Seit 40 Jahren liefert der 56-jährige Andreas Bischof Weihnachtsgeschenke aus. Von der Verwandtschaft, von Freunden oder – was in den vergangenen Jahren extrem zugenommen hat – die im Internet bestellten Geschenke. Andreas Bischof ist Postbote in Senden-Witzighausen. Je näher Weihnachten rückt, desto nervöser werden die Leute daheim: Ob das Geschenk noch rechtzeitig eintrudelt? Oder die kurz vor Schluss abgeschickte Weihnachtskarte?

Sendener Postbote lieferte zu DDR-Zeiten viele Stollen aus

Wobei der Postbote in all den Jahren festgestellt hat: Geschenke von der lieben Verwandtschaft gibt’s heute seltener. „Früher, als die DDR noch war, hab ich jeden Tag 30 bis 40 Stollen ausgeliefert. In ganz Senden.“ Die West-Verwandtschaft hatte zuvor der Ost-Verwandtschaft Zutaten geschickt, damit sie sich beim Bäcker Stollen backen lassen konnten. Ein Dankeschön-Stollen kam dann bald zurück. Woher Bischof überhaupt weiß, dass Stollen in den Päckchen waren? „Das war immer eine DDR-Einheitsverpackung. Und ich habe immer nachgefragt, was da drin ist.“

Seit der Maueröffnung gibt’s das Stollen-Phänomen nicht mehr. „Eine andere Welt, schon auch schön. Genauso gab es früher viele Nikolaussendungen. Großeltern, die ihren Enkeln ein Paket zum 6. Dezember schickten. Das gibt’s fast gar nicht mehr. Schade!“ Außerdem klebten früher auf den Päckchen Sternchen und Nikoläuse oder es stand da: vom Christkind.“ Er glaubt, dass heute viele Kinder nur noch Geld von den Großeltern überwiesen bekommen, um sich ihr Geschenk später selbst aussuchen zu können. „Es gibt einfach auch viel mehr Dinge zu kaufen als früher.“ Bischof klingt wehmütig. Bis zu dreimal so viel Arbeit kommt auf ihn zur Weihnachtszeit zu. „Hochsaison.“

Hermes und Co nehmen Bischof Teile der Lieferung ab

Heute übernehmen außerdem zusätzlich Paketfirmen einen Teil der Lieferungen, die sonst auf ihn zukommen würden. Früher, als es Hermes und Co noch nicht gab,„habe ich zur Weihnachtszeit drei Kilogramm abgenommen, weil man da viel Energie braucht; durch die Kälte und das viele Treppensteigen. Ein kräftezehrender Job.“ Auf dem Land findet er gut, dass er seltener in den zweiten oder dritten Stock muss, um die Sendungen, die oft mehrere Kilogramm wiegen, zu überbringen. Und dass die Nachbarn oft netterweise die Pakete annehmen, wenn der Adressat nicht daheim ist. Das macht seine Arbeit leichter. „Genauso, wenn mir jemand mal entgegenkommt und das Paket abnimmt.“

Ein solches Entgegenkommen schätzen auch seine Kollegen in Ulm, weiß Bischof. Denn sie müssen sich immer beeilen – unter anderem, weil sie nirgendwo parken können. Grundsätzlich würden aber mehr Pakete verschickt als früher, hat Bischof beobachtet. In der hektischen Vorweihnachtszeit werde einiges bei Online-Händlern bestellt. Genauso wie das ganze Jahr über. „Eigentlich ist Weihnachten ja heutzutage immer.“

Bischof freut sich über leuchtende Kinderaugen

Die Leute sind es gewohnt, Pakete zu bekommen. Dennoch: Die Freude der Kinder über Pakete oder Weihnachtspost bleibt: „Das ist so nett, wie ihre Augen leuchten, wenn ich komme. Am liebsten würden die mir das Paket gleich aus der Hand reißen, ohne Unterschrift.“ Andreas Bischof – Weihnachtsmann, Christkind, Postbote in einem – wünscht dann „Frohe Weihnachten“ und setzt seine Bescherung in anderen Häusern fort. Wenn er Glück hat, fährt er dann mit seinem gelben Schlitten – äh, Auto – durch den weißen glitzernden Schnee. Fürs richtige Weihnachtsfeeling ...