Neu-Ulm / Moritz Clauß Diebe haben in Neu-Ulm 2018 vermehrt Fahrräder gestohlen. Am Telefon betrügen nicht nur „falsche Polizisten“, sondern auch „falsche Staatsanwälte“.

Die Zahl der in Neu-Ulm, Elchingen und Nersingen verübten Straftaten ist 2018 erneut gestiegen: um 17,3 Prozent auf 5010. „Das macht uns schon etwas Sorgen“, sagte Polizeihauptkommissar Rainer Finkel bei der Präsentation der aktuellen Kriminalitätsstatistik am Donnerstag in Neu-Ulm.

Vor allem die Zahl der Betrugsfälle stieg im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion deutlich: um 38,7 Prozent auf 681. Darunter waren 213 Fälle von Callcenter-Betrug. Für 2017 gibt es hierzu keine Vergleichszahl, Finkel sprach jedoch von einer „deutlichen Zunahme“. 165-mal gaben sich die Betrüger am Telefon als Polizisten, Staatsanwälte oder Gerichtsmitarbeiter aus. „Manche älteren Mitbürger werden da um ihr gesamtes Vermögen betrogen“, sagte Finkel.

Immer wieder bringen Kriminelle ältere Menschen um Erspartes. Das Vertrauen der Opfer ist nur ein Grund dafür.

Der Kommissar geht von einer hohen Dunkelziffer aus: Vermutlich schämen sich viele Betroffene, wenn sie auf die Betrugsmasche hereingefallen sind, und gehen deshalb nicht zur Polizei.

Auch die Straßenkriminalität nahm 2018 zu: von 644 Delikten im Vorjahr auf 729 Straftaten. „Es wird rauer auf der Straße“, sagte Finkel. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist der Wert aber nicht besonders hoch – 2008 zählte die Polizei 891 Straftaten auf der Straße. Schwerpunkt von Gewalttaten ist laut Finkel die Innenstadt.

Kriminalstatistik 2018 Kreis Neu-Ulm Betrug: Immer neue Tricks am Telefon

Die Kriminalstatistik für 2018 weist insgesamt gute Zahlen aus. Große Sorgen bereiten der Polizei aber die anhaltenden Versuche, vornehmlich alte Menschen am Telefon um ihr Erspartes zu bringen.

E-Bikes bei Dieben beliebt

Die Zahl der Diebstähle stieg auf 1400 (2017: 1243). Auffällig: 2018 wurden 238 Fahrräder gestohlen, 62 mehr als im Vorjahr. E-Bikes sind der Polizei zufolge nicht nur bei Kunden, sondern auch bei Dieben beliebt. Viele Fahrräder seien mangelhaft gesichert, erklärte Finkel. Ein gutes Schloss könne Diebe abschrecken. Das gelte auch für die eigene Wohnung: 2018 gab es im Zuständigkeitsgebiet der Inspektion 41 Fälle von Wohnungseinbrüchen (2017: 39). Allerdings waren die Diebe nur 18 mal erfolgreich.

Zugenommen hat auch die Zahl der Rauschgiftdelikte. Die Polizei führt das unter anderem auf ihre intensiven Kontrollen zurück. 2018 zählte sie 418 Rauschgiftfälle, 113 mehr als im Vorjahr. Im Februar 2019 gab es in der Asylunterkunft in der Reuttier Straße eine Razzia, bei der die Beamten ein halbes Kilo Marihuana sicherstellten. Die Unterkunft habe man weiter im Blick, sagte Finkel.

Im Zusammenhang mit Asylsuchenden gab es vergangenes Jahr 90 Polizeieinsätze. Häufig gehe es um Körperverletzungsdelikte innerhalb einer Asylunterkunft, erklärte Finkel. Einige Bewohner trügen Konflikte nicht verbal aus.

Bei der Razzia in einer Flüchtlingsunterkunft in der Reuttier Straße in Neu-Ulm hat die Polizei einen Mann direkt festgenommen, viele werden heute dem Richter vorgeführt.

Aufklärungsquote sinkt

Insgesamt hatten die Polizisten aus Neu-Ulm im vergangenen Jahr 12 184 Einsätze, 818 mehr als 2017. „Wir sind mittlerweile an unserer Belastungsgrenze“, sagte Finkel. Die Aufklärungsquote der Inspektion sank leicht auf 64,1 Prozent. Am Montag hatte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West seine Statistik veröffentlicht: Die Zahl der Straftaten im Gesamtgebiet sank leicht auf 42.253.

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