Bernd Rindle  Uhr

In Neu-Ulm laufen die demokratischen Prozesse derzeit auf Hochtouren. Am Sonntag stellten sich Politiker zur Landtagswahl und kurz darauf Vertreter der Stadtverwaltung den Bürgern zu Stadtteil-Gesprächen. Am Mittwoch gastierte der kommunale Tross in der Pfuhler Seehalle, um einerseits über den aktuellen Stand der Stadtentwicklung zu informieren, aber auch um Anregungen, Wünsche und Kritik entgegen zu nehmen.

Dabei nutzte OB Gerold Noerenberg die Gelegenheit und nahm sich die „Nuxit“-Gegner zur Brust, weil manche ihrer Aussagen ein schiefes Bild fern der Tatsachen hätten entstehen lassen. Über die Kreisfreiheit entscheide nicht die Stadt, sondern der Landtag mit ordentlich gewählten Abgeordneten. Und das angestrebte Bürgerbegehren sei nach einer ausführlichen juristischen Prüfung abgewiesen worden. Dies als undemokratischen Vorgang zu bezeichnen, wertete Noerenberg als „ganz schön dreist“.

Auch manche in Umlauf gebrachte Zahlen seien nicht korrekt, merkte der Verwaltungschef an. Anders als behauptet gebe es in Sachen Kreisfreiheit bei der Einwohnerzahl in Baden-Württemberg „keine Grenze von 100 000“. Und so zu tun „als seien wir aus der Welt“ im Falle der Kreisfreiheit, sei schlichtweg „gaga“, zumal man mit dem Landkreis zusammenarbeiten wolle.

Wo der Schuh drückt

Derweil drückt der Schuh in Pfuhl anderweitig. Anwohner fühlen sich von der Leuchtreklame in der Leipheimer Straße massiv belästigt. Einer fürchtet gar um die Gesundheit seiner betagten Mutter: „Die alte Frau hat keine Ruhe mehr“. Wegen der permanenten Helligkeit habe sie schlaflose Nächte. „Meine Mutter leidet, bei ihr ist immer Tag“, beschwert er sich über „die Rücksichtslosigkeit“ des Anbieters.

Für den ist das gerade das Erfolgsrezept, wie ein Blick auf die Homepage des Anbieters zeigt. Dort wirbt er für sein großes „LED-Videoboard“, mit dem man der „Konkurrenz mehr als eine Nasenlänge voraus“ sei: Ein „Bewegtbild hat eine höhere Aufmerksamkeit als statische Werbeflächen, da dieser 20 Quadratmeter große „Fernseher“ die Aufmerksamkeit effektiv anzieht - ob man will oder nicht.“

Und genau das ist der Punkt. Deshalb bestehen auch Sorgen hinsichtlich der Verkehrssicherheit, weil man abgelenkt werde – ob man will oder nicht. Auch Stadtbaumeister Markus Krämer hat diesbezüglich Bedenken und „kann nachvollziehen, dass Lichtverschmutzung störend ist“. Allein, städtischerseits „gibt es wenig Einflussmöglichkeiten“, bedauerte er, dass die Bemühungen um eine kommunale Reklamesatzung mangels „Rechtsgrundlage in Neu-Ulm“ gescheitert seien.

Was gleichwohl wieder ein Thema werden könnte, denn auch OB Noerenberg ist nicht entgangen „dass Leuchtreklame in mehreren Stadtteilen zunehmend missfällt“. Zumal der Bürgerschaft nicht recht plausibel erscheint, dass bei Licht scheitern soll, was bei Lärm funktioniert. „Eine Lärmschutzverordnung gibt es ja auch“, hieß es.

Unzufriedenheit herrscht in Pfuhl auch im Bereich des ÖPNV. „Ich höre immer von Wachstum, habe aber nichts darüber gehört, was Sie für den Nahverkehr tun wollen“, beschwerte sich eine Frau über unzureichende Bus-Frequenzen und dem abendlichen Ein-Stunden-Takt. Für Gerold Noerenberg ein weiteres Argument für die Kreisfreiheit. „Das ist derzeit Landkreissache, wir bemühen uns, das in eigene Regie zu bekommen.“ Das gegenwärtige Problem: Der Landkreis habe die Aufgabe, die Menschen vom Land in die Stadt zu befördern, dafür sei der Standart-Takt ausgelegt - nicht auf innerstädtische Bedürfnisse. „Aber ich bin zuversichtlich, das werden wir in Kürze andern.“