Pfullingen 1313 Einwohner verschwunden?

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Pfullingen / 03.01.2014

146 Geburten und 154 Sterbefälle vermerkt die städtische Statistik fürs vergangene Jahr. Derweil erspart sie dem Leser, dass Pfullingen 1313 Einwohner weniger hat. Wobei die nicht alle weggezogen sind.

EVELYN RUPPRECHT

„Die Stadt wächst“ oder „Die Einwohnerzahl steigt“ – das waren die Überschriften der vergangenen Jahre in unserer Zeitung, wenn die Stadt mal wieder ihre Statistik vorgelegt hatte. Diesmal müsste es eigentlich heißen „Pfullingen schrumpft“. 1313 der bis dahin 18 774 Bürger sind nach der Bekanntgabe des Zensus-Ergebnisses einfach verschwunden. Da nutzt es auch nichts, dass auf dem Standesamt 146 Geburten (im Vorjahr waren es 148) registriert wurden. Angesichts der 154 Sterbefälle (156) hätte die Einwohnerzahl nur um acht sinken dürfen. Und rechnet man diejenigen dazu, die dank der neuen Baugebiete zugezogen sind, hätten’s Ende 2013 sogar mehr Pfullinger sein müssen als Ende 2012.

Von 18 774 Bürgern sind der Stadt nun aber nur 17 461 geblieben. Was sich einerseits auf den städtischen Haushalt auswirkt, dem so Einnahmen in Höhe von 400 000 Euro entgehen (wir haben berichtet), und was der Bürgermeister andererseits einfach nicht glauben will. Laut Fortschreibung der Stadt wäre man noch immer auf dem Vor-Zensus-Stand. „Das Zensusergebnis ist bis zur Stunde für die Stadtverwaltung nicht nachvollziehbar. Weder war bisher eine Akteneinsicht, noch eine Überprüfung der Erhebungsgrundlagen möglich“, kritisierte Rudolf Heß im Dezember das Ergebnis der Zählung. Der Methodenwechsel bei Kommunen ab 10 000 Einwohnern sei ein wesentlicher Grund für die Abweichung. Denn ab dieser Größe wurden nur noch zehn Prozent der Einwohner gezählt und 90 Prozent hochgerechnet. Ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Artikel drei des Grundgesetzes, sagt der Bürgermeister. Weshalb die Stadt überlegt, gegen das Ergebnis zu klagen. So lange der Klage allerdings kein Erfolg beschieden wird, gelten die Zensus-Zahlen – und Pfullingen hat nur noch 17 461 Einwohner, was allerdings nicht in der Statistik steht.

Derweil haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch erfreuliche Zahlen parat in ihrer Jahresbilanz. So haben sich 65 Paare auf dem Standesamt in Pfullingen das Ja-Wort gegeben und die Besuche, die der Bürgermeister und seine Stellvertreter bei Jubilaren machen dürfen, nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. 2013 waren es 280 Bürger, die 80, 85, 90 oder 95 Jahre alt wurden – und damit gab’s 45 runde und vor allem hohe Geburtstage mehr als im Vorjahr. Die älteste Bürgerin ist 108 Jahre alt geworden und außerdem haben 92 Paare Goldene, Eiserne oder Diamantene Hochzeit feiern können – zwölf mehr als 2012. Was die Schülerzahl angeht, ist die von 3044 auf 3053 gestiegen. Aufs Friedrich-Schiller-Gymnasium gehen im laufenden Schuljahr 1077 Jungen und Mädchen (Vorjahr: 1064), auf die Wilhelm-Hauff-Realschule 997 (1010), auf die Schloss-Schule 417 (444), auf die Uhland-Burgweg-Grundschule 216 (197), auf die Laiblinschule ebenfalls 216 (206), auf die Uhland-Förderschule 101 (95) und die Grundschulförderklasse besuchen 29 Kinder (Vorjahr: 28). Die Zahl der auswärtigen Schüler ist mit 1104 unverändert. Ihr Anteil am Gymnasium beträgt 49,6 Prozent (50,6), an der Realschule sind es 51,3 Prozent (50,8) und an der Förderschule liegt der Anteil bei 58,4 Prozent (54,7).

Die Zahl der Bauanträge ist 2013 von 117 auf 91 gesunken, und – auch dies hat die Stadtverwaltung in ihrer Statistik verarbeitet – die Zahl der Hundehalter, die ihre Tiere angemeldet haben, ist von 529 auf 559 gestiegen. Was die Steuereinnahmen um 4000 Euro auf über 60 000 Euro erhöht hat.

Wie arbeitsam der Gemeinderat ist, haben die städtischen Mitarbeiter natürlich auch errechnet. 39 Sitzungen haben die verschiedenen Gremien 2013 absolviert – und damit zwei mehr als im Vorjahr. Insgesamt haben die Sitzungen 91 Stunden und damit elf Arbeitstage in Anspruch genommen. 277 Tagesordnungspunkte wurden mehr oder weniger flott beraten. Viele davon freilich nicht-öffentlich.

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