Reutlingen / NORBERT LEISTER  Uhr
Eine umfangreiche Ausstellung zur 125-jährigen Geschichte der IG Metall Reutlingen-Tübingen wurde gestern erstmals im Heimatmuseum präsentiert.

Anfang Juni 1891 wurde der erste Deutsche Metallarbeiter-Verband in Frankfurt in der Paulskirche gegründet. Nur wenige Monate später waren im August desselben Jahres auch die Reutlinger dabei, „52 Metallarbeiter organisierten sich hier sehr früh“, sagte der Firmenhistoriker Thomas Wrobel am gestrigen Freitag zur Eröffnung der Ausstellung im Heimatmuseum über die 125-jährige Geschichte der hiesigen IG Metall. Allerdings gehen die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung noch viel weiter auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, so Wrobel. Als 1848 nämlich die Revolution vor der Tür stand, waren nach den Äußerungen von Thomas Wrobel als Historiker der Aalener Firma „D.I.E. Firmenhistoriker“ auch in Reutlingen Umtriebe „von rotem Republikanismus“ spürbar. Der König sei „not amused“ gewesen, der Bau der Eisenbahn deshalb auch deutlich verzögert in die Achalmstadt gekommen.

Und die Geschichte der Arbeiter-Bewegung begann ja nach den Worten von Museumsleiterin Dr. Martina Schröder bereits mit der Textilindustrie. Und auch mit der Gründung des ersten „Reutlinger Arbeitervereins“ – was eine Fahne aus dem Jahr 1848 beweist. Allerdings wurde der Verein schon ein Jahr später wieder aufgelöst. Nachfolger war dann der Arbeiterbildungsverein – aus dem heraus später das Naturtheater entstand.

Die Historie der deutschen Arbeiterbewegung ist also vielschichtig, die der IG Metall nicht minder. Aus diesem Grund hat Wrobel zusammen mit Dr. Schröder eine Ausstellung konzipiert, in der in den jeweiligen Räumen im Heimatmuseum Säulen stehen, die einen historischen Abriss über die jeweiligen Zeitabschnitte vermitteln. Ansonsten sind viele Materialien, Bücher, Hefte, Fahnen und Fotos zu sehen, „die zu 80 Prozent aus den Sammlungen von Holger Lange stammen“, betonte Schröder.

Die Forderungen der Arbeiterbewegungen haben sich natürlich verändert, um 1850 herum waren die Menschen bis zu 17 Stunden im Betrieb – und „sie begannen sich schon damals zu wehren“, so Wrobel. Ausstellungsstücke sind auch großformatige Fotos, mit einem Blick eines Gewerkschaftssekretärs von seinem fiktiven Schreibtisch durch ein Fenster auf das Reutlingen im beginnenden 20. Jahrhundert etwa. Themen der Gewerkschaft in dieser Zeit? „Frauen in der Metallarbeit, Heimarbeit und Arbeiterferien“, um nur ganz wenige Beispiele anzuführen.

Mit der Geschichte der Metallarbeiter-Bewegung war es im Übrigen 1933 erst mal vorbei – „zuerst hatten die Gewerkschaften gedacht, dass es so schlimm schon nicht kommen werde, doch schnell hat sich gezeigt, dass wegducken gar nichts bringt“, sagte Ernst Blinzinger gestern bei der Vorstellung der nagelneuen Ausstellung. Bis vor kurzem war Blinzinger noch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Reutlingen-Tübingen, nun hat die Position mit Tanja Silvana Grzesch zum ersten Mal eine Frau inne.

Nach der Herrschaft der Nationalsozialisten erfolgte 1949 die Neugründung der IG Metall, „aber schon 1946 sind die Arbeiter am 1. Mai wieder auf die Straße gegangen“, so Ernst Blinzinger. Die Forderungen der Gewerkschaft in den folgenden Jahrzehnten war zunächst die 40-Stundenwoche, keine Samstagsarbeit mehr, dann die 35-Stundenwoche und so manche extrem hohe Lohnforderung. „Ich weiß noch Anfang der 70er Jahre hatten wir mal einen Abschluss mit 15 Prozent Lohnerhöhung“, erinnert sich Blinzinger und schmunzelt.

Spinde, mit Informationen über bedeutende Menschen der IG Metall vervollständigen die Ausstellung ebenso wie ausgestellte Geschenke der Gewerkschaft an langjährige Mitglieder oder Transparente aus den jeweiligen Jahrzehnten. „Mit der Ausstellung ist es gelungen, 125 Jahre Gewerkschaftsgeschichte auf relativ kleinem Raum darzustellen“, betonte Thomas Wrobel.

Ausstellungseröffnung

Die Ausstellung rund um 125 Jahre IG Metall wird am Sonntag, 26. Juni, um 11.15 Uhr, nicht im Heimatmuseum, sondern im Rathaus eröffnet. Die IG Metall-Bevollmächtigten Gert Bauer und Ernst Blinzinger werden sprechen ebenso wie Reutlingens OB Barbara Bosch. Die Ausstellung im 2. Stock des Heimatmuseums wird bis zum 30. Oktober täglich außer montags geöffnet sein.