Reutlingen 1400 Wohnungen in zehn Jahren

Von Jürgen Herdin 05.07.2018

Ein Dutzend Quartiere in Orschel-Hagen könnten nachverdichtet werden. Dann kämen in dem 6600 Einwohner zählendem Stadtteil im Norden bis 2018 zwischen 700 und 1000 neue Wohneinheiten hinzu. Des Weiteren könnte es schon heuer Workshops geben, wenn es um Neues auf dem Areal der Ypernkaserne im Süden mit 250 zu schaffenden Wohneinheiten geht. Bei allen, auch den laufende Projekten, gelte jedenfalls die Selbstverpflichtung der GWG, dass 30 Prozent davon Sozialwohnungen sein sollten.

„Wir fassen alles an, was nur denkbar ist“: Ralf Güthert, der kaufmännische Direktor der Reutlinger Wohnungsgesellschaft GWG, bestätigte gestern, dass in Sachen mittelfristiger Projekte auch Visionen möglich sein müssten. Und Geschäftsführer Klaus Kessler fügte hinzu: „Und dann kommt dabei eben auch einmal etwas Spektakuläres heraus.“

Das Führungsduo präsentierte gestern laufende Vorhaben in der Bauphase, so den Kindergaten im Timber-Quartier, der schon im November seine Türen öffnen könnte. „Projekte in der Genehmigung oder der Bauvorbereitung“, so im „Penta-Quartier“ an der Sondelfinger Straße,  wurden ebenso vorgestellt wie Projekte, die in Planung sind. Das spannendste wird dabei die großflächige Bebauung Schieferbuckel/Schieferterrassen gegenüber Möbel Rieger mit 450 geplanten Wohneinheiten sein. Kessler verriet, dass nur 14 von zunächst 30 Architekten Entwürfe abgegeben hätten, was dem aktuellen Bauboom geschuldet sei. „Die ersticken in Arbeit – und es ist ja heute wie ein Lottotreffer, noch Handwerker zu bekommen“.

Und dann richten viele Reutlinger den Blick auf das Großprojekt Orschel-Hagen-Süd – mit 382 Wohneinheiten. „Das ist übrigens ein Dauerbrenner, der uns sehr beschäftigt“ so Kessler. Der Hochwasserschutz habe dort bereits zu mehreren Änderungen geführt. am 16./17. Juli gibt es dort ein Treffen mit den Bürgern.

Bis 2028 plant die GWG insgesamt 1400 Wohnungen, Das ist ein ambitioniertes Vorhaben, doch im  Süden von Stuttgart wächst Reutlingen besonders schnell. Außerdem stehen derzeit 1800 Menschen bei der GWG für sozialen Wohnraum auf der Warteliste.

Bei der Präsentation wurde aber auch deutlich: Ob wohlklingende Zukunftsmusik oder pragmatischen Erwartungen bei den  Fristen – Kostensteigerungen und die üblichen Verzögerungen durch die Anhörung der Nachbarn wurden nicht weniger.

Ralf Güthert musste anerkennen: „Hier wird deutlich, dass die Entwicklungszyklen aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen deutlich länger dauern als früher.“ Schon jetzt bietet die GWG mehr als 20 000 Menschen ein Zuhause. Aber die GWG, ebenso wie private Investoren müssen zulegen. Das Versprechen der GWG: „Wir unterstützen mit unseren Neubauprojekten die Wohnbauoffensive der Stadt.“

Ob Wohneigentum oder zur Miete: Wichtig ist der Wohnungsgesellschaft dabei ein bedarfsorientieres Wohnungsgemenge, sowie Haus- und Wohnungstypen für verschiedene Zielgruppen, und dazu gehören beispielsweise auch Studentenwohnungen. Im Hohbuch nahe dem Campus könnte mit Bauen Mitte 2019 begonnen werden. Geplant sind 178 Wohneinheiten. Dabei fanden schon Treffen mit Studierenden statt, deren Ideen zur Gestaltung der Duschen erfragt wurden.

Ansonsten ist von Mehrfamilienhäusern mit Sozialwohnungen bis hin zu Penthouse-Residenzen sowie Reihen- und Doppelhäusern alles mit dabei. Und selbstverständlich wird es barrierefreie Wohnungen, nicht nur für Senioren, geben.

Besonders spannend ist auch das Vorhaben, in der Augsburger Straße in Orschel-Hagen über den Gebäuden 1 bis 11 um 15 Wohneinheiten „aufzustocken“. Das ist ein Pilotprojekt mit viel Holz – samt einem Aufzugsturm, erläuterte Kessler.

Er und Güthert informierten auch über die Kosten, und da tut sich möglicherweise Einiges: „Im Schnitt investieren wir pro Jahr rund 50 Millionen Euro“, so Güthert. Und ließ durchblicken, dass für den Fall, dass aus den Projektierungen und Planungen in allen Bereichen auch rege Bautätigkeit wird, durchaus ein Volumen von 100 Millionen Euro pro Jahr drin ist.

GWG-Bauvorhaben bis 2028

Hier eine ausgewählte Liste von Projekten, die in Planung sind – und solche, die unter „Ideen und Projektentwicklung“ Wohnraum schaffen sollen.

In Planung ist die Bebauung des Schieferbuckels in Reutlingen mit 450 Wohneinheiten (WE) – sowie Orschel-Hagen-Süd mit 382 WE. Das Studentenwohnheim im Hohbuch soll 178 WE bekommen, das Vorhaben „Bronnweiler, Wiesaztal“ 22 Wohnungen und 26 Einfamilienhäuser.

Auf dem „Wunschzettel“ in Sachen „Projektentwicklung und Ideen“ wäre der größte Coup eine komplette Nachverdichtung Orschel-Hagens – in insgesamt zwölf Quartieren. Zwischen 700 und 1000 WE wären drin – mit der Realisierung des „Orschel-Bogens“ kämen weitere 100 Wohnungen hinzu.

Nach vorsichtigen Schätzungen der GWG könnte man sich 2021 bis 2024 dem Areal der Ypern-Kaserne in der Südstadt annehmen. 250 WE sind dort geplant. Schon im Herbst soll es einen ersten Workshop geben. Auch das  Postareal in der City ist eingeplant. Um die 100 Wohneinheiten sind dort projektiert. jhe

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