Reutlingen 21-Jähriger tötet Frau mit Machete

Reutlingen / RALPH BAUSINGER 25.07.2016
Keine 48 Stunden nach den dramatischen Ereignissen von München hat am Sonntag kurz vor 16.30 Uhr ein 21-jähriger Asylbewerber eine Frau getötet.

Es war  kein Amoklauf - wie am Freitagabend in München - sondern eine brutale Gewalttat. Der erste Notruf war um 16.27 Uhr beim Polizeipräsidium Reutlingen eingegangen. Im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhof sei ein Mann in Streit mit einer Frau geraten und habe diese mit einer Machete verletzt. Mehrere Notrufe folgten.

In einem Nebendurchgang zum Federnseeplatz hatte der 21-Jährige die Frau mit der 30 bis 40 Zentimeter langen Machete die laut Bild.de schwangere 45-jährige Frau tödlich im Bereich des Kopfes verletzt. In der Folge schlug der Mann am Federnseeplatz mit der Machete die Scheiben eines Pkw Citroën ein, in dem sich eine 51-jährige Frau sowie ein 41-jähriger Mann befanden. Bei dem Angriff erlitt die Frau Schnittwunden am Unterarm, die stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Der Mann erlitt einen Schock und musste ebenfalls stationär aufgenommen werden. Im Anschluss begab sich der junge Mann in ein in der Nähe befindliche Gaststätte in der Eberhardstraße und verletzte einen 23-jährigen Mann im Gesicht. Die Verletzungen mussten ebenfalls stationär behandelt werden. Danach ging der Täter zu einem Imbiss in der Wilhelmstraße und schlug dort mehrfach mit der Machete auf einen Holztisch ein. Er flüchtete über die Karlstraße, wo er von einem BMW erfasst und zu Boden geschleudert wurde. Während der Flucht des Täters verletzten sich in der Wilhelmstraße zwei Frauen im Alter von 54 und 21 Jahren. Die Ältere der Beiden musste aufgrund einer Kopfplatzwunde behandelt werden. Die Jüngere erlitt einen Schock. Beide wurden stationär in einer Klinik aufgenommen.

Um 16.34 Uhr überwältigte ihn die Polizei, die sofort mit starken Kräften ausgerückt war, in der Karlstraße auf der Bahnhofsseite. „Sieben Minuten – schneller geht ein Zugriff wirklich nicht. Wir benötigten kein MEK“, sagte Polizeihauptkommissar Christian Wörner.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 21-jährigen Asylbewerber aus Syrien. Er ist polizeibekannt – wegen Körperverletzung und anderer Delikten.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. „Eine Gefahr für die Bevölkerung in und um Reutlingen besteht nach derzeitigem Stand mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.“ Erkenntnisse für einen terroristischen Anschlag liegen den Sicherheitskräften nicht vor. Zum Motiv und weiteren Hintergründen der Tat äußerte sich die Polizei zunächst nicht. 

Die Polizei prüft nach eigenen Angaben, ob der Täter eine Beziehung zu der Getöteten hatte. Man untersuche die Möglichkeit einer Beziehungstat, sagte ein Polizeisprecher. Über Notrufe sei zuerst gemeldet worden, dass ein Mann und eine Frau in Streit geraten seien. Der Sprecher sagte weiter, der 21-Jährige habe die Machete dann weggeworfen. Der festgenommene Verdächtige werde rasch vernommen. Sein Motiv sei nun „Gegenstand der Ermittlungen“. Er wurde bei dem Zusammenstoß mit dem BMW verletzt und muss stationär intensivmedizinisch betreut werden. Er ist derzeit nicht vernehmungsfähig und wird von der Polizei bewacht.

Die Polizei hat die Zeugenvernehmungszentrale vor der Stadthalle eingerichtet. „Der Täter konnte Gott sei Dank gleich festgenommen werden, sodass von ihm keine weitere Gefahr ausgeht“, erklärte Innenminister Thomas Strobl. Er stehe mit den Ermittlungsbehörden in Reutlingen in Kontakt und lasse sich über die weiteren Ermittlungen auf dem Laufenden halten: „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der getöteten Frau und bei den Verletzten.“

Die Stadt hat einen Führungsstab eingerichtet. Helfer eines so genannten Kriseninterventionsteams seien vor Ort im Einsatz, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Sie stünden für Gespräche und Hilfen bereit und kümmerten sich auch um Augenzeugen der Bluttat. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch zeigte sich über den Vorfall „sehr  bestürzt“ und lobte das schnelle Eingreifen von Polizei und Feuerwehr.  Die Innenstadt war am Sonntag für den Autoverkehr gesperrt.  In der Karlstraße,  am Ende der Fußgängerzone und am ZOB hatten sich Passanten versammelt und verfolgten das Geschehen. Zeugen, die im Nachgang, sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich beim Polizeirevier Reutlingen unter (07121) 942-3333 zu melden.

Zum Thema Eine Tote und fünf Verletzte nach Machetenattacke

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel