Gründe, um verzagt aufs neue Jahr zu blicken, gibt es genug: Im Nahen Osten wächst die Kriegsgefahr, Ökonomen warnen vor einer weltweiten Rezession, während in Deutschland händeringend Fachkräfte gesucht werden. In einer globalisierten Welt wird auch die schwäbische Kleinstadt Metzingen vom sich anbahnenden epochalen Wandel betroffen sein. Zumal die Antworten auf den sich verändernden Alltag in den Kommunen gefunden werden müssen, in denen schließlich das Leben stattfindet, wie Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler am Sonntag während seiner Rede zum Neujahrsempfang der Kelternstadt formulierte. Trotz aller Sorgen und Ängste, die der Anbruch des neuen Jahrzehnts mit sich bringt, sieht Fiedler keinen Grund mutlos zu werden. Im Gegenteil. Er ist überzeugt, dass noch immer die Chancen überwiegen: „Wir Menschen haben es selbst in der Hand, die Dinge zu verändern.“

Neujahrsempfang in Metzingen

Metzingen Neujahrsempfang in Metzingen

Dieses Gefühl, etwas bewegen zu können, hat im vergangenen Jahr insbesondere die junge Generation ergriffen. Sie beteiligte sich intensiv am Bäderdialog, was wiederum das Interesse an der Kommunalpolitik befeuerte. „Es ist großartig“, betonte Fiedler, „dass wir eine 18-Jährige, zwei 19-Jährige und eine 24-Jährige in unseren Gemeinderat gewählt haben.“ Das bringe neue Aspekte und Sichtweisen und damit weitere Qualität in die Arbeit am Ratstisch ein.

Kombibad im Gemeinderat

Um den Wandel zum Wohle der Stadtgesellschaft zu gestalten, besitze Metzingen beste Voraussetzungen, erklärte Fiedler. Der Schuldenstand sei in den vergangenen elf Jahren um 80 Prozent zurückgefahren worden, zugleich investierte Metzingen massiv in Kinderbetreuung und Schulen. Diese Politik wolle die Stadt auch 2020 fortsetzen. Geplant sind unter anderem der Neubau eines fünfgruppigen Kinderhauses in der Ermsstraße und ein neuer naturwissenschaftlicher Trakt am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Fiedler versprach außerdem, die Stadt werde sich mit aller Kraft darum bemühen, positiv auf die fachärztliche Versorgung in Metzingen einzuwirken.

Am Kombibad wird 2020 ebenfalls weitergearbeitet. Im vergangenen halben Jahr hat die Kommune die Beratungsleistungen europaweit ausgeschrieben, in der Gemeinderatssitzung am 23. Januar gibt es einen öffentlichen Zwischenbericht zum Stand der Dinge. Beim Thema „Schlachthof“ will sich die Kelternstadt um eine interkommunale Lösung bemühen, betonte Fiedler. Zudem soll im Dialog mit der Bürgerschaft ein integriertes Verkehrskonzept erarbeitet werden, um „den Herausforderungen einer sich massiv verändernden Mobilität genauso gerecht zu werden, wie den Anforderungen des Klimaschutzes“.

Wenn die Bürgerschaft eine echte Energiewende erreichen wolle, so Fiedler, werde dies für alle spürbare Einschränkungen mit sich bringen. Gelingen könne ein solches Projekt indessen nur, wenn dazu ein Konsens im globalen Kontext erreicht werde: „Davon sind wir leider sehr weit entfernt.“

Lange Planungszeiträume lähmen

Um auf den rasanten Wandel reagieren zu können, müssten Beschlüsse freilich deutlich schneller als bislang umgesetzt werden, erklärte der OB. Fiedler erinnerte in diesem Zusammenhang an den barrierefreien Umbau des Metzinger Bahnhofs. Obwohl sich alle Handelnden einig gewesen seien, das Vorhaben umzusetzen, zögen nun sieben Jahre ins Land, bis drei Aufzüge gebaut seien: „Die langen Planungszeiten lähmen uns, das müssen wir ändern“, sagte Fiedler unter dem Beifall der Zuhörer. Diese waren am Sonntag wieder zahlreich in die Stadthalle geströmt: Vertreter der politischen Parteien, der Gremien, der Vereine, der Kirchen, der Wirtschaft, der Hilfs- und Rettungskräfte, der Behörden und die Abgeordneten der verschiedenen Parlamente waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam auf ein neues Jahr zu blicken.

Die große Resonanz freute auch den Oberbürgermeister. Es sei ein gutes Gefühl, so Fiedler, so viele Mitstreiter für eine gerechte, friedliche und solidarische Stadtgesellschaft begrüßen zu können. „Damit nehmen wir den Populisten, den Opportunisten, den Spaltern und denen Raum, die unsere Demokratie und unsere Freiheit zerstören wollen.“ Jene, die in der Gesellschaft für Toleranz, Menschlichkeit, Teilhabe und Frieden eintreten, seien in der Überzahl, und aufgerufen, anderen Mut zu machen, um vor all den Herausforderungen nicht zu kapitulieren, sondern gemeinsam anzupacken und die Zukunft positiv zu gestalten.