Entschärfungen Fliegerbomben in Neu-Ulm: Drohen weitere Evakuierungen?

Die dritte Evakuierung in Neu-Ulm war am Freitag, 13. April. Könnte das zur Normalität werden?
Die dritte Evakuierung in Neu-Ulm war am Freitag, 13. April. Könnte das zur Normalität werden? © Foto: Stefan Puchner
Neu-Ulm / Susanne Klöpfer 16.04.2018
Drei Bomben in Neu-Ulm seit März: Ein Experte erklärt, warum zurzeit so viele Kampfmittel gefunden werden und ob weitere Fälle drohen.

Eine Baugrube – drei Fliegerbomben in Neu-Ulm. Und das seit März. 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg müssen in letzter Zeit immer wieder gefundene Kriegsrelikte entschärft werden. Muss die Bevölkerung mit weiteren Evakuierungen und Entschärfungen rechnen?

Wie sieht es aus mit weiteren Fliegerbomben in Neu-Ulm?

„Wir können leider nicht ausschließen, dass im Bereich des Südstadtbogens weitere Blindgänger beziehungsweise andere Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden“, teilt die Pressesprecherin der Stadt Neu-Ulm, Sandra Lützel, auf Anfrage mit. Zu den im Krieg bombardierten Bereichen gehörten: der Bahnhof, die gesamte Gleisanlage sowie Gebiete mit Kasernen wie Wiley-Nord und Wiley-Süd. Auch wären die Bomben von den Alliierten „teilweise recht diffus“ über Neu-Ulm abgeworfen worden.

Über die Ziele und Flächen von Luftangriffen können Luftbilder Aufschluss geben. Diese Luftbilder wurden vor, während und nach den Attacken von den Alliierten gemacht. Für Bauvorhaben werden diese Luftbilder ausgewertet. Die Stadt Neu-Ulm sei jedoch bemüht den Bestand der Luftbilder kontinuierlich zu vergrößern, um präzisere Auswertungen anfertigen zu können, sagt Lützel.

„Meiner persönlichen Ansicht nach wird es in der Region noch mehrere Entdeckungen von Kampfmitteln geben“, sagt Dr. Andreas Heil, der Betriebsleiter der Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber in Nürnberg. Die Tiefe der Bauarbeiten hängt dabei mit der Anzahl der Entdeckungen zusammen. Weiter sagt Heil voraus: „Diese und die folgende Generation wird stark mit diesem Problem zu tun haben. Die bombardierten Städte sind prädestiniert für weitere Entdeckungen von Kampfmitteln.“ Ob in 100, 200 oder mehr Jahren, das könne niemand genau sagen.

Warum ist es so gefährlich, wenn eine Bombe gefunden wird?

„Diese Bomben wurden dafür gebaut zu verletzten und zu töten. Deswegen sind diese auch jetzt noch genauso gefährlich“, meint Heil und erklärt weiter: „Die Bomben aus dem Ersten Weltkrieg sind immer noch gefährlich. Und das war vor 100 Jahren.“ Es komme auch darauf an, was mit dem Blindgänger seit dem Abwurf passiert ist. Letztendlich muss der Fachmann vor Ort eine Entscheidung treffen.

„In den letzten Jahren ist die Zahl der Entdeckungen von Kampfmitteln extrem gestiegen“, sagt Dr. Heil. Dafür sieht er drei Hauptfaktoren: Durch neue Bautechniken und Neubaugebiete werden Kampfmittel öfters entdeckt. „Früher wurden diese Blindgänger oft überbaut“, erklärt Heil. Auch ältere Bahnanlagen werden eingestellt, dann wird auf den Flächen gebaut und dabei wieder weitere Kampfmittel gefunden. Und drittens hätte der Fortschritt der Technik weitere Auswirkungen.

Stadt Neu-Ulm und Baufirma haben weiteren Tiefbau eingestellt

Am Montagvormittag beschlossen die Stadtverwaltung und die Ulmer Baufirma Realgrund, dass nach der Entdeckung der dritten Fliegerbombe die Tiefbauarbeiten eingestellt werden. Die Baufirma reagiert auf die vermehrten Bombenfunde mit einem neuen Sondierungskonzept. „Dieses sieht vor, dass die Fläche in drei bis vier Zonen aufgeteilt wird“, erklärt Lützel. Das bedeutet: Werden in einer Zone mehrere Kampfmittel gefunden, könnten diese nacheinander entschärft werden. Daraus resultieren weniger Evakuierungen für die Bevölkerung in Neu-Ulm.

Im Idealfall würde das bedeuten: Keine weiteren Entdeckungen und keine Evakuierungen mehr. Ein anderer Fall wäre, dass nur pro Zone evakuiert werden müsste – also noch maximal drei bis vier Evakuierungen bevorstehen. Die Pressesprecherin erklärt: „Das hängt aber auch davon ab, ob ein mechanischer oder chemischer Zünder vorliegt.“ Eine mechanische Zündung bedeutet, dass in maximal zwei Tagen entschärft werden muss. Bei einer chemischen Zündung muss sofort evakuiert und entschärft werden. Also kommt es auch darauf an, welche Art von Zündung vorliegen würde. Bis zum Abschluss der Sondierungen, werden die Bauarbeiten eingestellt. Die Baufirma plant danach, die restliche Fläche zu glätten. Dann werde der Bau fortgesetzt.