Im Mittelpunkt stehen wieder Ensembles, in denen Menschen mit Behinderung aktiv sind. Bisher haben sich elf Gruppen aus acht Ländern Europas angekündigt. Denn das alle drei Jahre in Reutlingen angesetzte Festival Kultur vom Rande hat sich neben ähnlichen Treffen in Berlin und Bremen zu einem der wichtigsten internationalen Foren seiner Art entwickelt.

Gestern nun stellte das Planungsduo aus Rosemarie Henes (Baff) und Prof. Elisabeth Braun (Fakultät für Sonderpädagogik) das Programm 2014 vor. Unter dem Motto "Überall und irgendwo" soll sich, wie Rosemarie Henes erläutert, das Treffen im großen Zelt an der Stadthalle (auf dem jetzigen Parkplatz), im Kulturzentrum franz.K und an verschiedenen weiteren Orten der Stadt abspielen - am Bahnhof etwa, im Finanzamt, Spitalhof, Spendhaus, in der Stadtbibliothek und der Volkshochschule. Selbstverständlich auch unter freiem Himmel: So ist unter anderem ein Skulpturengarten im Bürgerpark vorgesehen.

Das Programm selbst, sagt Elisabeth Braun, umfasst drei Ebenen. Im Zentrum steht dabei sicher das Abendprogramm mit inklusiven Tanz-, Theater- und Musicalgruppen aus ganz Europa. Hinzu kommt nachmittägliches Straßentheater - auch als "Animationsmöglichkeit" fürs Festivalpublikum. Und schließlich gibt es Theater für Schwerst- und Mehrfachbehinderte, das als Alleinstellungsmerkmal des Reutlinger Festivals gelten darf. Wie immer haben sich renommierte Ensembles angekündigt, etwa das Blaumeier Atelier aus Bremen, das Theater Maatwerk aus Rotterdam und Danza Mobile aus Sevilla, alles Gruppen, die bereits in den Jahren zuvor hier zu Gast waren. Mit dabei ist auch die Graeae Theatre Company aus London, eine schräge Musicaltruppe, die schon bei den Olympischen Spielen auf der Insel zu erleben war. Angesagt hat sich zudem die Ich bin O.K. Company aus Wien.

Deren Ziel steht wohl auch für die Intention des ganzen Festivals, nämlich künstlerische Projekte "zu schaffen, in denen die Beschränkung des Einzelnen als Besonderheit und nicht als Behinderung wahrgenommen wird". Die Wiener Tanztruppe, heißt es, legt den Fokus "auf das künstlerische Niveau der Tänzer" und damit "weg von der ausschließlichen Wahrnehmung als Behinderte". Ebenfalls gebucht für Kultur vom Rande ist die französische Compagnie Création Éphémère aus Millau in den Pyrenäen und das Teatro Pirata aus dem italienischen Jesi bei Ancona.

Nur bei Kultur vom Rande gibt es außerdem "basales Erlebnistheater", bei dem Schwerst- und Mehrfachbehinderte "Theater zum Fühlen, Anfassen und sinnenreich Erleben" geboten bekommen. Das überregional hoch renommierte Figurentheater Tübingen (Karin Ersching) wird eigens zum Festival dazu ein Stück entwickeln, das mehrere Tage im Spitalhof angeboten wird.

Präsent bei Kultur vom Rande ist mit dem Stück "Frida Kahlo" auch das Reutlinger Tonne-Theater, das neben seiner kontinuierlichen Arbeit mit der Baff-Gruppe eine eigenständige Sparte für Menschen mit Behinderung eingerichtet hat. Charakteristisch für Kultur vom Rande, so Henes, ist die zunehmende Vernetzung durch Kooperationen etwa mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, deren Festival-Produktion "Accompagnato" (2008) von Kulturstaatsminister Bernd Neumann den ersten Preis für kulturelle Bildung erhalten hat.

Weitere Kooperationen sind unter anderem mit dem Spendhaus, der Musikschule, der Reutlingen University oder der Peter-Rosegger-Schule vorgesehen. Geplant sind ferner "unerwartete" oder "flashmobartige Aktionen" im Stadtbild. Die VHS soll zu einem "kleinen Medienzentrum" (Henes) umfunktioniert werden. Auch ein "Non-Stop-Kino" samt "Festival-TV" ist angedacht.

Der Abschlusstag, der 28. Juni, fällt dieses Mal mit dem Stadtfest zusammen - ein weiterer Multiplikator-Effekt, den das Festival mit Auftritten von 20 bis 30 Musikbands zwischen 10 und 15 Uhr nutzen will. In diesem Sinne: Geschäfte, Läden, die entsprechende Räumlichkeiten hierfür bereitstellen wollen, können sich per E-Mail an info@kultur-vom-rande.de melden.

Das Festival und seine Veranstalter