Lesung Von Glück und guten Texten

Neu-Ulm / Cosima Kammel 08.09.2018

Einige Stuhlreihen mitten im Grünen, im Schatten der hoch gewachsenen Schillerbuche beim Neu-Ulmer Wasserturm, dazu Gespräche über Literatur und verträumte Akkordeonmusik von Ivan Antonic. Das erwartete die Besucher der vierten und letzten Lesung der Neu-Ulmer Reihe „Literatur unter Bäumen“ im Kollmannspark. Ziel der Open-Air-Reihe war es, nicht nur neue Literatur kennenzulernen, sondern auch neue Orte zu entdecken.

Unter dem Motto „Ursprünge“ leitete Florian Arnold vom Verlag Topalian & Milani, der die Veranstaltungsreihe der Stadt kuratiert, durch den Abend und stellte die Schriftstellerin Dagmar Leupold und deren Verlegerin Anna Jung vom Salzburger Verlag Jung+Jung vor. Wie ihr Vater, der den unabhängigen Verlag gegründet hat, sei auch sie eine Idealistin, die sich für das wenig lukrative Verlagswesen entschied. Denn „was glücklich macht, ist das, was im Kopf, und nicht, was im Geldbeutel passiert“. Sie genießt die Freiheiten, die es dem Verlag ermöglichen, Literatur aus Kreisen abseits der Trends verfügbar zu machen, und interessante Persönlichkeiten wie Dagmar Leupold kennenzulernen.

Neue Worte für Alltägliches

Die 62-jährige Autorin, die das Schreiben nicht nur lebt sondern auch unterrichtet, lehrt ihre Schüler in Tübingen zu experimentieren und ihren Horizont zu erweitern. „Wer schreiben will, muss erst einmal lesen.“ Ihr geht es um Transformation und nicht um Transfer. „Widerworte finden und wieder Worte finden“, beschreibt sie ihren Schaffensprozess.

Eine entscheidende Frage lautet: Was ist gute Literatur? Für Leupold gelten dabei zwei Kriterien: zum einen die Nicht-Vorhersehbarkeit des Textes, die das Lesen zum Abenteuer macht, zum anderen Fiktionalität, der Mut zur Fantasie.

„Wenn ich etwas lese und es macht etwas mit meinem Kopf, das ist gute Literatur“, ergänzt Verlegerin Anna Jung. „Wir erkennen etwas wieder, was wir nicht wussten.“

Mit Sätzen wie diesem wurden die Besucher den wunderbaren Einlagen des Akkordeonspielers und ihren Gedanken überlassen.

Schließlich las Dagmar Leupold aus ihrem neuen Liebesroman „Loveinia“ vor, der in Kürze bei Jung+Jung erscheint. Eine Art Minnemonolog der Protagonistin Lavinia, deren Namensgeberin aus der römischen Mythologie stammt. Auf faszinierende Weise findet die Autorin neue Worte für Alltägliches und erschafft so einen vielschichtigen Text, der nicht in Kapitel sondern in Stockwerke gegliedert ist. Es ergab sich eine ungewöhnliche, inspirierende Kombination aus Kultur und Natur.

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