimatliche Klischees „aufgehoben, im doppelten Sinne“, so Butzer – also sowohl bewahrt, als auch neu definiert. Globalisierungstendenzen gehen oft mit dem Bedürfnis nach mehr Regionalisierung einher, nach eigener Identität, was sich auch in Inhalt und im Verkauf solcher Büchern widerspiegelt.

Titus Häussermann war es schon von Anfang an wichtig, mit seinen Büchern keine Volkstümelei zu betreiben, sondern die „Heimat“ und das Ländle differenziert und anspruchsvoll zu betrachten. Und so wurde unter anderem im Mundartbereich immer ein „selbstironischer Zugang zu den schwäbischen Eigenarten“ gepflegt.

Ihr Jubiläum feiern die Buchmacher mit drei 30er-Büchern: Mit dem Ausflugskatalog „Über 30 Grad: die besten Orte zum Abkühlen“, mit „30 mal 30 schwäbischen Witze“ und mit 30 dreisprachigen Rezepten: „So schmeckt’s bei uns“.

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