Mit 20 Einsatzkräften und vier Fahrzeugen ist der THW-Ortsverband Neu-Ulm seit Samstag im oberbayerischen Krün im Einsatz, um die Dächer von der Schneelast zu befreien. Ursprünglich sollte es für Zugführer Sven Krebs und seine Männer am Sonntagabend zurück nach Hause gehen. Nun wurde der Einsatz zum zweiten Mal verlängert.

Wie ist die Lage vor Ort?

Sven Krebs: Es hat von Sonntag auf Montag fast die gesamte Nacht durchgeregnet. Seit Montagmorgen fällt wieder neuer Schnee. Auf vielen Häuser in Krün türmen sich 80 bis 120 Zentimeter Schnee. Durch den Regen ist dieser extrem schwer geworden.

Was bedeutet das?

Schon am Sonntag hatten wir Lasten von mehr als 180 Kilogramm pro Quadratmeter. Mittlerweile hat sich die Situation weiter verschärft. Vor allem bei älteren Gebäuden sind die Dächer nicht darauf ausgelegt, so viel Gewicht zu tragen. Es besteht zunehmend Einsturzgefahr.

Wie können Sie hier helfen?

Unsere Aufgabe ist es, die Dächer mit Schaufeln von Hand zu beräumen, so gut es geht. Wir fangen an, wenn es hell wird, und arbeiten, bis es dunkel wird.

Das klingt anstrengend.

Das ist natürlich extrem anstrengend und unsere Leute sind entsprechend kaputt. Wir gehen jeden Tag früher ins Bett (lacht). Ans Aufgeben denkt aber keiner. Wir arbeiten in Schichten, jeder schaufelt eine halbe bis dreiviertel Stunde, danach wird gewechselt. Wer Pause hat, kann sich im Einsatzfahrzeug aufwärmen.

Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Unsere Helfer stehen bei der Arbeit auf der Dachschräge, durch den feuchten Schnee ist es stellenweise sehr rutschig. Wir arbeiten deshalb ausschließlich mit Absturzsicherung. Unsere Helfer tragen Klettergurte und sind bei der Arbeit mit Leinen am Ladekran unseres Einsatzfahrzeugs gesichert. So kann nichts passieren, wenn jemand plötzlich den Halt verliert. Sicherheit hat oberste Priorität.

Wie ist die Stimmung vor Ort? Sind die Menschen ungeduldig?

Nein, gar nicht. Es funktioniert alles ganz hervorragend. Wer Bedenken hat, ob sein Dach hält, meldet sich bei der Feuerwehr. Diese schickt einen Statiker los, der eine Prioritätenliste erstellt, nach der geräumt wird. Die Menschen in Krün sind froh, dass wir da sind, da gibt es gar nichts – auch wenn wir mal eine Straße sperren müssen, meckert niemand.

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