Ein Festival, mit dem die Jugend erreicht und gefördert und die Stadt belebt wird: Das war das Ziel des Vorschlags der FDP, einen Graffiti-Wettbewerb für Sprayer zu veranstalten. Im Blick hatte die Fraktion dabei das Neu-Ulmer Jugendhaus oder einen Teil der Wand des alten Parkhauses. Ein Vorschlag, von dem die Verwaltung nicht gerade begeistert war. Warum, das erklärte Fachbereichsleiter Ralph Seiffert im zuständigen Ausschuss für Bildung, Familie und Kultur.

„Wir wollen nicht irgendwelche angeschmierten Bauzäune“, sagte Seiffert. „Bei diesem Thema geht es uns auch um Kunst im öffentlichen Raum.“ Schon seit längerem arbeitet er zusammen mit Museumsleiterin Helga Gutbrod an einem Street-Art-Konzept. Diese Kunstform eigne sich ideal für Neu-Ulm, „weil wir damit eine Nische besetzen können“. Ein Wettbewerb sei aber „eher kontraproduktiv, denn er wird keine Qualität erzeugen“. Jugendliche könnten das nicht.

„Das sind Künstler. Es genügt nicht, die Spraydose richtig rum zu halten.“ Womit er keinesfalls Schülerprojekte herabwürdigen wollte. Doch die Abgrenzung zu hochwertiger Street Art ist Seiffert wichtig, denn: „Wenn es nicht gut wird, wird es überschmiert.“

Leistungsdruck und Konkurrenz

Die Verwaltung stellt sich insbesondere gegen einen Wettbewerb. Statt die kreative, soziale und kulturelle Kompetenz Jugendlicher zu unterstützen, fördere eine solche Veranstaltung Leistungsdruck und Konkurrenz und richte sich nur an selbstbewusste Sprayer. Seifferts Abteilung schlägt stattdessen vor, dass ein anerkannter Sprayer im Jugendhaus Workshops mit Jugendlichen durchführt. Kostenpunkt für das Projekt: um die 20 000 Euro. Dem Vorschlag, eine solche Street-Art-Aktion für 2020 zu planen, stimmten die Stadträte einstimmig zu.

Wobei CSU-Rätin Annette Neulist zunächst gegen einen Workshop war. Die Künstlerin hat selbst schon mit Spraydosen gearbeitet und weiß: „Gesund ist das Zeug nicht.“ Ihre Fraktionskollegin Juliane Lidl-Böck kritisierte am geplanten Vorgehen, dass das Geld in eine vergleichsweise kleine Gruppe gesteckt werden soll – weniger als 20 Jugendliche können pro Workshop mitmachen –, statt Schulen einzubinden. „Das stärkt den Klassenzusammenhalt und wäre besser investiert.“

Woraufhin Seiffert abermals darauf verwies, dass die Verwaltung das Projekt mit der Brille „Kunst im öffentlichen Raum“ betrachte. Street Art solle durchaus zu Diskurs führen: „Sie bietet eine Fläche, sich damit auseinanderzusetzen, aber dafür brauchen wir Qualität.“